Düsseldorfer Schauspielerin in ZDF-Serie erfolgreich Judith Bohle als TV-Therapeutin

Düsseldorf · Für ihre Serie „Safe“ über das gestörte Seelenleben von Kindern erhält Regisseurin Caroline Link den diesjährigen „Grimme-Preis Spezial“. Als Therapeutin ist Judith Bohle vom Düsseldorfer Schauspielhaus Protagonistin des Films.

Szene aus „Safe" mit Lotte Shirin Keiling (rechts) und der Düsseldorfer Schauspielerin Judith Bohle.

Szene aus „Safe" mit Lotte Shirin Keiling (rechts) und der Düsseldorfer Schauspielerin Judith Bohle.

Foto: ZDF und Julia von Vietinghoff/Julia von Vietinghoff

Mit dem Grimme-Preis Spezial wird am 21. April die herausragende Serie „Safe“ der Regisseurin Caroline Link gewürdigt. Über acht Folgen begleitet sie vier Kinder und Heranwachsende, die therapeutische Hilfe benötigen. Als Protagonistin ist Judith Bohle aus dem Ensemble des Düsseldorfer Theaters dabei. Sie spielt die Psychotherapeutin Katinka Engels. Wie kam sie zu dieser Rolle? „Die Casterin kannte mich von zwei Projekten mit Dominik Graf“, erzählt sie. „In München lernte ich Caroline Link kennen. Wir mochten uns sehr, so dass die Besetzung schnell zustande kam. Die Dreharbeiten in Berlin waren dann im Herbst 2021.“

In dem Fernsehfilm (ZDFneo, in der Mediathek) teilt sich die Therapeutin eine idyllisch im Grünen gelegene Praxis mit ihrem Kollegen Tom (Carlo Ljubek). Auffallend bei „Safe“ sind neben einer hohen Sensibilität die klare Form und der ruhige Erzählfluss. Ein Kontrast zu den heutigen Sehgewohnheiten, die mit schnellen Abfolgen und häufigen Szenenwechseln bedacht werden.

War es wohltuend, auf diese nahezu theatrale Weise zu spielen? „Man konnte das schon bei den Büchern nachempfinden“, sagt Judith Bohle. „Auch beim Drehplan ermöglichte uns die Produktionsfirma eine gute Ruhe, um chronologisch durch die Sitzungen zu gehen.“ Die behutsame Struktur habe eine kammerspielartige Atmosphäre erzeugt: „Dadurch wurde der Lagerfeuermoment des Fernsehens auf ganz spezielle Weise umgesetzt.“ Wie weit die Zuschauer dies goutieren würden, hätte man zuvor nicht ahnen können. „Natürlich hofften wir, dass diese Art von Sog entsteht. Als die ersten positiven Reaktionen kamen, die das Interesse an den Schicksalen der Kinder bestätigten, waren wir aber doch sehr erleichtert und glücklich.“

Die einzelnen Sitzungen wurden über drei, vier Tage hinweg aufgenommen. Eine große Herausforderung für die jungen Schauspieler, die ihre Szenen vor der Kamera in der Regel mehrmals wiederholen mussten. Besonders beeindruckt die Leistung der sechsjährigen Lotte Shirin Keiling als Ronja. „Eine kleine Naturgewalt“, sagt Judith Bohle. „Sie war sehr textsicher und hätte 20 Minuten am Stück spielen können. Ihre Eltern, die beide am Theater arbeiten, haben sie liebevoll vorbereitet.“

Für die Schauspielerin war es nicht nur neu, eine Serie als Protagonistin mitzutragen. Auch hatte sie zuvor noch nie derart intensiv mit Kindern agiert. „Hier konnte ich auf den reichen Erfahrungsschatz von Caroline Link zurückgreifen“, so Judith Bohle. „Sie ist eine empathische Spielleiterin, probt mit Zeit und Ausführlichkeit und schafft es, eine große Konzentration herzustellen. Nie lässt sie einen vor der Kamera allein.“

Ihr Trick, von dem insbesondere die Kinder profitierten: Wird gedreht, spricht die Regisseurin einfach weiter, ihre Kommentare müssen dann später aus der Tonspur geschnitten werden. Das ist aufwendig, aber wertvoll. „Caroline macht das mit einer enormen Lockerheit, so entsteht kein heiliger, erdrückender Raum“, ergänzt Judith Bohle. „Sie erklärt die Szenen altersgerecht und sorgt dafür, dass die Kinder von dem technischen Gewusel der Dreharbeiten nicht überrollt werden.“

Ursprünglich wurde die angewandte Therapieform für Erwachsene entwickelt und später auf Kinder umgemünzt. Spürbar ist die Gratwanderung der Therapeuten während der Sitzungen. Dabei konnte Judith Bohle auf die Unterstützung der Kinder- und Jugendpsychotherapeutin Sabine Weinberger zählen, sie hatte die Bücher mit Caroline Link erarbeitet. „Ich kann nicht aufhören, von ihr zu schwärmen. Sie hat eine so hinreißende natürliche Autorität in der Gesprächsführung“, sagt sie. „Allein durch die wohlwollende Präsenz der Therapeuten - und nicht durch deren Eingriff – finden Kinder Wege aus ihrer bedrückenden Situation.“

Eine Fortsetzung von „Safe“ scheint angedacht, aber noch ist nichts besiegelt. Für Judith Bohle wäre es ein Fest, wieder dabei zu sein. Sie wird doch sicher auch die Verleihung des Grimme-Preises in Marl besuchen? „Eher nicht“, antwortet sie und lacht. „Wenige Tage zuvor erwarte ich meine zweite Tochter. Ich werde den Abend also vermutlich aus dem Wochenbett verfolgen. Der Preis bedeutet die Krönung dieser Arbeit. Dass er einen Scheinwerfer auf ein so wichtiges Thema lenkt, ist wunderbar.“

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