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Berlinale: "Als wir träumten" von Andreas Dresen

"Als wir träumten" bei der Berlinale : Ausgeträumt

Als dritter deutscher Wettbewerbsteilnehmer hat Andreas Dresen seinen Film "Als wir träumten" vorgestellt. Das Nachwende-Drama nach dem Roman von Clemens Meyer erzählt von einer Jungengang in Leipzig, die einen Technoclub aufziehen will. Doch sie scheitern an ihrer Naivität, an Drogen – und der brüchigen Loyalität unter besten Freunden.

Als dritter deutscher Wettbewerbsteilnehmer hat Andreas Dresen seinen Film "Als wir träumten" vorgestellt. Das Nachwende-Drama nach dem Roman von Clemens Meyer erzählt von einer Jungengang in Leipzig, die einen Technoclub aufziehen will. Doch sie scheitern an ihrer Naivität, an Drogen — und der brüchigen Loyalität unter besten Freunden.

Wieder in der Disco. Hart hämmern die Bässe, das Licht flackert, Jungs in Jeansjacken werfen sich in den Beat - die ehemalige DDR entdeckt den Techno. Schon Sebastian Schippers Berlinale-Film "Victoria" hatte in der Disco begonnen, in einem dunstigen Raum, der erst aussieht wie ein Gemälde bis die Konturen sich schärfen, die Musik dazukommt.

Konventionelle Bildsprache

Auch der dritte deutsche Wettbewerbsteilnehmer, Andreas Dresen, dreht in seinem Drama "Als wir träumten" die Musik auf, doch seine Bildsprache bleibt konventionell. Und so erzählt er auch die eigentlich doch so wilde, dunkle Geschichte von Rico, Dani und den anderen.

In der DDR sind sie aufgewachsen, zu Pionieren wurden sie erzogen. Das zeigt Dresen in Rückblenden mit den erwartbaren Versatzstücken: engstirnige Lehrer, die geistlos marxistisch-leninistische Phrasen dreschen, Jungs in frisch gebügelten Pionierhemdchen, Marschieren auf dem Pausenhof.

Dabei kann Dresen doch so wunderbar echt vom Osten erzählen, so leicht und wahr wie in "Sommer vorm Balkon". Diesmal aber sieht alles aus wie Kulisse. Auch in der Gegenwart des Films, der Nachwendezeit in Leipzig. Die Freunde haben die Schule bald hinter sich, ziehen in einer alten Halle eine Disko auf. Dort haust ein Trinker, den sie zum Barmann machen, und damit man auch versteht, dass der schmutzige Mann mit dem aufgedunsenen Gesicht ein Trinker ist, setzt er in jeder Szene einen Flachmann an den Mund. Solche Klischees passieren Dresen sonst nicht.

Freundschaft heilt nicht alles

Übermütige Touren in gestohlenen Autos ändern regelmäßig in Karambolage und wilden Zerstörungstänzen. Und dann sind da noch die Schlägereien mit den Glatzen aus dem Viertel, Baseballschläger-Angriffe, Rennen durch die Straßen, wie oft hat man das genauso schon gesehen. Jedenfalls scheitert der schöne Plan von der eigenen Disko bald an den Revierkämpfen mit den Neonazis.

Und dann kommen Drogen ins Spiel, ein Mädchen und irgendwann öffnen sich Gefängnistore, Türen zur Entzugsanstalt. Freundschaft heilt nicht alles.

Vielleicht ist er ehrlicher, der Film von Andreas Dresen, als die Konkurrenz aus dem eigenen Land. Schließlich halten die Freunde in Sebastian Schippers "Victoria" über alle Maßen zusammen, ihre Loyalität ist märchenhaft. Trotzdem wirkt dieser in einem Zug gefilmte Thriller aus dem Berlin der Gegenwart so viel wahrer und packender, als das Post-DDR-Drama aus Leipzig. Dabei hat Dresen doch wieder mit Drehbuch-Altmeister Wolfgang Kohlhaase zusammengearbeitet, mit dem er auch "Sommer vorm Balkon" entwickelt hat.

Diesmal will keine Leichtigkeit gelingen, wird die Geschichte behauptet, nicht mitfühlbar erzählt. Vorbei, denkt man, als die Träume der Freunde ausgeträumt sind, gescheitert wie die DDR. Was die Geschichte zur Gegenwart noch zu sagen hätte, zeigt der Film nicht.

RP-Redakteurin Dorothee Krings berichtet im Live-Blog von der Berlinale.

(dok)