Die Muppets sind zurück

Die Muppets sind zurück

Jetzt tanzen wieder alle Puppen: Miss Piggy und Kermit kehren in einem gelungenen Kinofilm zurück auf die Leinwand. Die Produktion "Die Muppets" funktioniert genauso wie die Fernsehserie aus den 70er Jahren: Sie ist chaotisch, nostalgisch und gespickt mit Auftritten von Stars.

Kermit, Miss Piggy und Gonzo. Fozzie Bär, das Tier oder Statler und Waldorf, die greisen Nörgler aus der Ehrenloge. Mitunter genügt allein die Nennung von Namen, um schöne Erinnerungen zu wecken. Selbst wer niemals ein Fan der Muppets war, dürfte sie kennen, jene vom viel zu früh verstorbenen Jim Henson erschaffene Puppenbande. Und wenn man nun die oben genannten und all die anderen Muppets-Figuren in ihrem mittlerweile siebten Kinofilm über die Leinwand toben sieht, "bis der Schuppen wackelt und zusammenbricht" (wie es einst im schmissigen Songtext zur Fernsehshow hieß), dann wird einem warm ums Herz.

Dabei sieht es zu Beginn dieser schrillen Kombination aus Parodie, Komödie, Musical und Nummernrevue gar nicht so gut aus für die putzigen Puppen von anno dazumal. Denn die Muppets sind in Vergessenheit geraten und längst mit mehr oder weniger Erfolg in alle Winde verstreut. Während Miss Piggy im fernen Paris als Redakteurin der "Vogue" die Modeszene aufmischt (eine köstliche Persiflage auf Meryl Streeps Rolle in "Der Teufel trägt Prada"), fristet Fozzie Bär ein trauriges Dasein in einer schäbigen Spelunke vor betrunkenem Publikum. Kermit haust wie ein ausgemusterter Hollywoodstar zurückgezogen und leicht depressiv in einer riesigen Villa voller Erinnerungsstücke an bessere Tage.

Die Lebensgeister unseres geliebten Frosches werden jedoch wiedererweckt, als er von den treuen Fans Walter (einer neuen Muppets-Puppe) und Gary (Jason Segel) erfährt, dass das altehrwürdige Theater der Truppe abgerissen werden soll. Ein aalglatter Ölbaron (herzhaft schmierig: Chris Cooper) hat es sich unter den Nagel gerissen, um auf dem Grundstück nach dem schwarzen Gold zu bohren. Eine Unverschämtheit sondergleichen, und so soll eine Benefizgala mit einer Show wie zu früheren Zeiten das benötigte Geld in die Kassen spülen, um das Theater zurückzukaufen. Gemeinsam mit seinen neuen Freunden zieht der aufgebrachte Kermit los, um in "Blues Brothers"-Manier die Mitstreiter von damals zusammenzutrommeln.

Der britische Regisseur James Bobin (einst Schöpfer der "Ali G Show" mit Sacha Baron Cohen) und Hauptdarsteller/Drehbuchautor/Produzent Jason Segel ("Nie wieder Sex mit der Ex") machen von Anfang an kein Hehl daraus, dass sie ganz, ganz große Anhänger der Muppets sind, und der Enthusiasmus, den sie bei der Reanimation der plüschigen Stofftiere an den Tag gelegt haben, überträgt sich eins zu eins auf den Zuschauer. Ihr Film ist eine quietschbunte und quirlige Liebeserklärung an die herzigen Helden, eine wunderbare Wiedervereinigungs-Geschichte, die den Geist des Vergangenen atmet, herrlich albern und hemmungslos nostalgisch.

Das ist kein Film, der mit Computeranimationen oder mit 3D-Hokuspokus protzen muss, sondern bewährtes handgemachtes Puppentheater, für die die neuen Macher die alte Puppenspieler-Crew rekrutierten. Und das dürfte vor allem jene Generation begeistern, die als Kinder mit den flauschigen Filzgesellen aufwuchsen und jetzt als Erwachsene mit ihren eigenen Kindern ein Wiedersehen mit alten Bekannten feiern können. Denn die Neuauflage hat den gleichen entspannten, episodischen Charme wie die frühere Fernsehserie, samt der obligatorischen Musikeinlagen und den so genannten Cameo-Kurzauftritten von diversen Prominenten.

Es ist also, und das im besten Sinne, anachronistisches, hinreißend altmodisches Kino, fern von allem neumodischen Firlefanz, mit dem uns Hollywood in den letzten Jahren immer wieder bestürmt hat. Dabei gibt es rührende Reminiszenzen an die guten alten Zeiten. Da knabbert Miss Piggy immer noch an der verkorksten Liebesgeschichte mit Kermit, und Letzterer spaziert mit aller gebotenen Sentimentalität und singend durch die Halle mit gerahmten Bildern seiner früheren Freunde. Aber natürlich wird jede Melancholie zum Ende hin von der Bühne gefegt, und irgendwann tanzen wieder alle Puppen.

Genau: bis der Schuppen wackelt und zusammenbricht. llll

(RP)