1. Kultur

Die Pianisten Igor Levit und Markus Becker brillierten in der Tonhalle.

Klavierkonzert in der Düsseldorfer Tonhalle : Große Klanggewalt mit kleiner Besetzung

Bei ihrem Kammerkonzert in der Tonhalle überzeugten die beiden Pianisten Igor Levit und Markus Becker unter anderem mit Stücken von Max Reger und Béla Bartók.

In den Dekaden rund um das Jahr 1900 stand die Musik an Höhe- und Wendepunkten. Der Rahmen des Achttonsystems quoll über vor Modulationen, Chromatik und regelkonformen Dissonanzen. Und der Weg zur Atonalität war spätestens 1909 durch Arnold Schönberg freigesprengt. Max Reger (1873-1916) blieb jedoch der traditionellen Satztechnik und Harmonik treu, kostete sie allerdings zügellos aus.

Regers Komposition „Introduktion, Passacaglia und Fuge“ für zwei Klaviere op. 96 stand am Anfang eines Kammerkonzerts rund um die beiden Pianisten Igor Levit und Markus Becker in der Tonhalle. Eine chromatisch absteigende Melodie bildet das ziemlich spärliche thematische Gerüst für ungeheure Klangmassen, die sich drum herum wälzen. Beide Steinway-Konzertflügel waren für die Aufführung des Werks substanziell voll gefordert. Für die beiden Interpreten war das ein ziemlich kräftiger Brocken, der hohe pianistische Künste einforderte. Levit und Becker zeigten keinerlei Furcht vor dem Ungetüm, sondern ansteckende Freude an seiner Bändigung. Trotz der Massivität des Klaviersatzes kamen seine kontrapunktischen Finessen klar heraus.

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Neben Regers Klavier-Duo wirkten selbst die Haydn-Variationen von Johannes Brahms (Urfassung für zwei Klaviere), die nun folgten, erstaunlich filigran und durchsichtig. Auch die Genauigkeit des Zusammenspiels ließ sich hier leichter nachverfolgen. Und bis auf kleine Interferenzen gelang die Duo-Leistung solide. Allerdings erwies sich Levit an einigen musikalischen Pointen im Vergleich zu Becker als der originellere Interpret.

Béla Bartók (1881-1945) war der Jüngste und Modernste im Komponisten-Trio des Abends. Seine Sonate für zwei Klaviere und Schlagzeug bedient sich einer freien Tonalität und kommt deutlich melodischer daher als etwa Reger. Angesichts der Besetzung ohne Melodieinstrument ist es bemerkenswert, dass die Sonate so gesanglich klingt.

Levit und Becker entlockten den Flügeln auch viel Melos, rhythmischen Witz und eine Prise Paprika. Äußerst schattierungsreich gestalteten derweil die beiden Schlagzeuger Klaus Reda und Andreas Boettger ihre Parts. Die Instrumente waren so aufgestellt, dass die Pianisten zwar dem Publikum den Rücken zuwendeten, doch den Schlagzeugern ins Gesicht sehen konnten – mit dem Ergebnis eines kammermusikalischen Miteinanders wie bei einem Streichquartett.