Diese Stimme! Feist sang in Köln

Diese Stimme! Feist sang in Köln

Ein Vogel hatte sich in die Halle verirrt, die kanadische Sängerin Feist sah das, sie widmete dem Tier ihren nächsten Song, und der ging so: "Kleiner Vogel, hast Du einen Schlüssel? Dann schließ das Schloss in meinem Innern auf." Psychedelische Diaprojektionen wanderten über eine Leinwand, dazu tanzten und sangen drei barfüßige Hippie-Elfen im Background, und wer so etwas erlebt, glaubt wieder an den Weltfrieden.

Feist schreibt Sehnsuchtslieder für moderne Großstädter, sie ist die Sängerin der globalisierten Gemütlichkeit, und 2000 Menschen hörten ihr im Kölner E-Werk zu. Biertrinkende Jungs schauten auf zu der 36-Jährigen in Minikleid und roter Strumpfhose, und sie wirkten, als sei ihnen ein Himmel voller Geigen auf den Kopf gefallen: die Stimme! Klar, durchdringend, anrührend. Dass sie in den Höhen wegbricht, macht sie umso faszinierender.

Feist spielt Folk, aber keinen puscheligen, sondern solchen, der im Stahlbad des Punk gehärtet wurde. Ihren Hit "My Moon My Man" brachte sie in einer brettharten Version, bluesig geradezu, und die Drei-Mann-Band hinter ihr bot einen scharfen Kontrast zu den Schamanen-Schwestern am Bühnenrand. In der Mitte des zweistündigen Auftritts, der ohne "1234", den Hit aus der Apple-Werbung, auskam, fragte Feist nach den Herkunftsländern der versammelten Fans. Das wäre bei anderen Popstars langweilig geworden, bei Feist war es toll. Man könne nun einen eigenen Staat gründen, schlug sie vor. Dazu kam es aber nicht mehr. Schade. PHILIPP HOLSTEIN

Info Feist tritt am 21. August am Tanzbrunnen in Köln auf. Karten unter www.westticket.de und 0211 274 000

(RP)