1. Kultur

Drei Schauspieler über ihr Theater-Stream-Projekt "Meier Müller Schulz"

Theater per Livestream : „Es tut der Seele gut“

Uta Kargel, Max Beier und Sandro Kirtzel („Sturm der Liebe“) bringen das Theaterstück „Meier Müller Schulz - Nie wieder einsam“ per Livestream zum Publikum. Ein Interview über Existenzängste und Entführungen als Mittel gegen Einsamkeit.

Wovon handelt Ihr Stück „Meier Müller Schulz - Nie wieder einsam"?

Beier: Es geht um das Phänomen der Einsamkeit. Da ist der Herr Meier, der sich einsam fühlt und nach einer Möglichkeit sucht, nicht mehr alleine zu sein. Am plausibelsten erscheint es ihm, jemanden zu entführen, nämlich Herrn Schulz. Dieser weiß gar nicht, wie ihm geschieht und will herausfinden, warum er entführt wurde. Herr Meier will kein Lösegeld, sondern einfach Gesellschaft. Dann kommt die Nachbarin Frau Müller zu Besuch… 
Kirtzel: Sie braucht ganz schnell einen Verlobten zum Vorzeigen und klopft deshalb bei Herrn Meier, der aber mit dem gefesselten Herrn Schulz in seinem Wohnzimmer beschäftigt ist. Während Frau Müller versucht, ihren Schokoladenkuchen an den Mann zu bringen, verstrickt sich Herr Meier in immer absurdere Ausreden, um zu verschleiern, dass es sich bei Herrn Schulz um seine Geisel handelt.
Kargel: Alle drei Protagonisten haben jedoch etwas gemeinsam: sie sind einsam - jeder auf seine Art - und fühlen sich zunehmend wohl miteinander. So entspinnt sich eine wahnwitzige Dreiecks-Farce. Es wird komisch, grotesk, sogar romantisch und es passieren viele unvorhersehbare Wendungen. Mehr wollen wir nicht verraten.

Wer kam auf diese Idee?

Kargel: Wir haben 2018 mit Desirée von Delft, die auch beim Sturm war, die Komödie „Kasimir und Kaukasus“ gespielt. Und uns war klar, dass wir das weitermachen wollen, weil wir gerne zusammen auf der Bühne stehen. Desirée hatte diesmal leider keine Zeit, aber auch als Trio funktionieren wir ausgesprochen gut, wollen aber auch unbedingt wieder etwas zu Viert machen.

Das Stück wird per Livestream aufgeführt. Erzählen Sie mal.

Beier: Wir dürfen wegen Corona leider kein Publikum ins Theater einladen. Deswegen haben wir uns gefragt: Welche Alternativen gibt es, trotz der aktuellen Lage unser neues Stück zu präsentieren? Also bringen wir das Theater jetzt zu den Leuten nach Hause.
Kargel: Wir sehen das als Chance, den Menschen in Erinnerung zu rufen, wie schön es ist, etwas Neues, eine Abwechslung zu herkömmlichen Streaming-Angeboten zu erleben. Und deshalb machen wir eine Streaming-Veranstaltung der besonderen Art. In Zusammenarbeit mit Eventim und Vimeo wird unser Stück aus dem Theater Drehleier live übertragen. 
Kirtzel: Das alles ist auch für uns eine ganz neue Erfahrung. Für die Zuschauer ist es aber leicht: Man geht auf die Eventim-Seite, bucht dort ein Ticket und erhält dann einen Link per E-Mail, mit dem man dann am Veranstaltungstag (29. und 30.Januar, weitere Termine hier) ab 19.55 Uhr live dabei sein kann.

Ist es nicht komisch, so ins Leere reinzuspielen an diesen Abenden?

Kirtzel: Man kann sich das ähnlich vorstellen wie am Set von „Sturm der Liebe“. Wir sind aber live und spielen zwei mal 45 Minuten durch. Alles muss funktionieren, genau wie bei einer „richtigen“ Theater-Aufführung.

Wie schwer ist es da mit der Motivation?

