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Internationales Filmfestival Berlin: Diese Taxifahrt lohnt sich

Iranischer Film "Taxi" auf der Berlinale : Diese Taxifahrt lohnt sich

Der iranische Regisseur Jafar Panahi darf in seiner Heimat nicht drehen. Also ist er Taxifahrer geworden und hat eine Kamera ins Auto geschraubt. Entstanden ist ein kluger und humorvoller Beitrag über das Filmemachen, die Wirklichkeit und die Zensur

Nun sind also die ersten großen Starvehikel durch Berlin gerollt - und haben enttäuscht. Juliette Binoche kämpft in einem pathetischen Arktisdrama, das im heißen Studio gedreht wurde, um echte Gefühle. Doch die erreichen den Zuschauer nicht. Nicole Kidman hat sich unter die Regie des Altgenies Werner Herzog begeben, doch der verlor bei der Arbeit mit all den Hollywoodstars seine rebellische Haltung und erzählt in "Queen of the Desert" überraschend konventionell vom amorösen Scheitern einer Frau, die als Strippenzieherin des britischen Kolonialreichs viel interessanter gewesen wäre.

Internationales Filmfestival Berlin: Diese Taxifahrt lohnt sich
Foto: Krings

Doch es gibt einen ersten Bären-Kandidaten: Jafar Panahi. Der Iran hat gegen den Regisseur ein Arbeitsverbot ausgesprochen, er darf das Land nicht verlassen und eine Haftstrafe wurde nur noch nicht vollstreckt. Trotzdem hat Panahi wieder einen Film gedreht, der auf einem Stick, eingebacken in einen Kuchen aus dem Land geschmuggelt wurde.

"Taxi" ist nun ganz im Binnenraum eines Autos gedreht. Panahi sitzt selbst hinter dem Steuer, gabelt Leute am Straßenrand auf, holt seine Nichte von der Schule ab, lässt Episoden in sein Taxi steigen. Das ist aus der Not heraus konstruiert, doch Panahi kaschiert das nicht, sondern bezieht es überaus humorvoll ins Geschehen ein. Etwa wenn ein DVD-Schmuggler in sein Taxi steigt, den Regiemeister sofort erkennt, und nach vorne will, auf den Beifahrersitz, gleich vor der Kamera.

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Panahi betreibt bei aller Schlichtheit ein kunstvolles Spiel mit dem Film im Film. Es geht um Überwachungskameras, seine Nichte soll für die Schule einen Kurzfilm drehen, sein Nachbar hat mitgeschnitten, wie er selbst überfallen wurde. Vor allem aber geht es um die Limitierung durch Zensur, um das Streben des iranischen Staates, die Wirklichkeit aus dem Film zu halten, mit absurden Regeln nur positive Geschichten zuzulassen. Panahi hat dieser autoritäre Staat ganz verbieten wollen, Wirklichkeit abzubilden und sich künstlerisch auszudrücken. Doch er ist gescheitert.

Der Regisseur schenkt dem Festival einen erschütternd heiteren Film über die Lage bedrängter Künstler wie er selbst. Durch das Taxifenster zeigt der Film dem Zuschauer iranischen Alltag und erzählt ihm in verdichteten Episoden, worum es geht in einem Land, in dem kritische Denker eingeschüchtert und mundtot gemacht werden sollen. "Taxi" zur Berlinale einzuladen, war nicht nur ein politisches Zeichen, der Film gehört zu den eindringlichsten des bisherigen Wettbewerbs. Das sagt allerdings auch etwas über das Niveau bisher.

Mehr zur Berlinale im Live-Blog unserer Redakteurin Dorothee Krings.

(dok)