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Berlinale 2017 eröffnet mit der Fluchtgeschichte von Django Reinhardt

Berlin : Jazz und Politik bei der Berlinale

Festival eröffnet mit der Fluchtgeschichte des Gitarristen Django Reinhardt.

Fast hätte diese Berlinale unbeschwert begonnen - mit Gypsy-Musik. Ein blinder alter Mann sitzt im Wald, spielt Gitarre, lockt den Swing hinter den dunklen Bäumen hervor. Doch es ist das Jahr 1943, im Wald schleichen deutsche Soldaten umher, schon schiebt sich die erste Revolvermündung ins Bild. Die Musik im Wald wird bald verstummen.

Mit dem französischen Drama "Django" haben die 67. Filmfestspiele in Berlin begonnen. Mit einem Musikfilm also, doch das klingt zu heiter, denn "Django" erzählt von der Drangsalierung des Swing-Gitarristen Django Reinhardt, der aus einer Sinti-Familie stammte und aus dem besetzten Frankreich fliehen musste. Regisseur Etienne Comar blendet in das Leben dieses Künstlers, als Django entscheiden muss, ob er dem Druck der deutschen Besatzer nachgibt und in Deutschland auf Tournee geht oder flieht. Der Film ist eine Studie über Kunst und Widerstand und zugleich eine Hommage an den bedeutendsten Gypsy-Musiker seiner Zeit. Allerdings gelingt es Comar nicht, die Leidenschaft der Musik in Bilder zu verwandeln. Stattdessen ist ein konventionelles Nazi-Drama zu besichtigen, in dem böse Deutsche "Hammerstein" heißen und nagelneue Ledermäntel tragen.

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Doch die Berlinale wollte wohl mit einem Film beginnen, der mit der Leichtigkeit des Swing politische Fragen stellt. Und während Hollywood-Stars wie Richard Gere erst bei Grünen-Politikerin Claudia Roth und dann sogar bei der Kanzlerin vorsprachen, um auf die Lage in Tibet aufmerksam zu machen, betonte die Berlinale-Jury bei ihrem ersten Auftritt, dass es in erster Linie um die Qualität der Filme gehen solle, nicht um politische Botschaften. Die gab es dann aber doch. Er wolle in Berlin lernen, wie man Mauern einreiße, sagte Jury-Mitglied Diego Luna aus Mexiko mit Blick auf Donald Trump.

Und seine US-amerikanische Jury-Kollegin Maggie Gyllenhaal sagte: "Ich freue mich in Berlin zu sein, um der Welt zu sagen, dass in meinem Land viele Menschen bereit sind für Widerstand."

(dok)