Großes Festival startet am 11. April in Düsseldorf Theater im Zeichen des Ukraine-Kriegs

Düsseldorf · „777 Tage“ heißt das Europäische Theaterfestival in Düsseldorf. So viele Tage währt dann schon der Ukraine-Krieg, wenn Inszenierungen aus dem von Russland angegriffenen Land ab dem 11. April gezeigt werden. Spannende Begegnungen stehen bevor.

Szene mit den drei Cyber-Aktivistinnen aus der Inszenierung „Spy Girls" von Magda Szpecht.

Szene mit den drei Cyber-Aktivistinnen aus der Inszenierung „Spy Girls" von Magda Szpecht.

Foto: Schauspielhaus

Über soziale Medien knüpften sie Kontakt zu russischen Soldaten in den besetzten Gebieten. Täuschten Absichten vor mit dem Ziel, möglichst über sie zu erfahren: Persönliches, ihre Standorte, militärische Ziele. Drei Cyber-Aktivistinnen stellten sich damit in den Dienst ihres Landes, der Ukraine. Spy Girls nennen sie sich, Spionage-Frauen. Und „Spy Girls“ heißt auch das Theaterstück von Magda Szpecht, in dem die Dialoge zu Bühnentexten werden. Das ist Kunst am Rande des ethisch Vertretbaren, eine künstlerische Aktion in Zeiten des Krieges. So sieht es auch Birgit Lengers, Leiterin eines neuen, europäischen Festivals, das am Düsseldorfer Schauspielhaus vom 11. bis 17. April Theater aus und über die Ukraine zeigen wird.

Die „Spy Girls“ gehören ebenso zum Programm wie große Inszenierungen und kleines Puppentheater, Konzerte und Tanz, Projekten und Animationen. So unterschiedlich die Ausdrucksformen auch sind, sie alle stehen unter dem Eindruck vom Leid des Krieges. Aufführungen, die bisher nur in sicheren U-Bahn-Stationen gezeigt werden konnten, Produktionen, die die Spuren des Krieges in sich tragen. Wie das Stück „H*A*L*T“. Es ist der 24. Februar 2022, als die Proben des Left Bank Theatre zum Stück beginnen sollen. Doch an diesem Tag greift Russland die Ukraine an. Die Inszenierung wird eingefroren und wird später das Kriegstrauma integrieren. Geplant war Hamlet, doch ausgelöscht wurden darin die Buchstaben m und e: Me. Was blieb, war „H*A*L*T“.

Der Tag der russischen Invasion diktierte den Namen des Theaterfestivals. Denn wenn es am 11. April startet, sind es exakt 777 Tage seit Kriegsbeginn. Eine Zahl, die den Überfall weiter im Bewusstsein der Menschen halten soll, zumal mit der Dauer des Krieges auch die Kraft der Solidarität verschleißt, so Generalintendant WiIfried Schulz. Die 7 ist eine Art Brandmal des Festivals, das sieben Tage dauert und als Eintritt zu allen Aufführungen jeweils nur sieben Euro erheben wird. Eine Ausnahme gibt es für hier lebende Ukrainer, die für den Besuch einer Produktion lediglich einen Euro bezahlen müssen. Möglich wurde das durch etliche Sponsoren. Sie unterstützen das Festival mit insgesamt 300.000 Euro. Diesmal werden es die Kunst und das Theater sein, die den Krieg ins Gedächtnis rufen, der „nicht enden wird, bloß weil ihn alle vergessen“, so der ukrainsche Regisseur Stas Zhyrkov.

Infos unter www.dhaus.de

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