Französischer Regisseur feiert Geburtstag: Claude Chabrol: 75 und kein bisschen lieb

Französischer Regisseur feiert Geburtstag : Claude Chabrol: 75 und kein bisschen lieb

Frankfurt/Main (rpo). Er wird am 24. Juni 75 Jahre alt und bringt Jahr für Jahr neue Filme auf die Leinwand. Der französische Regisseur Claude Chabrol ist unermüdlich. In fast einem halben Jahrhundert hat er in 54 Filmen die bürgerliche Gesellschaft seines Heimatlandes zum Thema gemacht. Dabei war er stets so unerbittlichen wie liebevoll, dass ihm seine Landsleute nichts übel nehmen konnten.

Chabrols Produktivität ist legendär, wenngleich nicht alle seine Werke von gleicher Qualität sind. Aber der gebürtige Pariser hat auch dann weiter Filme gemacht, als seine beste Zeit Ende der sechziger und Anfang der siebziger Jahre vorbei schien und er in Gefahr stand, ins Fernsehen abgedrängt zu werden. Doch er feierte 1982 mit der Simenon-Verfilmung "Die Phantome des Hutmachers" ein großartiges Comeback auf der Leinwand. Seitdem wird jedem neuen Streifen des Altmeisters mit Spannung und Respekt entgegengesehen, wirklich enttäuscht hat er die Erwartungen von Publikum und Kritik eigentlich nie.

Wenn Chabrol nach dem Wunsch seiner Eltern Apotheker geworden wäre, hätte vor seinen Mixturen gewarnt werden müssen. Doch der Student entschied sich nach zwei Semestern Pharmazie für den Film und verteilt seitdem bittere Pillen auf der Leinwand. Kein anderer Filmemacher seiner Generation ist der Spur des französischen Bürgertums aus Gewalt, Heuchelei und sexueller Gier so lustvoll und unermüdlich nachgefolgt wie der Genussmensch mit den dicken Augengläsern, der selbst wie der Idealtyp des satten Bourgeois wirkt - ein Eindruck, der natürlich täuscht.

Chabrol hat sich stets an sein Motto gehalten: "Viele Filme drehen und gute Filme drehen, muss kein Widerspruch sein." Unter seinen berühmten Generationsgenossen - dem toten Romantiker François Truffaut, dem längst müde gewordenen politischen Theoretiker und dem dialogfreudigen Moralisten Eric Rohmer - war und ist Chabrol der Mann mit der größten Offenheit für ganz verschiedene Stoffe und Projekte, auch für ganz banale Auftragsproduktionen: Ich glaube, es ist ein Beruf, bei dem man sich die Hände schmutzig machen muss. Gelegentlich kann man etwas machen, was man machen möchte, aber nur gelegentlich."

"Balzac des 20. Jahrhunderts"

1957 hat der Bewunderer von Alfred Hitchcock und Georges Simenon seinen ersten Film abgeliefert. Schon zwei Jahre später gewann er mit seinem nächsten Werk "Schrei, Wenn Du kannst" bei der Berlinale den Goldenen Bären. Zwischen 1967 und 1973 drehte Chabrol seine noch immer faszinierenden Meisterwerke "Die untreue Frau", "Der Schlachter" und "Blutige Hochzeit". Vordergründig erzählten diese Filme Kriminalgeschichten, doch es waren allesamt Expeditionen in die Abgründe des französischen Klein- und Großbürgertums.

"Ich möchte dem Publikum sagen, dass der Mensch in seinem kurzen Leben die verdammte Schuldigkeit hat, danach zu trachten, glücklich zu sein." Der kleine Mann, der auf fast allen Bildern seine geliebte Pfeife schmaucht, hat privat gleich mehrfach sein Glück gefunden: Von 1964 bis 1981 war er mit der schönen Schauspielerin Stephane Audran verheiratet. Sie hatte er zum Star und zur unvergleichlich lasziven Protagonistin seiner besten Filme gemacht.

Inzwischen ist Chabrol in dritter Ehe mit seinem ehemaligen Skriptgirl Aurore Pajot verheiratet. Eine durchaus logische Verbindung, denn Chabrol liebt es nun einmal seine "Familie" aus Mitarbeitern, Schauspielern und auch echten Angehörigen zusammenzuhalten. Das ist und bleibt eine wichtige Voraussetzung für die ungebrochene Produktivität eines Mannes, den ein Kritiker einstmals voller Respekt und mit gutem Grund als "Balzac des 20. Jahrhunderts" bezeichnet hat. Auf seine Filme darf das Publikum auch weiterhin gespannt sein.

(ap)
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