Ehemaliger US-Präsident: Barack Obama gefällt das - jetzt kommt er nach Köln

Ex-US-Präsident wird zur Ikone : Barack Obama gefällt das

Der frühere US-Präsident gilt aller Welt als besonders stilsicher. Jetzt kommt er für einen Auftritt nach Köln.

Kurze Geschichte aus der Kulturredaktion: Neulich sprachen ein Kollege und ich über den Künstler Romero Britto. Der Kollege hatte nie von ihm gehört, googelte und stand fünf Minuten später in der Tür. „Britto“, sagte er, „der ist schon eine Nummer! Von dem hat sogar Obama ein Bild.“

Müssen Sie mal drauf achten, überall hört oder liest man davon: Obama gefällt dies. Obama gefällt das. Es war ja schon während seiner Amtszeit so, aber seit Barack Obama nicht mehr Präsident der USA ist, gilt er umso mehr als verlässlicher Ansprechpartner unter Geschmackssicherheitsexperten.

Man kann, wenn man nicht sicher ist, welches Buch man in den Oster-Urlaub nach Teneriffa mitnehmen soll, zum Beispiel noch einmal auf Obamas Sommer-Leseliste von 2018 zurückgreifen und sich für Tayari Jones’ „In guten wie in schlechten Tagen“ entscheiden, das soeben auf Deutsch erschienen ist. Eine „bewegende Schilderung der Auswirkungen, die eine ungerechtfertigte Verurteilung auf ein junges afroamerikanisches Paar hat“, lobte Obama. „Nicht nur Barack Obama ist begeistert“, stieg neulich die gleichfalls überzeugte „Spiegel-Online“-Kritikerin ein.

Wo Obama drauf steht, das ist offenbar nicht nur nicht schlecht, sondern ziemlich gut. An Obama kann man sich halten. Seit er Privatier ist, gilt er aller Welt als Connaisseur.

Er hat nun sicher auch viel Zeit zum Lesen und zum Hören und zum Ansehen. Lieblingsfilm 2018: „Annihilation“. Lieblingssong: „Apeshit“ von The Carters. Klar. Die Carters sind ja Freunde der Familie, und wer immer noch einmal betonen möchte, dass Beyoncé und ihr Gatte Jay Z – The Carters – das einflussreichste Ehepaar der Popgeschichte sind, erwähnt womöglich, dass sie für den „Apeshit“-Videodreh den Louvre mieteten. Ganz sicher sagt er aber: Die gehen sogar bei den Obamas ein und aus.

Nun kommt der 44. Präsident der USA nach Köln, kommende Woche wird er in der Arena zu einem Interview erwartet, mehr als 10.000 Eintrittskarten sind verkauft. Dass Barack Obama die Halle wohl nicht ganz voll bekommen wird, liegt an den Ticketpreisen: 70 bis 5000 Euro (inklusive Dinner und Foto mit Obama). Böse Unterstellung: Für das Allerwelts-Thema Führungskompetenz, zu dem er befragt werden soll, werden sich nur die wenigsten interessieren. Die meisten wollen einfach mal Obama sehen.

Ganz genau so verhält es sich bei Michelle, seiner Frau. Sie füllte zuletzt die Arenen; sie war auf Lesereise. Um zu wissen, was los ist, wenn sie auftritt, muss man unbedingt noch einmal den Beginn der diesjährigen Grammy-Verleihung ansehen. Michelle Obama im Schulterschluss mit Lady Gaga, Jada Pinkett Smith, Jennifer Lopez und Alicia Keys. Totale Überwältigung des Publikums.

O/Ba/Ma. Fast schon ein Lautgedicht. Klangvoller geht es kaum. Ein Name aufgeladen mit Bedeutungen. Obama, das steht für Nonchalance, Kennerschaft, Gala für alle. Und Abgrenzung zu Donald Trump.

Distinktion gehört zum Handwerkszeug des Pop, und niemals kannte sich ein Politiker so gut mit den Mechanismen aus wie Barack Obama. In einer Rede vor Studenten im September 2018 sprach Kumpel Obama zunächst über eine Pizzabude auf dem Campus, die es nicht mehr gibt. Nur wenig später ging es gegen die „Mächtigen und Privilegierten“, und man liest’s und stutzt und liest und denkt: Moment mal, ist er das denn nicht selbst? Egal. Um Realpolitik geht es bei ihm schon lange nicht mehr.

Mit „Yes, we can“ begann 2008 Obamas Umarmung des Pop. Der Wahlkampfschlager verwies auf „Yes, We Can Can“, einen Song der Pointers Sisters von 1973. Zitat und Aneignung, darauf verstand sich Obama stets. Sein „Yes, we can“ wurde wenig später selbst zum Sample in einem Song des Rappers Will.I.Am, auch Schauspielerin Scarlett Johansson und Basketballspieler Kareem Abdul-Jabbar machten mit. Und die „Bravo“ druckte später ihr erstes Politiker-Poster überhaupt. Da war er gerade gewählt, aber noch nicht im Amt. Ins Weiße Haus luden die Obamas später etwa Janelle Monáe, Kendrick Lamar, Pusha T, Prince und Stevie Wonder ein, nach seiner Wiederwahl sang Beyoncé 2013 während der Amtseinführung. Gerne sang Barack Obama auch selbst.

Das alles hat beigetragen zu seiner einzigartigen Stellung, zu seinem Status: Barack Obama, 44. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. First President of Pop.

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