Berlinale 2019: Dieter Kosslick sieht Filmbranche durch Streaming im Umbruch

Kosslick zur Berlinale 2019 : „Kino wird bleiben - Stream hin, Stream her“

Ab dem 7. Februar findet in Berlin die 69. Berlinale statt. Es ist die letzte Ausgabe unter dem scheidenden Festivaldirektor Dieter Kosslick. Dieser beobachtet eine Filmbranche im Wandel.

Die Berlinale steht in diesem Jahr unter dem Motto „Das Private ist politisch“. „Der Slogan der 68er Frauenbewegung erfährt neue Aktualität“, betonte Festivaldirektor Dieter Kosslick bei der Programm-Pressekonferenz am Dienstag in Berlin. Das spiegele sich auch in den diesjährigen Themen des Filmfestivals: Kindheit, Familie, Geschlechtergerechtigkeit und Ernährung. Es ist Kosslicks letzte Berlinale - nach 18 Jahren räumt der 70-Jährige seinen Posten.

Es passe nicht jedem, dass die Berlinale unter ihm so groß geworden sei, sagte Kosslick. „Das sollte aber eigentlich Sinn und Zweck von einem Filmfestival sein. Dass man die Leute nicht davon abhält ins Kino zu gehen, sondern sie auffordert und ihnen Lust macht.“

Zur 70. Berlinale 2020 wird Kosslick von einer Doppelspitze abgelöst: Künftig übernehmen der Italiener Carlo Chatrian und die Niederländerin Mariette Rissenbeek die Leitung. „Ich glaube, das wird alles gut gehen mit uns“, sagte Kosslick. Natürlich würden sie sich im Laufe der Berlinale alle zusammen zeigen: „Wir werden die Übergabe so machen, dass jeder sieht, dass wir Freunde sind.“

In diesem Jahr fährt Kosslick erneut einen Roten Teppich voller Prominenz auf. Erwartet werden die Schauspielerin Tilda Swinton, der Schauspieler Christian Bale, die Französin Catherine Deneuve und der britische Schauspieler Martin Freeman. Einer der prominenten deutschen Gäste werde der Regisseur Fatih Akin sein. Akins Film „Der Goldene Handschuh“ gehört zu den Wettbewerbsfilmen.

Das diesjährige Festival findet vom 7. bis zum 17. Februar statt. Insgesamt werden 400 Filme gezeigt. 17 Filme konkurrieren um den Goldenen Bären - davon sieben von weiblichen Filmemacherinnen. Mit mehr als 41 Prozent ist die Frauenquote damit im Vergleich zu anderen internationalen Festivals hoch. Im französischen Cannes waren es zuletzt 14 Prozent, beim Filmfestival in Venedig weniger als fünf Prozent.

Kurator Thomas Hailer erinnerte daran, dass zur Berlinale vor einem Jahr die MeToo-Debatte um Sexismus und sexuelle Gewalt in der Filmbranche gerade erst begonnen hatte. „Die Debatte ist mit ganz großer Entschiedenheit nicht vorbei. Sie wird weiter Wellen schlagen - hoffentlich auch mal über die Grenzen dieser Branche hinaus“, sagte Hailer.

Mit „Elisa y Marcela“ ist auch ein Film des Streaminganbieters Netflix im Wettbewerb. Kosslick betonte in dem Zusammenhang, die Berlinale sei „erstmal da fürs Kino“. Die audiovisuelle Welt befinde sich jedoch in einem großen Umbruch. „Es wird sich zeigen, wohin die Reise geht. Ich bin der Überzeugung, dass das Kino bleiben wird - Stream hin, Stream her“, sagte der Berlinale-Chef.

Zudem stellte Kosslick die diesjährige Jury vor. Neben Präsidentin Juliette Binoche sitzen in diesem Jahr die deutsche Schauspielerin Sandra Hüller und der chilenische Oscar-Preisträger Sebastián Lelio in dem Gremium. Auch der US-Filmkritiker Justin Chang, der Filmkurator Rajendra Roy und die Britin Trudie Styler gehören demnach zur Jury.

(hebu/AFP)
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