Düsseldorf: Die drei besten Platten für den Sommer

Düsseldorf : Die drei besten Platten für den Sommer

In diesem Sommer erscheinen einige besonders schöne Platten, und gemeinsam ist ihnen, dass sie den Minimalismus, das Verhuschte zum Prinzip erheben.

Washed Out heißt die erste Band, deren Album man in diesen Tagen hören sollte. Dabei ist Band eigentlich zu viel gesagt, hinter Washed Out verbirgt sich Ernest Greene aus Atlanta, und nur ausnahmsweise bittet er Musiker-Kollegen vor das Mikrofon an seinem Laptop. "Within And Without" heißt sein erstes Album, er hat es an einem See aufgenommen, und wenn die mit viel Hall unterlegte Musik beginnt, muss man an bunte Badehosen denken, die beim Trocknen in der Sonne ausbleichen.

Pop mit ein bisschen Psychedelic ist das, eine schöne Jungsstimme singt zu einem vagen elektronischen Pluckern, manchmal flüstert eine Frau Worte, die man nicht versteht, die sich aber vielversprechend anhören. So wie Washed Out muss eine Platte für den Sommer klingen. Hätte der von Dustin Hoffman gespielte Benjamin in "Die Reifeprüfung" auf seiner Luftmatratze im Swimmingpool Kopfhörer getragen, er würde diese Musik gehört haben.

Ähnlich verwaschen ist der Sound von den Cults aus New York. Madeline Follin und Brian Oblivion hatten im vergangenen Jahr einen Hit mit dem Song "Go Outside", sie stellten ihn ins Internet, und plötzlich waren sie ein bisschen berühmt. Nur aufgrund dieses Liedes bekam das Paar einen Plattenvertrag, und nun ist das Debütalbum, das bloß den Namen der Band trägt, da – natürlich ist "Go Outside" auch drauf. Als hätten Follin/Oblivion an ihre Instrumente Schalldämpfer geschraubt, so klingt Cults, als würden die Lieder von weit her zum Hörer geweht. Follins Stimme erinnert an die Mädchenbands der 60er Jahre – Supremes, Shangri-Las –, eine unwiderstehliche Mischung. 16 Uhr mitten im Sommer, die Lider schwer, der Blick verhangen – das ist Cults.

Die neue Platte der Junior Boys hingegen sollte man erst auflegen, wenn es fast dunkel ist. "It's All True" ist etwas für die Zeit, da man sich gerade von der Erschöpfung nach einem Tag am Meer erholt hat, die Hitze aus dem Körper gewichen ist; wenn man beschließt, noch einmal rauszugehen. Das letzte Stück sollte man zuerst anhören, "Banana Ripple" dauert neun Minuten, man möchte darin baden, und vielleicht ist das sogar der beste Song dieses Duos, dem schon so viele großartige Stücke gelungen sind.

Seit Ende der 90er Jahre spielen Johnny Greenspan und Matt Didemus gemeinsam, der eine lebt in Kanada, der andere in Berlin. Sie komponieren elektronische Musik, zu der man so gerade nicht mehr tanzen kann, sehr weich, versonnen, und sie legen Greenspans Gesang darauf, er erinnert an Morten Harket von a-ha.

Und wenn es noch acht Wochen regnet, ist das egal, es gibt diese Platten, also gibt es den Sommer, er ist ja ohnehin nur ein Gefühl.

(RP)