Kargel: Als wir noch vor Publikum spielen konnten, wurden wir über die sozialen Medien immer wieder gefragt, ob und wann wir andere Städte besuchen. Mit diesem Stück und dem Streaming können wir nun alle Zuschauer erreichen, denen es bis jetzt nicht möglich war, uns auf der Bühne zu sehen.
Beier: Es ist einfach auch dieser Zeit geschuldet. Wie lange kann man Kunst und Kultur noch ruhen lassen? Man muss Alternativen finden und uns motiviert, dass wir anderen damit vielleicht einen neuen Weg bereiten…
Kirtzel: …und die Menschen dazu animieren, wieder etwas live erleben zu wollen.

Bei „Sturm der Liebe“ hatten Sie alle ein geregeltes Einkommen. Wie sehr leiden sie unter der momentanen Situation?

Kargel: Wenn man sich entscheidet Schauspieler zu sein, dann muss man sich darüber im Klaren sein, dass es immer mal Phasen gibt, wo man weniger Aufträge hat. Ungewissheit gehört grundsätzlich zu unserem Job, aber aktuell werden viele Drehs verschoben oder abgebrochen.
Beier: Momentan ist es als Künstler  sch…--- schwierig. Ich bin hauptberuflich Kabarettist und das ist gerade gar nicht mehr möglich. Im Herbst gab es ein kleines Aufblitzen, aber im November ging es wieder runter. Eigentlich hätten wir mit „Meier Müller Schulz“ längst Premiere gehabt, aber nichts war's. Es drängt uns so danach, wieder arbeiten zu können.
Kirtzel: Es gibt schon Existenzängste. Allerdings tut es unglaublich gut, wieder ein Ziel zu haben, auf das wir hinarbeiten können. Auch wenn wir das Publikum bei der Aufführung nicht sehen können, werden wir mit Sicherheit am nächsten Tag über die sozialen Medien Reaktionen bekommen.

Waren Sie eigentlich schon bei „Sturm der Liebe“ eng miteinander?

Kargel: Beim Sturm waren wir schon ein sehr befreundetes Ensemble.  Desirée und ich haben während der Drehpausen darüber gesprochen, dass wir sehr gerne mal wieder Theater spielen würden. Es gab dann eine kleine Performance zu zweit - eine Collage „Intermezzo Fatal“ mit Texten über die Liebe. Dann wuchs die Idee für ein richtiges Stück und schließlich haben wir uns Max und Sandro ausgesucht.

Das Stück handelt von der Einsamkeit. Wann waren Sie zum letzten Mal einsam?

Kargel: Ich bin vergangenes Jahr der Liebe meines Lebens wiederbegegnet. Er ist gerade im Ausland und momentan fühle ich mich etwas einsam. Eigentlich bin ich gerne alleine. Ich kann gut eine Woche am Stück mit niemandem sprechen, aber nach zwei Wochen werde ich schon komisch. Es fällt mir, wie auch den Figuren in unserem Stück schon schwerer, raus zu gehen und mit anderen Menschen zu reden. Aber ich glaube, diese Zeit kann aber auch sehr reinigend sein, weil man sich fragt ‚Wen brauche ich um glücklich zu sein?' und ‚Wie wertvoll sind mir Begegnungen?’
Kirtzel: Ich bin mit diesem Gefühl bestens vertraut. Ich verarbeite momentan die Trennung von meiner Freundin. Gerade während der Probenphasen war sie eine große Unterstützung und hat mir den Rücken freigehalten. Die Ups and Downs nicht mehr mit seinem Partner teilen zu können, das macht schon was mit dir.
Beier: Wegen Corona konnte ich den Großteil meiner Familie in Hamburg im letzten Jahr nicht sehen. Natürlich telefonieren und schreiben wir, aber der direkte Kontakt fehlt mir schon sehr.

Wann waren Sie zuletzt so richtig glücklich?

Kargel: Ich war nach einer Woche Quarantäne sehr glücklich, als ich in Berlin in den Zug stieg und wusste, dass ich Max und Sandro endlich wiedersehen kann.
Beier: So richtig glücklich war ich, als wir den Streaming-Verkauf gestartet und den Trailer gepostet haben und die Leute wussten, dass da etwas Neues kommen wird. Die Resonanz der Fans daraufhin war überwältigend.
Kirtzel: Ja, an dem Tag hatte ich tatsächlich am Abend vor lauter Anspannung Muskelkater. Boah, war das aufregend! Es tut einfach der Seele gut, dass wir all das zusammen erleben und dabei aufeinander aufpassen.