Deutsche Star-Schauspielerin Warum Nina Hoss auf einen Oscar für Sandra Hüller hofft

Berlin · Die 48-Jährige ist international gut im Geschäft. Nun stellt sie bei der Berlinale ihren Film „Langue Étrangère“ vor. Ein Treffen im Raum „Birke“ eines verschlungenen Kongresshotels.

Die Schauspielerin Nina Hoss auf dem Roten Teppich der Berlinale.

Die Schauspielerin Nina Hoss auf dem Roten Teppich der Berlinale.

Foto: AFP/RONNY HARTMANN

Um Nina Hoss zu finden, braucht man botanische Kenntnisse. Das Kongresshotel Scandic in Berlin ist nach Naturphänomenen und Pflanzenarten geordnet. Nina Hoss wartet im Raum „Birke“, den aber nur erreicht, wer rechtzeitig in den Trakt „Nordische Bäume“ abbiegt. „Schräg, oder?“, sagt die 48-Jährige bei der Ankunft. Total.

Die deutsche Schauspielerin schickt die internationale Produktion „Langue Étrangère“ (Fremdsprache) in den Wettbewerb der Berlinale. Unter der Regie von Claire Burger spielt sie darin die Mutter der 15-jährigen Lena. Die beiden leben in Leipzig und nehmen für vier Wochen Austausch-Schülerin Fanny aus Straßburg auf. Problem: Die Mädchen verstehen sich erstmal gar nicht.

Nina Hoss legt ihren langen Jeansmantel ab, darunter trägt sie einen beigen Overall mit einem rosa Stoffband als Gürtel, dazu schwere Bikerboots. Im vergangenen Jahr war sie mit „Tár“ an der Seite von Cate Blanchett in Berlin zu erleben. Hat der Film ihr Berufsleben verändert? Ach, das wisse sie gar nicht so genau, sagt Hoss. „Alles, was man macht, kann potenziell ein nächstes Projekt zur Folge haben. Man kann nur hoffen, dass man mit jeder Arbeit, die man macht, weiter inspiriert.“

Ob es der weltweit viel besprochene Film „Tár“ war, der den Ausschlag gab oder nicht: Nina Hoss ist gut im Geschäft. Eben habe sie eine amerikanische Produktion abgedreht, die auf Ibsens „Hedda Gabler“ beruhe. Bis Juni sei nun in London, wo sie in Tschechows „Kirschgarten“ auf der Bühne stehe.

In „Langue Étrangère“ freunden sich die beiden Mädchen allmählich über ihr politisches Engagement an. Es geht um Klimawandel, Rechtsextremismus und Mobbing. Das ist eine sommerliche Liebesgeschichte aus der Gegenwart, irgendwann funkt es. Meist sprechen Lena und Fanny Französisch miteinander, nur wenn es romantisch wird, reden sie auf Deutsch, was neu und schön ist. Man darf das jedoch nicht als Jugendfilm missverstehen. Die Mutter, die Nina Hoss spielt, versucht, über eine Trennung hinwegzukommen. Sie ist warmherzig, sensibel, aber sie trinkt, und dadurch bringt sie verborgene Aggressionen an die Oberfläche. Bei einem eskalierenden Mittagessen hat Hoss einen spektakulären Auftritt.

Hoss unterstreicht das Gesagte oft mit den Händen, dann fliegen die roten Punkte ihrer lackierten Nägel durch die Luft. Manchmal lacht sie ein lautes „Haha!“. Sie gehörte einem legendären Jahrgang der Schauspielschule Ernst Busch in Berlin an. Sie studierte dort mit Fritzi Haberlandt, Lars Eidinger, Devid Striesow und Mark Waschke. Eine Betrunkene zu spielen, ist das nicht total schwierig? Hilft da ihre schauspielerische Eigenart, die vielerorts als minimalistisch gerühmt wird: das Prinzip, mit wenig viel zu zeigen? „Ich arbeite nicht daran, minimalistisch zu sein“, sagt Hoss kategorisch. „Ich arbeite daran, wahrhaftig zu sein.“

Ein Oscar für Sandra Hüller könnte dazu beitragen, zerrissene Frauenfiguren international präsenter zu machen, meint sie. Hüller ist für ihre Hauptrolle in „Anatomie eines Falls“ nominiert. „Der Oscar für Sandra würde bewirken, dass die Frauenfiguren, die sie spielt, und wie sie sie spielt, honoriert werden“, sagt Hoss. „Das wäre der größte Triumph. Das würde für alle Schauspielerinnen unabhängig von der Nationalität eine Tür öffnen.“

Apropos Tür. Bei der Suche nach dem Ausgang des Hotels verirrt man sich in der Event-Ebene „Aurora Borealis 1-3“. Schräg.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort