Cannes 2018: Goldene Palme geht an japanischer Film „Shoplifters“

Filmfestspiele von Cannes: Japanischer Film „Shoplifters“ gewinnt Goldene Palme

Der Film des Regisseurs Hirokazu Kore-eda war einer der Favoriten der Filmfestspiele in Cannes. Dennoch war im Zeichen von „MeToo“ der Hauptpreis für eine Frau erwartet worden. Die Libanesin Nadine Labaki gewann den Preis der Jury.

Das zarte Familienporträt „Shoplifters“ des japanischen Regisseurs Hirokazu Kor-eda hat bei den 71. Filmfestspielen in Cannes die Goldene Palme gewonnen.

Bei dem ersten großen Filmfestival seit dem Sturz des Filmmoguls Harvey Weinstein über sexuelle Verfehlungen war trotz der großen Akzeptanz für Kore-edas Film spekuliert worden, dass der Hauptpreis am Samstag an eine Frau gehen könnte.

Die Jury, von Cate Blanchett geleitet, entschied anders, gab aber ihren Preis der libanesischen Regisseurin Nadine Labaki für „Capernaum“.

#MeToo-Debatte prägte Festival

Nur drei Filme von Regisseurinnen waren unter den 21 Wettbewerbsbeiträgen. Das zwölftägige Festival wurde von Diskussionen und Demonstrationen zu Chancengleichheit und Gleichberechtigung begleitet.

Koze-eda widmete die Auszeichnung seinem gesamten Produktionsteam. US-Regisseur Spike Lee bekam den Großen Preis für „BlackKklansman“. Als bester Regisseur wurde der Pole Pawel Pawlikowski für seinen Film „Cold War“ ausgezeichnet, dem Nachfolger seines mit einem Oscar 2013 ausgezeichneten Werks „Ida“.

Italienische und iranische Filme teilen sich die Preise für das beste Drehbuch bei den 71. Filmfestspielen in Cannes. Die italienische Regisseurin Alice Rohrwacher wurde für „Happy as Lazzaro“ und Nader Saeivar und Dschafar Panahi für „3 Faces“ ausgezeichnet. Panahi durfte nicht vom Iran nach Cannes reisen, obwohl sich viele dafür eingesetzt hatten, darunter sein Kollege und Landsmann Asghar Farhadi. Panahi darf den Iran nicht mehr verlassen, seitdem er 2010 bei Demonstrationen zur umstrittenen Wahl 2009 verhaftet wurde. Neben Panahi war es auch dem russischen Regisseur Kirill Sebrennikow verwehrt, zur Premiere seines Films nach Cannes zu reisen.

Neuer Spezial-Preis eingeführt

Als beste Schauspielerin wurde Samal Jesljamowa für ihre Rolle in dem Film des kasachischen Regisseurs Sergej Dworzevoj, „Ayka“, ausgezeichnet. Die Wahl des besten Schauspielers fiel auf Marcello Fonte in Matteo Garrones „Dogman“. Der italienische Schauspieler Roberto Benigni überreichte Fonte die Auszeichnung.

Erstmals wurde ein neuer Preis, die „Palme d'Or Special“ vergeben. Sie ging an Jean-Luc Godard. Blanchett sagte, der 87-jährige Franzose habe „stets danach gestrebt, zu definieren, was Kino sein kann“. Sein „Image Book“ ist ein Filmessay über die Beziehung des Westens zur arabischen Welt.

Auch bei der Abschluss-Gala spielten „MeToo“ und die Vorwürfe gegen Weinstein - für Jahrzehnte hofierter Dauergast in Cannes - eine Rolle. Die italienische Schauspielerin und Filmemacherin Asia Argento sagte, Weinstein habe sie 1997 beim Festival in Cannes vergewaltigt. Weinstein hat alle derartigen Vorwürfe zurückgewiesen.

Argento sagte: „1997 wurde ich von Harvey Weinstein hier in Cannes vergewaltigt. Ich war 21 Jahre alt. Dieses Festival war sein Jagdrevier. Ich möchte eine Vorhersage machen: Harvey Weinstein wird nie wieder hier willkommen geheißen.“

(dafi/dpa)