1. Kultur

Die Schau mit Werken von Judith Maria Kleintjes bleibt für Einzelbesucher geöffnet.

Ausstellung : Natur als Quelle der Inspiration

Die Schau mit Werken von Judith Maria Kleintjes bleibt für Einzelbesucher geöffnet.

Die Bilder von Judith Maria Kleintjes buhlen nicht mit kräftigen Farben um Aufmerksamkeit. Bei ihnen wird das Auge des Betrachters durch Schattierungen von Grau angezogen, mit Tusche und zartem Pinselstrich auf Papier gebracht. Sie driften ab in feine Nuancen von Rosé, Schilf und Aubergine – bis hin zu tiefem Anthrazit.

Die Künstlerin gab ihrer Ausstellung bei Karl & Faber den Titel „Sonnenstand“. Damit beschreibt sie das fragile Spiel von Licht und Schatten, das analytische Festhalten von Raum und Zeit. Und auch ihre Verbundenheit mit der Natur. „Sie bedeutete schon immer eine wichtige Quelle der Inspiration für mich“, erzählt die Niederländerin, die seit vielen Jahren in Düsseldorf heimisch ist. „In meiner Kindheit war es das Meer, dessen Nähe ich suchte. Jetzt ist es der Rhein.“

Judith Kleintjes studierte in den 1990er-Jahren an der „Koninklijke Academie van Beeldende Kunsten“ in Den Haag und machte dort ihren Abschluss. Ab 1997 besuchte sie an der hiesigen Kunstakademie die Klasse von Jannis Kounellis, 2000 wurde sie seine Meisterschülerin. Seitdem pendelt sie zwischen beiden Ländern, unterhält Ateliers in Amsterdam und Düsseldorf. Doch einen erheblichen Teil ihrer Zeit verbringt sie bis heute an wechselnden und immer wieder neuen Orten. Häufig als „Artist in Residence“, wie in der Raketenstation und im Field Institute der Insel Hombroich. Ein Stipendium der Stadt Düsseldorf brachte sie 2014 nach Israel, ein weiteres 2017 ans European Ceramic Work Center in ihrer Heimat.

Auch die Keramik nutzte Judith Kleintjes für ihr Lieblingsthema – dem schwer fassbaren Phänomen der zerfließenden Zeit auf die Spur zu kommen. Einige dieser Arbeiten sind in der aktuellen Schau zu sehen, die Antonia Lehmann-Tolkmitt von LT Fine Art Advice kuratierte. Die amorphen Objekte erinnern an Seetang, Korallen, Unterwasserpflanzen. „Ich nenne sie Nachtschattengewächse“, so Kleintjes.

In der Düsseldorfer Ausstellung zeigt sie auch Arbeiten, die 2012 und 2015 bei ihren zwei Aufenthalten im Gastatelier auf der Insel Hombroich entstanden sind. Das von der Natur geformte Areal war Judith Kleintjes noch aus Studententagen vertraut: „Ich jobbte damals in der Cafeteria, traf den Gründer Karl-Heinrich Müller und Künstler wie Anatol und Graubner.“ Hombroich sei für sie ein außergewöhnlicher, ein magischer Ort. Deshalb wurde dort vor 20 Jahren auch ihre romantische Mittsommer-Hochzeit mit dem Architekten Benedikt Stahl gefeiert.

Ausstellung bis 30. April; Karl & Faber; Mannesmannufer 7, Innenhof. Diese Schau ist aus Solidarität mit anderen Veranstaltern geschlossen. Doch Einzelbesuche können mit Kuratorin und Künstlerin vereinbart werden unter
antonia@fineartadvice.de