Nachfrage nach Angebot steigt wieder Die Wiedergeburt der Bibliotheken

Düsseldorf · Technische Infrastruktur und persönlicher Austausch sollen das Angebot der Büchereien weiter stärken. NRW-Kulturministerin Ina Brandes sieht die Einrichtungen vor allem als Orte, die die kulturelle Identität prägen.

NRW-Kulturministerin Ina Brandes (CDU) will die Leseförderung in den Bibliotheken in den Fokus nehmen.  Foto: Anne Orthen

NRW-Kulturministerin Ina Brandes (CDU) will die Leseförderung in den Bibliotheken in den Fokus nehmen. Foto: Anne Orthen

Foto: Anne Orthen (orth)/Anne Orthen

Freies WLAN, Tablets und multimediale Lernräume. Eine öffentliche Bibliothek muss heute mehr bieten als noch vor wenigen Jahren. Und dennoch ist eines geblieben: Bibliotheken sind Orte der Bildung und der Begegnung.

Der Verband der Bibliotheken des Landes NRW (VBNW) feierte am Mittwoch sein 75-jähriges Bestehen mit einem Festakt in der Düsseldorfer Zentralbibliothek. Grund genug, die derzeitige Situation der Einrichtungen näher unter die Lupe zu nehmen. Wie gut sind die Bibliotheken hierzulande ausgestattet? Und welche Resonanz erfährt das Angebot? „Die Bibliotheken selbst sind wieder gut gefüllt“, sagt Johannes Borbach-Jaene, Vorsitzender für die öffentlichen Bibliotheken des Verbandes. „Nach den Sommerferien haben wir wieder das Vor-Corona-Niveau erreicht.“ Schleppend gestalte sich jedoch die Nachfrage bei kulturellen Veranstaltungen wie Lesungen. Der Verband sei zuversichtlich, dass sich das mit der Zeit geben werde, will aber konkrete Maßnahmen einführen. „Wir müssen immer wieder neue Sachen ausprobieren und testen, was ankommt“, sagt Borbach-Jaene. In der Dortmunder Stadt- und Landesbibliothek, die er selbst leitet, habe man in der Vergangenheit beispielsweise einen Escape Room angeboten. „Man muss experimentieren.“

Als unbedingt erforderlich gilt weiterhin der Ausbau der technischen Infrastruktur. Schnelles offenes WLAN, ausreichend Steckdosen, Geräteausstattung wie Rechner. Damit man auch mal eine Bewerbung oder einen Lebenslauf schreiben kann. Außerdem die Möglichkeit zu drucken. Große Einrichtungen wie die Zentralbibliothek in Düsseldorf haben ihr multimediales Angebot mittlerweile auf Musikzimmer, Gaming-Bereiche, digitale Werkstätten mit 3-D-Drucker und VR-Brillen oder die „Bibliothek der Dinge“ ausgeweitet. „Die Idee dahinter: Es gibt Dinge, die man nur manchmal braucht, aber nicht kaufen will“, erklärt der Vorsitzende. Auch der Nachhaltigkeitsgedanke spiele dabei eine Rolle. Und eben die Begegnung: Lernboxen für Schüler und Studierende sowie Räume, um gemeinsam zu lesen, zu spielen oder zu diskutieren. Bibliotheken wollen so wieder attraktiver werden.

NRW-Kulturministerin Ina Brandes sieht die Aufgabe der Büchereien besonders im sozialen Miteinander. „Die Bibliothek ist der Ort, der kulturelle Identität prägt, Teilhabe und Austausch fördert.“ Kein Ort sei so niedrigschwellig und habe die Möglichkeit, so viele Menschen zu erreichen. Das Thema Leseförderung sei so aktuell wie nie. Sie sei offen gegenüber entsprechenden Ideen dazu aus der Gesellschaft, kündigte aber auch anstehende politische Maßnahmen an.

Trotz aller Modernität ist die Digitalisierung längst nicht abgeschlossen. Einrichtungen wie die ZBW – Leibniz Informationszentrum Wirtschaft arbeiten seit Jahren an der digitalen Abrufbarkeit wissenschaftlicher Texte. „Wir haben hunderttausende Publikationen zu erschließen“, sagt Direktor Klaus Tochtermann. Zur Katalogisierung sei Künstliche Intelligenz nötig. Von Menschenhand sei dies nicht zu schaffen.

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