Neuer Ärger an der Kunstakademie Düsseldorf Ministerium annulliert Rektorenwahl

Düsseldorf · Nach der knappen Rektorenwahl an der Düsseldorfer Kunstakademie ließ NRW-Kulturministerin Ina Brandes die Entscheidung jetzt annullieren. Der Grund: Die Teilnahme der Öffentlichkeit war nicht ausreichend gewährleistet.

Donatella Fioretti und Johannes Myssok traten zur jetzt annullierten Wahl an; im Hintergrund ist das Gebäude der Kunstakademie zu sehen.

Donatella Fioretti und Johannes Myssok traten zur jetzt annullierten Wahl an; im Hintergrund ist das Gebäude der Kunstakademie zu sehen.

Foto: dpa, imago, privat

In diesen Tagen öffnet die Düsseldorfer Kunstakademie die Pforten und präsentiert die Werke ihrer Studierenden. Doch hinter den Kulissen der Akademie herrscht im 250. Jahr ihres Bestehens Chaos: So ließ NRW-Kulturministerin Ina Brandes die Wahl der neuen Direktorin, Donatella Fioretti, annullieren.

In der Sitzung des Wissenschaftsausschusses des Landes erklärte Brandes, dass bei der Wahl am 19. Dezember die Öffentlichkeit nicht hätte ausgeschlossen werden dürfen. Nach eingehender Prüfung kam das Ministerium daher zu der Überzeugung, dass die mit Spannung erwartete Rektorenwahl an einem „Verfahrensmangel“ leide.

Da der Wahlkrimi im Senat damals mit acht zu sieben Stimmen denkbar knapp für die 61-jährige Baukunst-Professorin Fioretti ausgefallen war, ist nach den Worten der Ministerin der Verfahrensfehler „erheblich“. Mit dem Resulttat: Die Wahl ist unwirksam und muss wiederholt werden, so Ina Brandes. Von diesem Prüfungsergebnis ist die Kunstakademie vor der Ausschuss-Sitzung informiert worden, sagte die Ministerin. In Kreisen der Akademie war dazu gestern von einem „Paukenschlag“ die Rede.

Was war geschehen? Kostenpflichtiger Inhalt Nachdem Karl-Heinz Petzinka Ende September als Rektor überraschend zurückgetreten war – seine Umbaupläne für die Akademie hatten keine Freunde gefunden –, leitete die Akademie zunächst der Kunsthistoriker Johannes Myssok als Prorektor. Und es deutete sich damals an, dass diese Übergangslösung möglicherweise auch zu einer dauerhaften Lösung werden könnte. Der Professor für Kunstgeschichte kam bereits 2009 ans Haus und war schon unter Rita McBride Prorektor. Myssok ist einer, der den „Laden“ bestens kennt. Aber – so hieß es eben auch – er ist kein Künstler; zudem erhofften sich viele wieder eine Frau an der Spitze der Akademie.

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Düsseldorfer Kunstakademie - Rundgang 2023

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Foto: Bretz, Andreas (abr)

Mit der Bewerbung von Donatella Fioretti trat dann eine aussichtsreiche Gegenkandidatin an. Sie kam 2017 ans Haus, arbeitete bei Peter Zumthor und gründete 1995 eine Architektengemeinschaft mit Piero Bruno und José Gutierrez Marquez. 2011 wurde Fioretti Professorin für Baukonstruktion und Entwerfen an der Technischen Universität Berlin, wechselte 2017 nach Düsseldorf.

Am Tag der Wahl hielt sich Fioretti in Afrika auf und wurde zur Senatssitzung zugeschaltet. Dass zur wichtigen Sitzung keine Präsenzpflicht vorgesehen war, wurde mit den Umständen der Corona-Jahre begründet. Der neuen Rektorin sollten mit Sabrina Fritsch und Sarah Hornäk zwei Künstlerinnen zur Seite stehen. Die Düsseldorfer Kunstakademie wäre damit von einem reinen Frauenrektorat geleitet worden.

Nicht nur das knappe Wahlergebnis zeigte, dass die Meinungen innerhalb des Senats durchaus gepalten waren. Auch war aus der Akademie von Intrigen im Vorfeld der Wahl zu hören – vor allem wohl gegen Johannes Myssok. Die Anfeindungen speisten sich auch aus Animositäten zwischen den Fachbereichen der Kunst und der Wissenschaft. Das ging so weit, das Karl-Heinz-Petzinka zum Abschied sogar betonen musste, dass es doch um die Akademie ginge, nicht um Personen.

Die aktuelle Panne ist kein Einzelfall. Seit Jahren ringt die Kunstakademie um eine geeignete, unter Professoren und Studierenden akzeptierte und nach außen hin namhafte Führungspersönlichkeit. Die Suche wird weitergehen. Derzeit steht die Einrichtung für alle Interessierten offen. Zu den präsentierten Werk gehört auch die Attrappe eines Panzers. Dabei handelt es sich um ein Objekt des Kunststudenten Tassilo. Es soll kein Mahnmal gegen den Krieg in der Ukraine sein, sondern ist vielmehr als eine Art Abwehrsystem gedacht, dass alles Böse von der Akademie fernhalten soll. Aktuell scheint das noch nicht zu funktionieren.