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Düsseldorf: Konzertreihe "Wut" mit She-Punk im Ratinger Hof

Neue Konzertreihe „Wut“ im Ratinger Hof : Warum Punkmusik heute weiblich ist

Die Karrieren von Punk-Bands wie den Toten Hosen oder DAF begannen im Ratinger Hof. Mit der Konzertreihe „Wut“ knüpfen die Veranstalterinnen an die Tradition dieses Ortes an – und setzen neue, feministische Impulse.

Punkmusik und Düsseldorf gehören zueinander wie Jazz und New Orleans. Nicht ohne Grund wird der Ratinger Hof von vielen als Geburtsstätte des deutschen Punks bezeichnet. In den 1970er- und 1980er-Jahren wurde an diesem Ort Musikgeschichte geschrieben: Die Toten Hosen und Deutsch Amerikanische Freundschaft (DAF) spielten auf der Bühne im Herzen der Düsseldorfer Altstadt ihre ersten Konzerte. Und heute? Über 40 Jahre später beleben die Veranstalterinnen der Konzertreihe „Wut“, Lilli Kempke und Anna Liza Arp, den geschichtsträchtigen Ratinger Hof mit feministischen Impulsen.

„Wenn wir auf die Ursprünge des Punks schauen, sehen wir eine durchaus diverse und inklusive Szene, die sehr inspirierenden She-Punk hervorgebracht hat“, sagt Arp. Doch in einer Welt, in der Männer Privilegien hätten, sei auch die Punk-Szene nicht frei von gesellschaftlichen Entwicklungen: Welche Bands werden als Headliner für Festivals gebucht? Welche Erfahrungen machen Frauen und queere Menschen in der Musikindustrie? Deshalb wollen Arp und Kempke das Thema auf einer lokalen Ebene fördern.

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Für die Konzertreihe, die sich musikalisch zwischen Garage, (Post) Punk und Riot Girl bewegt, haben die Veranstalterinnen internationale und deutsche Acts mit Frauen und queeren Personen aus der neuen Punk-Szene gewählt. „Die neue Punk-Welle ist von Elementen geprägt, die wir von Bands aus den 1980er-Jahren kennen“, sagt Kempke, „aber ihr Auftreten ist zeitgemäßer.“ Sie möchten an die Tradition des Ortes anknüpfen und den She-Punk nach Hause holen, wie es im Untertitel heißt. Mit frischen und feministischen Impulsen wollen sie etwas Neues schaffen.

Obwohl She-Punk stilistisch nicht abgrenzbar sei, werden die Texte von den Erfahrungswelten der Künstlerinnen geprägt: Sexismus, Unangepasstheit, Sex, weibliche und queere Selbstermächtigung. Der Titel „Wut“ greife dabei eine zentrale Emotion der Punkmusik, insbesondere aber auch von Frauen und queeren Personen der Szene, auf: „Die Musik bietet einen unglaublichen Freiraum, solche Gefühle ungefiltert auszudrücken. Wir wollen in Düsseldorf einen Raum schaffen, in denen Künstlerinnen genau das tun können“, so Arp. Nichtsdestotrotz gehe es nicht nur um Wut.

Im Vordergrund sollen die Gemeinschaft und ein schönes Konzerterlebnis stehen. Auf die Frage, ob sich Männer durch das Konzept diskriminiert fühlen könnten, entgegnet Arp: „Eine Prise Angegriffen-Sein gehört zum Punk dazu.“ Es gehe aber nicht darum, Männer auszuschließen, sondern Menschen eine Bühne zu bieten, die diese verdient haben. Deshalb seien grundsätzlich alle willkommen, die gute Musik hören wollen.

Die Konzertreihe ist am Samstag mit den Bands Lobsterbomb und She-Dog gestartet. Ein Highlight folgt aber noch: Der Auftritt der Band Cumgirl8 aus New York mit ihrer rhythmisch-lässigen Post-Punk-Attitude. Sie spielen am 17. September im Ratinger Hof. Neben einem weiteren Konzert der Band Jealous am 25. November planen die Veranstalterinnen eine Fortsetzung der Reihe im kommenden Jahr, gemäß dem Titel: „She-punk is coming home, baby!“