Biopics über Musiker: Musik, die sich sehen lassen kann

Filme über Musiker : Biopics - Musik zum Anschauen

Filme über Musiker faszinieren das Publikum. Mittlerweile gibt es zahlreiche solcher Biopics. Eine Auswahl.

Vier Oscars – so viele Auszeichnungen hat „Bohemian Rhapsody“ über Sänger Freddy Mercury und seine Band Queen in diesem Jahr bei der wichtigsten Preisverleihung der Filmwelt kassiert. Kommende Woche nun kommt „Rocketman“, die Verfilmung von Elton Johns Leben, ins Kino. Das Genre Musiker-Biopic boomt: In der nächsten Zeit soll es Werke über Janis Joplin, Amy Winehouse, Peggy Lee und Leonard Bernstein geben, auch über Filme zu Madonna, Bob Marley und Marvin Gaye wird spekuliert. Grund genug für unsere Redaktion, einmal eine Liste ihrer Lieblings-Musiker-Biopics zusammenzustellen.

„Love & Mercy” über Brian Wilson

Brian Wilson machte mit seinen Beach Boys den Pop erwachsen. „Love & Mercy“ erzählt Wilsons Geschichte. Paul Dano und John Cusack verkörpern das musikalische Mastermind in zwei Zeitsträngen. Vor allem Dano gelingt es, Wilsons von Wahn und unermesslichem Talent geartetes Seelenleben deutlich zu machen. Regisseur Bill Pohlad verzichtet dabei auf die klischeehaften Darstellungen psychischer Entgleisungen, mitunter bedingt durch Drogen. Trotz Wilsons Fall ist der Film kein rein melancholisches Porträt. Er erzählt auch von der Liebe zur Musik – und die ist dank der grandiosen Tonspur allgegenwärtig (Regie: Bill Pohlad; 2014).

Aldis Hodge, Neil Brown, Jason Mitchell, O‘Shea Jackson und Corey Hawkins spielten in „Straight Outta Compton“ die stilbildende Rap-Gruppe N.W.A. Foto: Universal Pictures / AP

Straight Outta Compton“ über N.W.A.

Porträt einer der größten Bands des HipHop. N.W.A. etablierten Mitte der 1980er Jahre mit Stücken wie „F… The Police“ und „Straight Outta Compton“ den Gangsta-Rap. Besonders gelungen ist der Anfang des Films: Da wirkt er noch wie ein Sozialdrama aus Compton, einem Stadtteil von Los Angeles. Er erklärt die Wut der Musiker und zeigt, wie sie von der Polizei schikaniert wurden. Sehr schön auch die Bilder des späteren Rap-Milliardärs Dr. Dre zwischen seinen Schallplatten im Jugendzimmer. HipHop war ein Aufschrei: Das ist Musik von Menschen, die sich nicht länger unterdrücken lassen wollen. Der Film macht das gut nachvollziehbar (Regie: Felix Gary Gray; 2015).

Tom Hulce als Wunderkind in „Amadeus“. Foto: dpa

„I’m Not There“ über Bob Dylan

In diesem Biopic ist alles anders: Es gibt weder Handlung, noch Chronologie und keinen charismatischen Hauptdarsteller, sondern gleich sechs. In „I’m Not There“ spielen Christian Bale, Richard Gere, Heath Ledger, Ben Whishaw, Marcus Carl Franklin und Cate Blanchett unterschiedliche Charakterzüge von Bob Dylan. Damit spiegelte Regisseur Todd Haynes die Unberechenbarkeit des großen Dekonstruierers Dylan in der Form seines Films und machte vor, was man mit dem Genre Biopic alles anstellen kann (Regie: Todd Haynes; 2007).

Rami Malek als Freddie Mercury in „Bohemian Rhapsody“. Foto: dpa

„Bohemian Rhapsody“ über Freddie Mercury

Mehr geht nicht. „Don’t Stop Me Now“ ist der perfekte Song. Er startet langsam, steigert sich immer weiter, und mittendrin denkt man, wie schön es wäre, wenn er einfach nie aufhörte. Queen hatte sie einfach drauf, diese Songs. Wer das weiß, oder wer das auch nicht weiß, muss sich „Bohemian Rhapsody“ angucken. Dieser Film ist voller Momente, in denen man sich wünscht, dass er doch bitte nie aufhören möge. Er erzählt die Geschichte von Farrokh Bulsara, bevor er zu Freddie Mercury und damit zum Queen-Frontmann wurde, aber auch das Danach. Er erzählt von einem Suchenden, einem Fehlgeleiteten, von einem Mann mit großem Herz und vielen Schwächen, der dazu geboren war, die Massen zu berühren. Rami Malek hat für seine Mercury-Darstellung den Oscar als bester Hauptdarsteller gewonnen und das völlig zu recht. Denn der Zuschauer vergisst regelrecht, dass es nicht der echte Freddie ist, dem er da zuschaut. (Regie: Brian Singer; 2018).

„Amadeus“ über Wolfgang Amadeus Mozart

Er war Mutter und Vater aller Popstars zugleich, dabei noch Kind, das Wolferl, das zum ungestümen, kichernden, wahnsinnsgenialen Amadeus heranwuchs, ein Alleskönner mit losem Maul und weitem Herzen. So sah ihn der Filmregisseur Milos Forman, und so sah ihn 1984 die weltweite Gemeinde: „Amadeus“, das von sieben Oscar belohnte, sehr fiktive und sehr bizarre Duell eines unbedarften, aber lauteren Helden mit seinem gichtigen Neider, dem Komponisten Salieri, der am Ende sogar zu Mozarts Sargnagel wurde. Der Film holte seinen Amadeus vom Sockel und setzte ihn an den Katzentisch, von dem auch das Personal futterte. Ergreifend und unvergesslich (Regie: Milos Forman, 1984).

„Der Pianist“ über Wladislaw Szpilman

In dem Holocaust-Drama tritt der Musiker Wladislaw Szpilman (Adrien Brody) in den Hintergrund. Er macht Platz für den Juden Szpilman, der sich unter unsäglichen Umständen ans Leben klammert – Zwangsarbeit, Warschauer Ghetto, eine klamme Wohnung, in der er Gelbsucht bekommt, verraten von einem Helfer. Der Film über den Pianisten ist eine Passion, das Leid Szpilmans so unmittelbar, dass es fast unerträglich ist. Ein Moment der Mitmenschlichkeit: Szpilman wird von Wehrmachtsoffizier Wilm Hosenfeld gefunden, der ihn nicht verrät – verzaubert durch das Klavierspiel Szpilmans (Regie: Roman Polanski, 2002).

„Control“ über Ian Curtis

Dieser Film über das Leben und Sterben von Joy-Division-Sänger Ian Curtis (Darsteller: Sam Riley) erzählt mindestens zwei Geschichten. In der ersten Hälfte die, wie unfassbar cool es ist, als ganz normaler Teenager aus Manchester plötzlich in der angesagtesten Rockband des Landes zu spielen. In der zweiten, wie Curtis allmählich die Kontrolle verliert. Nicht nur aufgrund seiner Epilepsie, sondern auch wegen des Ruhms und des damit verbundenen Lebensstils, der sich nur schwer mit seinem Dasein als junger Ehemann und Vater vereinbaren lässt. Die erschütterndste Szene ist nicht die, in der er sich umbringt, sondern die, in der seine Frau die Leiche findet (Regie: Anton Corbijn, 2007).

„Walk The Line“ über Johnny Cash

Dieser Mann ist kaputt, etwas in ihm ist zerbrochen, er hat ein Loch im Herzen. Man kann es sehen. Joaquin Phoenix als Johnny Cash trägt den ganzen Schmerz eines Menschen im Gesicht und im Körper, der sich immer wie die ungeliebte Nummer zwei der Familie fühlte und sein Leben damit verbrachte, dieser Liebe hinterherzurennen. „Walk The Line“ erzählt die Lebensgeschichten des großen Country-Musikers und seiner Lebensliebe June Carter-Cash. Beide haben die Schauspieler, die sie darstellten – neben Phoenix spielte Reese Witherspoon – noch abgesegnet. Was für ein Glück. Nicht nur, weil beide selbst singen und verdammt nah am Original landen, sondern vor allem, weil das, was zwischen den beiden ist, durch ihr Spiel fast mit Händen zu greifen ist. Johnny und Junes Beziehung ist schwierig und intensiv – und sie stopft das Loch in Johnny Cashs Herz (Regie: James Mangold, 2005).

(grof)
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