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Mönchengladbach: Die späten Farbakkorde eines Lichtkünstlers

Mönchengladbach : Die späten Farbakkorde eines Lichtkünstlers

Wenn Heinz Mack seine leuchtenden Farbakkorde auf eine Leinwand setzt, schwingt darin viel mit. Die Erfahrung eines langen Lebens scheint sich in diesen Klängen aus Licht und Pigmenten verdichtet zu haben: ein hohes Maß an Bildung und eine Freude an allem Sinnlichen.

Zu Macks 80. Geburtstag ist nun im Mönchengladbacher Verlag B. Kühlen ein Bildband erschienen, der den Betrachter einlädt, in Macks Malerei der zurückliegenden 20 Jahre zu schwelgen. Orientalische Farben leuchten ihm entgegen. Mit Vorliebe wandelt Mack geometrische Formen ab, nähert sie zuweilen der Natur, zuweilen auch der Technik an. So entsteht wahlweise eine liebliche grüne Ansicht "Im Garten" oder eine "Rotation", die an eine Fräse erinnert.

Mack jongliert mit Dreiecken und Kreisen, mit Quadraten, Würfeln und rechteckigen Gittern. Sie bilden ein Gerüst, auf dem die Farben ihre Wirkung entfalten können: sich gegeneinander abgrenzen oder – häufiger noch – ineinander übergehen. Die Räume, die solchermaßen entstehen, verdanken sich weitaus mehr dem Sog etwa eines tiefen Blaus als einer Struktur, die perspektivisch angelegt wäre.

Seit 20 Jahren ist Mack ein Farbkünstler, ohne dass er sein angestammtes Metier, die Plastik, aufgegeben hätte. Offenbar hat er jenseits der Strenge seiner Stelen im öffentlichen Raum, auch jenseits seiner surrenden Rotoren aus der Frühzeit ein Feld für sich entdeckt, auf dem er mit seinem Lieblingsthema, dem Licht, einen anderen Umgang pflegt. Die frühen Lichtplastiken wirken wie Einladungen zur Meditation; den beherrschten Farborgien der zurückliegenden Jahre dagegen liegt zwar ebenfalls eine Art Architektur zugrunde, doch appellieren sie weniger als die Arbeiten von ehedem an den Geist, umso mehr an die Sinne.

Eines der Bilder, die das Buch wiedergibt, trägt den Titel "Die Farben von Ibiza". Das Licht des Südens hat Mack sichtlich zu seinen Werken angeregt. Daraus erklärt sich seine Vorliebe für ein tiefes Blau, für Türkis, Orange und überhaupt alles, was leuchtet. Das liebevoll komponierte Buch hält manche Überraschung bereit, mit der man heutzutage kaum mehr rechnet: Einige Seiten lassen sich ausklappen. Und fördern zum Beispiel ein Gemälde zutage, das den Charakter des Komponierens auf die Kunst überträgt: ein Werk mit dem Titel "Das Konzert". Mack kennt sich auch in der Musik aus und versteht sich auf synästhetische Effekte. Die "Partita für die Farben" unterstreicht das. Eines von Macks zentralen Bildern trägt den Titel "Rhythmus, Farbe, Licht".

Heinz Mack ist in der Malerei das, was man in der Literatur einen "poeta doctus" nennt: einer, der seine Kunst auf einem Fundament breiter Bildung errichtet. Selbstverständlich kennt er die Tunis-Reise der Maler Klee, Macke und Moilliet im Jahr 1914, die in deren Werk helle Spuren hinterließ, ebenso wie die Verbildlichung des Phänomens Licht im Werk von Moholy-Nagy. Er kennt sich in Goethes "West-östlichem Divan" so gut aus wie bei Schiller, weiß Adorno zu zitieren und Nasa-Fotografien zu lesen, ohne je in Plattitüden zu verfallen. Sterne zählen zu den Lieblingsmotiven seiner Malerei.

Tritt man vor Macks beeindruckendem Lebenswerk ein paar Schritte zurück, so wird man dennoch zu dem Schluss gelangen, dass seine Bilder und Objekte aus der Zero-Zeit, in der er mit Uecker und Piene zusammenarbeitete, und die großen Plastiken im öffentlichen Raum, die später daraus erwuchsen, den Kern seines Schaffens bilden. Jeder kennt jene "Columne pro Caelo", die "Säule für den Himmel" vor dem Kölner Dom. In anderen Städten hat er gleichfalls Zeichen dafür gesetzt, dass es Maßstäbe gibt, die im Dickicht der Städte leicht untergehen.

Es spricht für Mack, dass er sich auf seinen Lorbeeren nicht ausgeruht hat, sondern immer wieder neue Wege erprobte – nicht nur die farbige Malerei für sich entdeckte, sondern ebenso die Keramik. Und selbstverständlich weiß er, dass auch ein anderer den Umgang mit Ton als neues Feld des Experimentierens fand: Picasso. Das ist jedoch schon eine andere Geschichte als diejenige, die der neue Bildband so prächtig erzählt. Sein schlichter Titel: "Mack. Malerei/Painting 1991–2011".

(RP)