1. Kultur

Düsseldorf: Händler soll Günther-Uecker-Fälschungen verkauft haben

Fälschungs-Anklage : Prozess ohne drei Uecker

Ein Kunsthändler wird des Verkaufs einer Fälschung bezichtigt. Der Erschaffer des Originals, Günther Uecker, sollte im Prozess aussagen, erschien aber nicht – wie der zweite Zeuge, sein Sohn. Auch das Bild wurde nicht enthüllt.

Ohne drei Uecker musste eine Kunstkäuferin aus ihrer Sicht am gestrigen Montag, 8. Juni, beim Düsseldorfer Landgericht auskommen. Im Zivilstreit um die Echtheit eines angeblich vom Nagel-Künstler Günther Uecker stammenden „Sandbildes auf Büttenpapier“ verklagt die 56-Jährige einen Kunsthändler auf Rücknahme jenes Werkes. Der behauptete angeblich, das Blatt sei echt, fast 45.000 Euro wert und würde ihr als Zwischenhändlerin einen üppigen Gewinn einbringen. 7500 Euro, die sie dafür angezahlt hatte, will sie jetzt aber zurück. Denn sie habe entdeckt, dass jenes Bild nicht von Uecker stammt, sondern eine Fälschung ist. Als Zeugen dafür sollten am Montag der weltberühmte Nagel-Künstler und dessen Sohn Jacob als Archivar des väterlichen Werkes vor Gericht auftreten. Keiner der beiden Zeugen ist erschienen.

Großspurig trat der verklagte Kunsthändler allen Vorwürfen der Sandbild-Käuferin entgegen: Das Bild sei doch echt, „einwandfrei und von fantastischer Qualität“. Trotzdem will er es nicht zurücknehmen, schlug angeblich sogar ein Sonderangebot der Käuferin aus. Kläger-Anwalt Reinhard Selke gab an, die Frau sei schon mit 4000 Euro zufrieden, würde das Sandbild für diesen Betrag dem Kunsthändler zurückgeben. Aber der kann nicht einmal eine nachprüfbare Herkunft des vermeintlich kostbaren Werks vorweisen. Zudem sei das Bild für ihn auf dem Kunstmarkt „jetzt doch verbrannt“ – auch durch Presseartikel über diese Klage, schimpfte er. Gegenanwalt Selke konterte: „Wenn Sie es nicht zurücknehmen, dann wissen Sie entweder, dass es nicht echt ist“ – oder der Kunsthändler habe kein Geld, um die Käuferin auszuzahlen.

Die fühle sich jetzt „betrogen“, so Anwalt Selke. Im Vertrauen auf Angaben des Kunsthändlers habe sie das Sandbild im Mai 2018 von ihm übernommen, wollte es direkt an eine andere Kunstkäuferin weitergeben. Die aber zweifelte die Echtheit an, auch ein Düsseldorfer Galerist vertraute dem Sandbild nicht – und als Uecker-Sohn Jacob das Werk prüfte, soll er erklärt haben, es könne nicht von seinem Vater stammen. Als Zeuge der Klägerin fehlte der Sohn als Werksverwalter am Montag jedoch, er säße coronabedingt in London fest, ließ er ausrichten. Künstler Günther Uecker war ebenfalls als Zeuge vorgesehen, fehlte aber ohne Entschuldigung. Ob gegen den 90-jährigen Künstler-Star dafür jetzt ein Ordnungsgeld verhängt wird, hat Richterin Kornelia Müller noch nicht entschieden. Unklar ist auch, wann der Prozess weitergeht. Denn beide Uecker-Zeugen sollen demnächst erneut vorgeladen werden. Und parallel will die Richterin ein unabhängiges Gutachten über die Echtheit des Sandbildes einholen.