Düsseldorfer Schauspielhaus: Diskussion über Rechtspopulismus

Bürger-Dinner im Theater : Bürger sprechen bei Tisch über Rassismus

Beim „Bürger-Dinner“ serviert das Schauspielhaus ein Menü und regt zu Tischgesprächen an.

Vor dem Nachtisch wird es emotional: Der Regisseur Nuran David Calis bekommt das Mikro und soll antworten auf die Frage, „wie mit Rechten zu reden“ sei. Calis spricht über das Grundgesetz und darüber, dass mit Menschen, die die Werte darin nicht teilten, Diskussionen sinnlos seien. Ansonsten sei das Theater gefordert, politische Debatten zu führen – gerade in Zeiten rechtspopulistischer Diskursverschiebung. Jeder müsse in seinem Lebensumfeld wachsam sein. „Ich als Theatermacher kann jeden Abend versuchen, das Publikum in Anstrengung zu versetzen, damit es in größeren Zusammenhängen denkt und vielleicht in einer konkreten Situation den Mut hat, den Mund aufzumachen“, sagt Calis. Und dass das Theater ein Raum sei, in dem Menschen Solidarität fühlen könnten.

An diesem Abend wird das offensichtlich: Das Schauspielhaus hat zum Bürger-Dinner eingeladen. Wo sonst Darsteller des Jungen Schauspiels in Figuren schlüpfen und Geschichten verkörpern, sind an diesem Abend festlich gedeckte Tische aufgestellt. Jeweils acht Besucher, die einander meist nicht kennen, speisen und reden miteinander. An diesem Abend über Rechtspopulismus und Rassismus in Düsseldorf und anderswo. Neben Regisseur Calis sind Adelheid Schmitz, Mitarbeiterin des Forschungsschwerpunktes Rechtsextremismus an der Hochschule Düsseldorf und Oliver Ongaro, Sprecher des Bündnisses „Düsseldorf stellt sich quer“ eingeladen, kurze Impulse zu geben. Dazu gibt es ein Drei-Gang-Menü, das die AWO zubereitet und von Freiwilligen des Theaters serviert wird. Marion Troja, Stefan Fischer-Fels und Christof Seeger-Zurmühlen vom Schauspielhaus lenken den Abend sanft von der Bühnenseite.

Trotz der behaglichen Atmosphäre ist an den Tischen bald von rassistischen Pöbeleien in der S-Bahn die Rede und was der Einzelne in solchen Fällen unternehmen kann. Eine junge Frau, die sich selbst als schwarze Deutsche bezeichnet, erzählt, wie oft sie schon beschimpft wurde, und dass ihr noch nie jemand zur Seite gesprungen ist. Ihre Tischnachbarin trägt einen ungewöhnlichen Nachnamen, bei der Arbeit sei oft lieber nach Frau Müller und Herrn Meier verlangt worden, erzählt sie. Noch offensichtlicheren Rassismus haben ihre Kinder abbekommen, deren Haut dunkler ist. Selbst in der eigenen Familie waren sie vor Rassismus nicht sicher. Schlimme Erlebnisse teilen, sich des Rückhalts der anderen versichern, darum geht es an diesem Tisch. Und tatsächlich ist da Empathie spürbar – im geschützten Theaterraum.

Allerdings merkt dann auch bald ein Teilnehmer an, dass der Abend zwar eine Bestärkung sei, für Freiheit und Demokratie einzutreten, ihm aber echte Auseinandersetzung etwa mit AfD-Wählern fehle. Tatsächlich meldet sich niemand zu Wort, der Einwände gegen eine offene Gesellschaft hätte. Doch beginnt an vielen Tischen der Austausch darüber, welche Erfahrungen die Leute im Streit mit rechts eingestellten Menschen bereits gemacht haben. „Schweigen bedeutet Zustimmung“, hatte Adelheid Schmitz in ihrem Impuls ja gewarnt. Doch geben Bürger bei diesem Dinner auch zu, dass sie Widerspruch versäumt haben – aus Angst oder Lethargie.

Zwischen den Gängen machen die Sängerin Amy Frega und der Gitarrist Benedikt Öncü Musik. Es ist ein ungewöhnliches Nebeneinander von Gastfreundschaft, Kulinarik, Wohligkeit und ernstem Gespräch über Rassismus im Alltag. Doch ist gerade bei diesem Thema zu erleben, wie das Format greift: Denn an diesem Abend wird eben nicht nur Expertenwissen weitergegeben, es geht um Erfahrungen von Menschen, mit denen man am Tisch sitzt und ein Essen teilt. Das nächste Dinner ist am 7. Oktober. Dann wird es um Zukunftsfragen der Generation „Fridays for Future“ gehen.

Info Teilnehmen am Bürger-Dinner kann jeder, Karten (5 Euro) und Termine unter www.dhaus.de

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