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"Die geliebten Schwestern" von Dominik Graf Favorit für Goldenen Bären

Berlin : Schiller begeistert bei der Berlinale

Von den vier deutschen Wettbewerbs-Beiträgen überzeugt nur Dominik Graf.

Es ist eigenartig, es gibt bisher keinen Favoriten im Kampf um den Goldenen Bären für den besten Film der Berlinale. Fragt man unter Festivalbesuchern, welche Produktion bemerkenswert war, antworten indes viele: "Die geliebten Schwestern" von Dominik Graf.

Das ist tatsächlich ein guter Film und ein wunderschöner dazu. Graf erzählt die Geschichte von der Liebe Friedrich Schillers zu den beiden Schwestern Caroline und Charlotte von Lengefeld. Der Regisseur verzichtet dabei auf das Pathos, das solche Kostümfilme, jene über die Weimarer Klassik zumal, in vielen Fällen ungenießbar macht. In Florian Stetter hat er einen hinreißenden Schiller gefunden, der den Dichter mit der richtigen Mischung aus Arglosigkeit und Draufgängertum spielt, der also nie Statue sein will, sondern immer Liebhaber.

Graf kommentiert die Ruldolstätter Romanze aus dem Jahr 1788 aus dem Off, nicht staatstragend und im Stil des Bildungs- und Geschichtsfernsehens, sondern mit klugen Gedanken, essayistisch, tastend, originell. Hier stimmt alles, es passt, bis hinein in den Soundtrack der Düsseldorfer Komponisten Sven Rossenbach und Florian Van Volxem. Hannah Herzsprung ist die Caroline und Henriette Confurius die Charlotte, und gemeinsam mit Stetter bilden sie ein Team, das man gern auch in anderen Filmen sähe.

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Zumindest Florian Stetter spielt schon mal in einem anderen deutschen Wettbewerbsbeitrag mit, in "Kreuzweg" von Dietrich Brüggemann. Der Film besteht aus 14 Einstellungen, jede zitiert eine Station von Jesu Kreuzweg, und die Kamera verharrt stets an derselben Stelle. Das Konzept ist gut, es wird jedoch mit fortschreitender Spieldauer zum Problem. Denn Brüggemann erzählt von einem Mädchen, das seinen kranken Bruder erlösen will, indem es sich in den Glauben flüchtet, sich selbst kasteit, nicht mehr isst. Nach der ersten Etappe ist klar, wie der Film endet, Brüggemann bricht nicht aus und bürstet nicht gegen den Strich, und dann trägt das Mädchen auch noch den sprechenden Namen Maria Göttler. Lea van Acken indes, die Darstellerin der Maria, darf als Entdeckung der Berlinale gelten, ihr nimmt man die Entschlossenheit ab, und man ahnt die Mühen des Kampfes, den Maria im Innern mit sich selbst austrägt.

Weniger gelungen sind die anderen deutschen Beiträge; "Jack" etwa von Edward Berger, der zwei Jungen auf der Suche nach der Mutter durch Berlin begleitet. Auch hier keine Abgründe, die Bilder bergen kein Geheimnis, so dass "Jack" nicht über Fernsehfilmformat hinaus reicht. Gleiches muss man sagen über "Zwischen den Welten" von Feo Aladag, den letzten deutschen Wettbewerbsbeitrag. Ronald Zehrfeld spielt einen Bundeswehr-Offizier in Afghanistan. Er sucht den Sinn seines Tuns und findet ihn nicht, und auch der Zuschauer steht achselzuckend vor Symbolbildern wie verschlossenen Bahnschranken und eingesperrten Vögeln.

Am Samstag werden die Bären vergeben. Dominik Grafs Beitrag dürfte ein Anwärter sein.

(RP)