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Evangelische Studierende publizieren umstrittenes Papier der Katholiken

Debatte um Kölner Hochschulgemeinde : Streit um Positionspapier hält an

Das Erzbistum Köln ließ ein umstrittenes Positionspapier der Katholischen Hochschulgemeinde aus dem Netz entfernen. Jetzt veröffentlichen es ihre evangelischen Kommilitonen.

Das umstrittene Positionspapier der Katholischen Hochschulgemeinde in Köln (KHG) ist nach Intervention des Erzbistums aus dem Netz entfernt worden – und kurz danach wieder aufgetaucht: In ökumenischer Solidarität hat die Gemeinde der evangelischen Studierenden das Dokument online gestellt. Auf ihrer Homepage ist jetzt also die Kritik an der katholischen Amtskirche zu lesen, unter anderem mit diesem Wortlaut: „Das Bild der katholischen Kirche ist nach außen hin überwiegend durch Amtsträger bestimmt: von Vertretern auf weltkirchlicher Ebene (darunter Papst Franziskus oder Joseph Ratzinger), der Bischofskonferenz, dem Bistum oder Leitern kirchlicher Ausbildungsstätten. Wir finden es unerträglich, wie rückständig und vermeidend sich bestimmte Angehörige dieser Personenkreise öffentlich äußern bzw. verhalten – und dabei immer wieder Menschen verletzen.“

Das Papier, das auch Kritik an der Sexualmoral der Kirche sowie am Lehramt übt, sollte auf Anweisung des Erzbistum bereits Anfang November gelöscht werden. Nach Auskunft des Erzbistums sei es jetzt bei der Umsetzung zur unbeabsichtigten Störung der Webside gekommen. Am Donnerstag war die Seite der KGH wieder erreichbar – ohne das Papier.

Am kommenden Wochenende tagen die Delegierten der Arbeitsgemeinschaft Katholischer Hochschulgemeinden. Auch dort soll eine Solidaritätserklärung für die Kölner Studierenden verabschiedet werden. Insgesamt ist der Unmut über das Verhalten des Erzbistums groß: „Mit der Sperrung des Internetseite der KHG-Köln wird kirchenintern versucht, öffentliche Positionierungen von Haupt- und Ehrenamtlichen der Kirche zu unterdrücken. Es ist ein massiver Eingriff in die redaktionelle Freiheit“, so Guido Schürenberg, Referent für Alltagsspiritualität und Öffentlichkeitsarbeit in der Hochschulgemeinde Aachen. Im Gespräch mit unserer Redaktion kritisierte er, dass dadurch „das Vertrauen der Studierenden in die Einrichtungen der Kirche und die Glaubwürdigkeit ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gestört“ werde.

In einer Stellungnahme des Erzbistums heißt es, dass „die intensive und auch kritische Auseinandersetzung mit kirchlichen Positionen ein wichtiges Anliegen ist. Dabei gilt für alle Beteiligten des Diskurses, dass er in einer sachlichen und angemessenen Weise geführt wird. Dies ist aus Sicht des Erzbistums bei dem betreffenden Positionspapier jedoch nicht der Fall.“ In mehreren Gesprächen habe man zuvor mit den Mitarbeitenden „die Vorgehensweise rund um das Positionspapier ausführlich thematisiert“. „Erklärtes Ziel“ des Erzbistums aber sei es, „die Eigenverantwortung der KHG für ihre Programme und Publikationen auch in Zukunft zu erhalten“.

Auf Unverständnis stößt der Eingriff auch deshalb, da das Kölner Positionspapier innerhalb kirchlicher Reformdebatten nichts wesentlich Neues beschreibe. Vielmehr berühre es jene Aspekte, die auch beim Synodalen Weg befragt werden und nach den Worten Schürenbergs „vor allem die Fragen und Lebenswirklichkeiten der Studierenden betreffen“. So treten die Studierenden der katholischen Hochschulgemeinde in dem Papier unter anderem für „eine partizipative Form des Kirche-Seins statt einer Überhöhung der priesterlichen Lebensform“ ein, für eine strukturelle Gleichstellung der Frauen durch Zulassung zu den Ämtern, für ein Ende der Verurteilung von gelebter Sexualität durch zölibatär lebende Männer wie auch für eine wertschätzende Haltung gegenüber Beziehungen von homosexuellen und heterosexuellen Paaren.