Schauspielerin feiert 60. Geburtstag: Das Doppelleben der Christine Kaufmann

Schauspielerin feiert 60. Geburtstag: Das Doppelleben der Christine Kaufmann

Christine Kaufmann ist immer noch ein Filmstar, obwohl nur wenige Leute auf der Straße sie mit einer bestimmten Rolle in Verbindung bringen können. Am 11. Januar feiert die gebürtige Österreicherin ihren 60. Geburtstag. Sechs Tage später bringt sie eine weitere Autobiografie mit dem Titel "Christine Kaufmann und ich - Mein Doppelleben" heraus.

Kaufmann hat sich ihren eigenen Kosmos geschaffen, in dem der Schauspielberuf immer mehr in den Hintergrund geraten ist. "Das Leben ist viel spannender und interessanter, wenn man nicht spielt", sagte sie einmal. In der Vermarktung ihrer Schönheit und ihres Leben hat sie eine Alternative gefunden: Das Schreiben.

Ihre Karriere wird oft als märchenhaft beschrieben, weil darin der Bilderbuch-Kinderstar "Rosen-Resli" und Hollywood-Glanz aufleuchten. Christine Maria Kaufmann wurde in der letzten Phase des Zweiten Weltkriegs in Gröbming in der Steiermark geboren und wuchs in München auf. Dort arbeitete ihr Vater Johannes Kaufmann, ein ehemaliger deutscher Luftwaffen-Offizier, als Ingenieur. Die Mutter, die französische Maskenbildnerin Genevieve Gavaert, brachte die schöne Tochter mit den Strahle-Augen zum Ballett und nahm später deren Filmkarriere in die Hand. Christine Kaufmann spielte nach dem Erfolg als "Rosen-Resli" (1954) auch in Italien und Frankreich.

Mit 15 Jahren, 1960, gab sie im amerikanisch-schweizerischen Film "Stadt ohne Mitleid" an der Seite von Kirk Douglas ihr Hollywood-Debüt und wurde gleich mit einem Golden Globe ausgezeichnet. Die Hauptrolle als "Lolita" lehnte sie 1962 ab. Stattdessen spielte sie in dem Abenteuer-Epos "Taras Bulba" mit dem 37-jährigen Hollywoodstar Tony Curtis ein Liebespaar. Auch privat funkte es, die Hochzeit folgte im Februar 1963. Christine Kaufmann hörte auf, als Schauspielerin zu arbeiten, und bekam 1964 Tochter Alexandra und 1966 Allegra. Die Ehe zerbrach bald. Nach der Scheidung im April 1968 kehrte Kaufmann nach Deutschland zurück.

Der Streit ums Sorgerecht machte damals Schlagzeilen, weil Curtis die Töchter 1972 von London nach Los Angeles entführen ließ. Im März 2002 sagte Kaufmann in der ARD-Sendung "Beckmann": "Ich habe mich dann entschlossen, nicht zu kämpfen. Weil ich gar nicht konnte. Ich habe komischerweise gedacht: Love conquers all - dass sowieso Liebe zeit- und ortsunabhängig ist. Und komischerweise ist meine Theorie aufgegangen." Die Töchter kamen 1980 freiwillig zu ihr zurück.

Zusammenarbeit mit Fassbinder und Zadek

Christine Kaufmann schaffte damals den Wechsel zu anspruchsvollen Rollen: Werner Schroeter engagierte sie für die Filme "Der Tod der Maria Malibran" (1971) und "Tag der Idioten" (1981) und als "Salome" für die Aufführung am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg (1972). Unter der Regie von Rainer Werner Fassbinder drehte sie "Lola" und "Lili Marleen" (beide 1981). 1983 übernahm sie Hauptrollen in Peter Zadeks Simmel-Verfilmung "Die wilden Fünfziger" und in Percy Adlons Annette-Kolb-Verfilmung "Die Schaukel". Im Fernsehen überraschte sie mit Darstellungen komisch-verschrobenen "Weibsbilder" in der Erfolgsserie "Monaco Franze" (1983) und der Sketch-Serie "Harald und Eddi".

1985 und 1986 war sie am Hamburger Schauspielhaus engagiert. Bei den Bad Hersfelder Festspielen 1988 spielte sie in Hofmannsthals "Jedermann" die Buhlschaft. Ende 2001 folgte ihr großes Theater-Comeback am Wiener Burgtheater, wo sie in einer Inszenierung von Christopher Marlowes "Der Jude von Malta" unter Peter Zadek in einer Doppelrolle als Äbtissin und Hure auf der Bühne stand. Damals erklärte Christine Kaufmann, sie habe auch mit 56 Jahren kein Problem damit, sich nackt auf der Bühne zu zeigen.

Abgeschirmt hat sie aber ihr Privatleben. "Ich würde nie mit einem Mann an die Öffentlichkeit gehen, mit dem ich ein intimes Verhältnis habe", sagte sie 1990 in einem Interview der Tageszeitung "Die Welt". Bekannt ist nur, dass sie jeweils kurze Zeit mit dem Regie-Assistenten Achim Lenz und dem Popmusiker Reno Eckstein verheiratet war. In der "Welt" verriet etwas über ihre Gefühlswelt. Sie werde oft von Menschen begehrt, die nicht wüssten, was Liebe ist: "Sie sind so verstrickt in Begehren, dass sie keine Ahnung haben. Eine Frau wie ich ... lernt, mit dem Begehren umzugehen." Sie erklärte: "Ich kann es wirklich in andere Gebiete lenken, weil ich sonst nicht aus dem Bett käme."

Die 1997 geschlossene vierte Ehe mit dem Schauspieler und Maler Klaus Zey ist mittlerweile ihre längste. Durch ihn sei sie sesshaft geworden, erklärte sie einmal. "Ich bin Nomadin. Wenn ich zu lange an einem Ort wohne, kommt er mir wie ein gepolstertes Grab vor."

(ap)
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