63. Filmfestspiele an der Côte d'Azur: Cannes eröffnet mit Robin Hood

63. Filmfestspiele an der Côte d'Azur : Cannes eröffnet mit Robin Hood

Cannes (RPO). Heute spannt Russel Crowe in Cannes den Bogen. Mit der neuen "Robin-Hood"-Verfilmung von Ridley Scott beginnen am Abend die 63. Filmfestspiele an der Côte d'Azur. Vorsitzender der Jury ist in diesem Jahr Tim Burton.

Doch bevor er und sein Team überhaupt an die Arbeit gehen, hat das französische Festival bereits zwei Skandale. Konkret geht es um "Die Sonne, die uns täuscht - Teil 2" von Nikita Michalkow sowie um "Hors-la-loi" (Gesetzlos) von Rachid Bouchareb. Den ersten haben Publikum und Kritiker bereits als Stalin-Propaganda des "Hofregisseurs von Premierminister Wladimir Putin" verrissen. Den zweiten, in dem es um das 1945 verübte Massaker der französischen Armee an algerischen Demonstranten für eine Unabhängigkeit der damaligen Kolonie geht, geißeln französische Politiker als "antifranzösisch".

Auch Xavier Beauvois packt mit "Des Hommes et des Dieux" (Männer und Götter) ein heißes Eisen an. Sein Wettbewerbsbeitrag erzählt die wahre Geschichte christlicher Mönche, die im Maghreb in Konflikt mit islamischen Fundamentalisten geraten. Der Mexikaner Alejandro González Inarritu, der vor vier Jahren in Cannes mit "Babel" den Regiepreis gewann, kehrt nun mit "Biutiful" zurück. Darin spielt Javier Bardem einen Drogendealer in Barcelona.

In die aktuelle Wirtschafts- und Finanzkrise passt, dass US-Regisseur Oliver Stone Michael Douglas 22 Jahre nach dem Erfolg von "Wall Street" wieder zocken lässt. Der Nachfolger mit dem Untertitel "Geld schläft nicht" läuft allerdings außer Konkurrenz - ebenso wie Woody Allens "You will meet a tall dark stranger". Das Filmfest spüre in diesem Jahr erstmls die Auswirkungen der Wirtschafts- und Finanzkrise auf die Filmbranche, sagt Thierry Frémaux, künstlerischer Leiter des Festivals. Waren es im vergangenen Jahr die Partys, die an der Croisette von Cannes weniger spektakulär als gewohnt ausfielen, so ging nun erstmals seit Jahren die Zahl der eingereichten Langfilme zurück. 1665 Produktionen bewarben sich um Aufnahme in den Festivalreigen. 2009 waren es noch 1670.

Gemessen an den 18 Wettbewerbsbeiträgen ist vor allem im asiatischen Raum und auch in Europa noch Geld für Filmproduktionen vorhanden. Hollywood ist dagegen mit nur einer Produktion - "Fair Game" von "Bourne-Identität"-Regisseur Doug Liman - im Rennen. Damit fehlen auf dem roten Teppich diesmal Stars wie Angelina Jolie oder Brad Pitt. Die Fans hoffen deshalb, dass Javier Bardem zumindest in Begleitung seiner Lebensgefährtin Penélope Cruz kommt. In letzter Minute reihte sich noch Ken Loach mit "Route Irish" ein. Der Film spielt im Irak.

"Der Jahrgang 2010 folgt keinen ausgetretenen Pfaden und ermöglicht eine schöne Reise durch das Kino in aller Welt", hält Frémaux Kritikern entgegen. Deutschland ist im Wettbewerb um die Goldenen Palme lediglich als Ko-Produzent vertreten - etwa mit "Mein Glück" des Weißrussen Sergei Losnitsa über einen Fernfahrer, der auf einer Reise durch Russland Gewalt und Willkür erfährt. Darüber hinaus treten in der Reihe "Un Certain Regard" für junge und noch weniger bekannte Regisseure die beiden deutschen Filmemacher Christoph Hochhäusler und Oliver Schmitz an. Hochhäusler erzählt ein Beziehungsdrama im Frankfurter Banker-Milieu. Schmitz wagt sich nach seinen Erfolgen mit den Komödien "Türkisch für Anfänger" und "Doctor's Diary" an eine dunkle Geschichte aus seinem Geburtsland Südafrika.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Russell Crowe und Cate Blanchett auf dem roten Teppich in Cannes

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