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Daten statt lieben - der Kinofilm "Generation Beziehungsunfähig"

Verfilmung des Bestsellers von Michael Nast : Daten statt lieben

Kann der Mensch nur als Paar wirklich glücklich werden? Auch mit dieser Überlegung spielt die romantische Komödie „Generation Beziehungsunfähig“.

Mit seinem Buch „Generation Beziehungsunfähig“ landete der gelernte Kolumnist Michael Nast 2016 in den Bestsellerlisten und füllte auf seinen Lesereisen ganze Hörsäle mit einem vornehmlich weiblichen Publikum. Die Thirtysomethings von heute – so sein Befund – scheitern an der Liebe, weil sie zu sehr mit dem eigenen Ego beschäftigt sind: Selbstverwirklichung, Selbstoptimierung, Selbstinszenierung seien wichtiger als eine tragfähige Liebesbeziehungen.

Anhand von griffigen Beobachtungen aus dem eigenen Freundeskreis der Berliner Szene wurde hier kurzerhand eine ganze Generation „beziehungsunfähig“ erklärt. Inwieweit Nasts Analyse des eigenen privilegierten Soziotops auch auf die Lebenswelt einer dreißigjährigen Mindestlohnempfängerin an der Supermarktkasse zutrifft, sei einmal dahingestellt. Aber das Bild des Hipsters, der datet statt liebt und sich auf der Suche nach sexueller Kurzzeitvergnügung durch Tinder swipt, passte ins Klischee einer zwanghaft promisken Single-Gesellschaft, die nicht erwachsen werden will.

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Klar, dass Matthias Schweighöfers Produktionsfirma Pantaleon sich erst einmal die Filmrechte an dem Buch sicherte. Überraschenderweise – dem Universum sei Dank – hat Schweighöfer nicht selbst Regie und Hauptrolle übernommen. Stattdessen steht Helena Hufnagel („Einmal bitte alles“) hinter der Kamera und Frederick Lau spielt den bindungsunfähigen Mittdreißiger Tim, der von einem Date zum nächsten hopst und seine Bettgefährtinnen schon am nächsten Morgen auf dem Smartphone „ghostet“.

Vor ein paar Jahren hat Tim einen halbwegs erfolgreichen Roman geschrieben, dessen Restexemplare sich heute nicht mehr verkaufen wollen. Für ein zweites Buch fehlen ihm die Ideen und so arbeitet er „nebenbei“ in einer Social-Media-Agentur, wo er sich von seinem ausschweifenden Nachtleben ausruhen kann. Aber – schließlich sind wir im Kino und nicht im Sachbuch – irgendwann erwischt es ihn doch. Ghost (Luise Heyer) nennt sich die Frau treffend, mit der sich Tim in der Tanke um die letzte Packung Stracciatella-Eis streitet, bevor er sein Herz an sie verliert. Die schlagfertige, selbstbewusste Architektin, die Häuser baut, während Tim bedürftige Influencer zu mehr Klicks verhilft, ist ein noch härterer Dating-Profi und denkt nicht daran, sich zurück zu verlieben. Und schon bewegt sich alles auf den Gleisen einer romantischen Komödie, in der für die romantophoben Tinderlinge ein klassischer Hindernis-Parkour auf dem Weg zum mittelfristigen Liebesglück verlegt wird.

„Generation Beziehungsunfähig“ – mit 84 Filmminuten ein echter Quicky – hat zwischenzeitlich durchaus Witz, weil Hufnagel gewinnbringend mit Geschlechterstereotypen zu jonglieren versteht. Frederick Lau darf hier wieder einmal gründlich auf den Hund kommen und Luise Heyer auf coole Socke machen. Aber letztlich liegt dem Film, genauso wie dem Buch von Nast, die durchaus wertkonservative Ansicht zugrunde, dass der Mensch nur als Paar wirklich glücklich werden kann und zu viel unverbindlicher Sex einsam macht. Ob das wirklich so ist, darüber hätte es sich gelohnt einen Film zu machen, der zeigt, dass es in Sachen Sex und Liebe keine allgemeingültigen Patentrezepte gibt – eine Chance, die „Generation Beziehungsunfähig“ auf unterhaltsame Weise vertan hat.

Info  „Generation Beziehungsunfähig“ 84 Minuten D 2021 R: Helena Hufnagel D: Frederick Lau, Luise Heyer, Henriette Confurius ***