Berlinale 2019: Israelischer Film gewinnt Goldenen Bären - Nadav Lapid mit "Synonyme"

Bären auf Berlinale 2019 vergeben : Die Jury um Juliette Binoche hat gute Entscheidungen getroffen

Die Berlinale endete mit einer emotionalen Preisvergabe, und ihr Höhepunkt war die Ansprache des 43 Jahre alten Regisseurs Nadav Lapid aus Israel. Sein Drama „Synonymes“ gewann den Goldenen Bären für den besten Film.

Er dankte seiner Mutter, der Cutterin Era Lapid, die den Film geschnitten hatte und während der Produktion gestorben war. „Synonymes“ erzählt mit nervösen Bilder von einem Israeli, der nach Paris kommt und seine Heimat unbedingt hinter sich lassen möchte.

 Geehrt wurden auch zwei deutsche Beiträge: Angela Schanelec bekam den Silbernen Bären für die beste Regie. Ihr Film „Ich war zuhause, aber“ war der ästhetisch eigenwilligste Film in einem eher schwachen Wettbewerb. Sie erzählt meditativ von einer Mutter, die die beiden Kinder nach dem Tod des Mannes alleine aufzieht. Den Alfred-Bauer-Preis für „neue Perspektiven der Filmkunst“ erhielt Nora Fingscheidt. Ihr Debüt „Systemsprenger“ handelt von einem aggressiven Mädchen, das durch das Raster staatlicher Betreuung fällt. Ein berührender Film, der die ständige Überforderung in irritierende Bilder übersetzt.

 Die Jury um Präsidentin Juliette Binoche hat gute Entscheidungen getroffen. Deutlichere Worte hätte man sich indes im Fall des chinesischen Regisseurs Zhang Yimou gewünscht. Er hatte während der Berlinale seinen Film aus dem Wettbewerb zurückgezogen – ein einmaliger Vorgang. Offiziell hieß es, es habe Probleme bei der Postproduktion gegeben. Viele vermuten jedoch, dass Yimou an der Zensur gescheitert ist. „Wir haben ihn sehr vermisst“, sagte Binoche. Vielleicht verstand sie die Silbernen Bären für die besten Hauptdarsteller als stilles Statement: Sie gingen an den chinesischen Beitrag „So Long My Son“. Wang Jingchun und Young Mei spielen darin Eltern, die ihr Kind verlieren. Der Film ist eine epische Anklage gegen die Ein-Kind-Politik.

Ebenfalls als Anklage kann man Francois Ozons Drama „Gelobt sei Gott“ verstehen. Der fast schon dokumentarische Film arbeitet den sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche auf. Das Drehbuch handelt von realen Ereignissen in Lyon. Derzeit läuft ein Prozess; die Anwälte versuchen, den Start zu verhindern. Ozon bekam den Großen Preis der Jury. Dieter Kosslick wurde nach 18 Jahren als Berlinale-Chef verabschiedet. Ihm rollten Tränen über die Wangen. Er umarmte seine Nachfolger Mariette Rissenbeeck und Carlo Chatrian. Ihre Berlinale beginnt am 20. Februar 2020.

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