"Beach Bum" von Harmony Korine

Neuer Film von Harmony Korine : Faszinierend bizarr

Matthew McConaughey spielt in „Beach Bum“ eine liebenswerte Nervensäge.

(dpa) Zum Ende dieser ziemlich schrägen, von einem anarchistischen Geist durchwehten Komödie, da fallen brennende Dollarnoten wie Regen vom Himmel. Die Hauptfigur Moondog, das ist da längst klar, sie schert sich nicht um konventionelle, um kapitalistische, um die von durchschnittlicheren Menschen hoch gehaltenen Werte. Moondog, ein gescheiterter Schriftsteller und Poet, lebt nur für den Moment, ausschließlich nach seinen ganz eigenen Vorstellungen. Verkörpert von Oscar-Preisträger Matthew McConaughey schickt ihn Regisseur Harmony Korine auf einen exzessiven Trip durch die Florida Keys und Miami, bei dem kein Auge trocken, kein Kopf nüchtern bleibt. Flankiert wird die Hauptfigur von ähnlich bunten, durch Schauspieler wie Martin Lawrence, Zac Efron, Snoop Dogg und Jonah Hill verkörperte Nebenfiguren.

Moondogs komplettes Leben ist eine einzige Entgrenzung. Er schwankt mehr, er tänzelt mehr als zu gehen. Ständig ist Moondog high – kaum, dass ihn mal eine Szene ohne Drogen in der Hand zeigt, ob mit Bierdose, Joint oder Zigarette. Außer beim Sex oder beim Tanz mit Frauen scheint Moondog sich immer an etwas Berauschendem festhalten zu müssen. Moondog ist eine Zumutung, Moondog wird verehrt, sein überspannter Kleidungsstil fängt bei neongrellen Hawaiihemden nicht an und hört bei wallenden Frauenkleidern nicht auf.

In einer herrlich überdrehten, einer wunderbar sinnentleerten Sequenz zerstört Moondog zusammen mit Obdachlosen das komplette Interieur seines Hauses. Um danach auf die Frage nach dem Warum zu antworten: „aus Langeweile“. Richtig zur Räson gebracht wird dieser sympathische Irre auch durch den tragischen Tod seiner Ex-Frau nicht. In ihrem Testament jedoch hatte diese zuvor erklärt, Moondog habe nur Anrecht auf das üppige Erbe, wenn er endlich sein seit Jahren angekündigtes Buch vollende.

Zuweilen muss man an ähnlich gestimmte, an andere Komödien amerikanischer Herkunft denken, an Werke wie „The Big Lebowski“, „Ananas Express“ oder die kultigen Kifferfilme mit Cheech und Chong („Viel Rauch um Nichts“, 1978). „Beach Bum“ ist zudem ähnlich exaltiert, ähnlich farbenfroh und ähnlich verrückt wie Harmony Korines „Spring Breakers“ aus dem Jahr 2012 (mit James Franco und Selena Gomez). Korine, der einst als junger Kerl mit dem Drehbuch zum Teenie-Kultfilm „Kids“ (Regie: Larry Clark) erstmals richtig auf sich aufmerksam machen konnte, versteht sich auf die filmische Darstellung von Exzessen, das zeigt er nun auch mit seinem „Beach Bum“.

Seinem Moondog aber wünscht man etwas mehr an charakterlicher Entwicklung; das tragische Potenzial dieser stets von Menschen umringten und doch völlig einsamen Figur weiß Korine, der auch das Skript schrieb, nur ansatzweise auszuschöpfen.

McConaugheys Moondog ist ein faszinierender Lebenskünstler, ein subversiver Freigeist. Moondog ist ein Asozialer, ein Nihilist, ein Tunichtgut. Mit dieser Ambivalenz hat man im Kinosessel von Beginn des Films an zu tun. Mal möchte man diesen Moondog ins Herz schließen, mal wendet man sich angewidert ab wenn er die Schwächen anderer schamlos auszunutzen weiß. Manch ein Filmbesucher wird sich an dieser bizarren Figur stoßen.

Zudem gleichen viele Szenen einander; bei all der Redundanz kann von einer packenden Geschichte kaum die Rede sein. Hat man sich allerdings einmal eingelassen auf die Grundstimmung des Films, dann kann von „Beach Bum“ durchaus eine gleichsam kathartische Wirkung ausgehen.

Beach Bum, USA, Großbritannien, Schweiz, Frankreich 2019 – Regie: Harmony Korine mit Matthew McConaughey, Isla Fisher, Snoop Dogg, Zac Efron, Jonah Hill, Martin Lawrence, 95 Min.

(dpa)
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