Historiendrama "Sarahs Schlüssel" Berührende Geschichte über die Deportation der Juden aus Paris

Die blonde Sarah, etwa zehn Jahre alt, albert fröhlich mit ihrem kleinen Bruder herum, als es laut an die Wohnungstür pocht. Und nun genügt die Einblendung "Paris 1942", um den Tonfall des Films sofort zu ändern, um also Ernst zu machen und dem Zuschauer zu signalisieren, dass es gleich um Leben und Tod gehen wird. Die Polizei steht vor der Tür, um die jüdische Familie abzuholen, Sarah (Mélusine Mayence) kann ihren Bruder – "Ein Spiel!" – gerade noch in eine Schrankkammer sperren, bevor sie mit Vater und Mutter im bald überfüllten Velodrom von Paris interniert wird, mitten in der Schwüle des Sommers, ohne Wasser, ohne Toiletten.

Die blonde Sarah, etwa zehn Jahre alt, albert fröhlich mit ihrem kleinen Bruder herum, als es laut an die Wohnungstür pocht. Und nun genügt die Einblendung "Paris 1942", um den Tonfall des Films sofort zu ändern, um also Ernst zu machen und dem Zuschauer zu signalisieren, dass es gleich um Leben und Tod gehen wird. Die Polizei steht vor der Tür, um die jüdische Familie abzuholen, Sarah (Mélusine Mayence) kann ihren Bruder — "Ein Spiel!" — gerade noch in eine Schrankkammer sperren, bevor sie mit Vater und Mutter im bald überfüllten Velodrom von Paris interniert wird, mitten in der Schwüle des Sommers, ohne Wasser, ohne Toiletten.

"Es gibt kein Foto vom Velodrom!", erfährt die amerikanische Journalistin Julia (Kristin Scott-Thomas). Die Franzosen seien an diesen Maßnahmen gegen die Juden beteiligt gewesen, hätten dies aber lange verdrängt. Julia stellt nun Recherchen an, sie will diese Geschichte aus dem Dunkel der Historie hervorholen und stößt dabei nicht nur auf Sarah, sondern entdeckt auch noch ein Familiengeheimnis: Die Großeltern ihres Mannes, eines Pariser Architekten, haben damals die Wohnung der deportierten Familie übernommen.

In seiner Verfilmung des Bestsellers von Tatiana de Rosnay springt der Regisseur Gille Paquet-Brenner nun zwischen Vergangenheit und Gegenwart hin und her und setzt Sarahs Schicksal nach und nach zusammen. Es ist eine harsche und tragische Geschichte vom Überleben. Sarah gelingt die Flucht aus einem Lager, sie findet bei einem alten Bauernehepaar Unterschlupf, verkleidet als Junge schafft sie es sogar nach Paris in die alte Wohnung und kann mit dem Schlüssel, den sie immer bei sich getragen hat, endlich die Schrankkammer aufsperren. Was sie dort sieht, erspart uns der Film, Sarah aber wird mit diesem Bild leben müssen — und dies irgendwann nicht mehr können. Am Ende führen Julias Recherchen in die USA, und schließlich wird ein Sohn (Aidan Quinn) mit der Vergangenheit seiner Mutter konfrontiert, die er zunächst nicht glauben will.

"Sarahs Schlüssel" ist ein spannender und anrührender Film, aber auch einer mit Schwächen. Die Dramaturgie packt zu viel hinein. Auch stehen Julias Ehe- und andere Probleme zu denen Sarahs in einem merkwürdigen Missverhältnis. Vor allem aber hat der Regisseur einen leichten Hang zum Sentimentalen, lässt die Musik herumwühlen. Ein bisschen mehr Zurückhaltung hätte dieser Geschichte gut getan und sie noch stärker gemacht: Die Emotion steckt in ihr ja schon drin, man muss sie ihr gar nicht von außen aufdrücken.

Bewertung: 2 von 5 Sternen

(RP)
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