1. Kultur

"Eingewanderte Wörter" von Matthias Hein erklärt Herkunft vieler Worte

Buch-Tipp : Die Welt zu Gast im Deutschen

Über „eingewanderte Wörter“ aus aller Herren Sprachen informiert kurzweilig ein gleichnamiges Buch. Es erklärt unter anderem die überraschende Herkunft von „Anorak“, „Putsch“ und „Zombie“.

Liebe Leserin, lieber Leser, Ihre Meinung ist gefragt: Aus welcher Sprache stammt Ihrer Vermutung nach der Begriff „Putsch“ für einen politischen Umsturz? Von den sagenhaft wilden Hunnen oder Maori? Vom Balkan, aus einer finsteren Ecke Arabiens, Afrikas, Asiens? Oder von den aufrührerischen Katalanen, deren politischer Anführer Carles Puigdemont den Staatsstreich, in diesem Fall gegen Spanien, ja bekanntlich bereits im Namen trägt?

Alles weit gefehlt. Erfunden haben’s – einmal mehr – die Schweizer. Die heute sprichwörtlich diplomatischen Eidgenossen meinten damit ursprünglich schlicht einen Knall oder Schlag – weshalb der Auto­scooter dort possierlicherweise bis heute auch „Putschauto“ heißt.

Den Ausdruck Poncho wiederum brachte ein französischer Spion mit dem klangvollen Namen Amédée- François Frézier aus Chile mit, ebenso wie die ersten Erdbeeren.

Sprachliches, kulturgeschichtliches sowie unnützes, aber ungemein unterhaltsames Wissen dieser Art vermengt Matthias Heine in seinem handlichen Band „Eingewanderte Wörter – von Anorak bis Zombie“ (Dumont Buchverlag, 144 Seiten, 18 Euro).

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Der Kulturjournalist und Sprach-Experte will ergründen, „wo all die Konquistadoren, Kolonialisten und Kaufleute, die gewissermaßen als linguistische Zwischenhändler agierten, jene ‚Wortmigranten’ ursprünglich einmal aufgeschnappt hatten“ – und es gelingt ihm. „Das Abenteuer war einmal eine Frau“, ist der erste Satz des ersten Eintrags, und viele ebenso famose folgen. Dabei nimmt Heine nicht jeden Gag mit, sondern lässt dem geneigten Leser auch Raum zum Selberdenken und -amüsieren, etwa wenn wir erfahren, dass der von den Rastafari als Gott verehrte letzte äthiopische Kaiser Haile Selassie mit bürgerlichem Namen hieß wie ein mittelprächtiger Skispringer: Täfäri Mäkonnen.

Das kurzweilige Buch ist lehrreich auf angenehm unaufdringliche, fast schon lässige Weise. Besonders charmant ist der Respekt des Autors gegenüber seinen mehr als 100 Sujets sowie deren Taufpaten, also unser aller Vorrednern. Sämtliche Völker, Stämme und Sprachen dröselt er so weit wie möglich auf, ohne dass die Leserlichkeit leidet: Die Azteken sprachen eben nicht Aztekisch, sondern Nahuatl, ein Tipi ist kein Wigwam, und das Wort „Roboter“ ist nicht bloß Tschechisch, sondern eine Neuerfindung des tschechischen Autors (und aktiven Nazi-Gegners!) Josef Capek – so viel Zeit muss sein.

Seinen feinen Sprachwitz setzt der Autor wohldosiert ein, die Kiwi zum Beispiel nennt er „ein Produkt mehrfacher Hochstapelei: Sie ist eine Chinesin, die als Neuseeländerin ausgegeben wird, und eine Frucht, die man aus Imagegründen auf einen Tiernamen taufte“.

Auch Angeberwissen kann man dem als Geschenk sehr gut geeigneten Buch abringen: „Yak“ heißt nur das männliche Himalaya-Hochrind – quasi als Gegenstück zur Kuh, die dort „bri“ heißt. Der gefühlt allgegenwärtige Mais wird hierzulande erst seit 50 Jahren angebaut, während der uns so modern erscheinende Ombudsmann in Schweden seit 200 Jahren Streit schlichtet.

Zum Schluss eine Entwarnung: Angst vor Zombies ist unnötig: Bis zum Horror-Klassiker „Die Nacht der lebenden Toten“ von 1968 galten die wohl in Westafrika „entstandenen“ Untoten als völlig harmlos.