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Die besten Kochbücher für Leute, die nicht kochen können

Kulturtipps zum Wochenende : Die besten Kochbücher für Leute, die nicht kochen können

Wer nicht kochen kann, es aber gerne können würde, sollte sich diese drei Titel unbedingt ansehen. Unser Autor hat sich ihretwegen das höchste Lob verdient: „Kannst du ruhig öfter machen.“

Ich hätte nie gedacht, dass ich diesen Text mal schreiben würde. Ich kann nämlich gar nicht kochen. Nicht im Sinne von „Ich mache jetzt rasch mal die Mehlschwitze“ jedenfalls. Ich kann bloß Lebensmittel zusammenschütten und verrühren. Allerdings mag ich das Drumherum. Allein diese Wörter: abseihen, unterheben, blanchieren. Und das Vorbereiten: in den Asia-Markt gehen und bei der Gelegenheit auf Getränke und Süßigkeiten aufmerksam werden, die ich bisher nicht kannte. Beim Gemüseschnibbeln Musik hören. Und überhaupt zu sagen: „Heute koche ich.“

Vor allem aber mag ich Kochbücher. Sie wirken auf mich wie Reise- oder Plattenkataloge: Ich schaue und lese und stelle mir vor, wie das wäre, wenn ich das nachmachte. Am besten finde ich Kochbücher, in denen gleich ein ganzer Lifestyle mit abgebildet wird. Wie in einem guten Magazin: Wenn ich Menschen aus Tokio oder New York an langen Tischen in tollen Wohnungen sitzen sehe. Wenn sie aus Gläsern trinken, die so mondän anmuten, als hätten sie mal Jackie Kennedy gehört. Und wenn dann noch die Ansprache stimmt, wenn die Autorinnen und Autoren der Kochbücher also nichts voraussetzen und mich als Anfänger nicht wie Klein-Doofi aussehen lassen, dann könnte es sein, dass ich tatsächlich eine Einkaufsliste schreibe und etwas nachmache. Das Allerbeste ist, schließlich sogar Lob für das Servierte zu bekommen: „Kannst du ruhig öfter machen.“

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Bei den drei folgenden Büchern ist mir genau das passiert. Sie alle tragen inzwischen jene Orden, die nur auszeichnete Kochbücher bekommen: Fettspritzer auf dem Einband.

Alison Roman: „Nothing Fancy. Entspannt kochen für Freunde“, Dorling Kindersley, 320 S., 29,90 Euro

Dieses Buch sieht so gut aus, dass man es auch als Bildband benutzen und einfach bloß betrachten könnte. Die Fotos sind faszinierend: Der Teller mit den Spaghetti mit Meeresfrüchten steht auf dem Sprungbrett eines Swimmingpools (S. 180). Der Nagellack der Frau, die geeiste Früchte verspeist, passt zur Farbe der Wassermelonen auf ihrem Teller (S. 286). Und das Küchentuch, mit dem sie die Lasagne aus dem Ofen holt (S. 254), sieht aus wie ein Sommerhimmel.

Es gibt viele einfache Gerichte in diesem Band, das Publikum wird geduzt und freundschaftlich angesprochen. Vom Hauptgericht über sommerliche Desserts bis zu Dips ist alles drin, was man brauchen könnte. Das Buch macht Lust aufs Kochen und aufs Gastgeber-Sein.

Das Gericht, das ich sofort nachkochte: „Chili-Hähnchen mit scharf-saurer Ananas“. Mir läuft beim Schreiben das Wasser im Mund zusammen. Seither finde ich Marinieren super.

Nigel Slater: „Greenfeast: Frühling/Sommer“, Dumont, 336 S., 28 Euro

Der Brite Nigel Slater ist der Dichter unter den Kochbuchautoren. Während man andere Kochbücher wie Bildbände oder Zeitschriften benutzen kann, könnte man seine Veröffentlichungen auch einfach nur lesen. Seine Vorworte und Einleitungen sind denn auch länger als gewöhnlich, aber man fühlt sich danach geradezu erbaut. Hier versammelt er in der Hauptsache vegetarische Gerichte, die sich besonders für sehr warme Sommertage eignen. Die Fotos sind schön, aber eher funktional. Ein philosophisch grundierter Minimalismus zieht sich durch das Buch.

Das Gericht, das ich sofort nachkochte: „Gnocchi, Tomaten, Radieschen“. Es ist so einfach, wie es der Titel vermuten lässt. Bunte Tomaten schnippeln und mit Petersilie, Frühlingszwiebeln und Radieschen mischen. Gnocchi kochen und in Butter und Öl anbraten. Heiß mit dem kalten Salat vermengen. Bisher mochte ich keine Gnocchi, nun schon.

Elisabeth Raether: „Wochenmarkt“, Bloomsbury, 208 S., 22 Euro

Klassiker. Und das einzige (mir bekannte) Kochbuch, dem ein Motto der Sugarhill Gang vorangestellt ist. Nach Jahreszeiten sortiert und an den jeweils saisonal verfügbaren Zutaten orientiert. Tolle Texte voller Kulturgeschichte und Zitaten aus Büchern von Judith Schalansky oder Hannelore Schlaffer. Auf edle Weise einfach gehalten, auch in der Optik.

Das Gericht, das ich sofort nachkochte: „Taboulé“. Wobei: Kochen ist in diesem Fall eigentlich zu viel gesagt. Man hackt Petersilie, Minze, Zwiebeln und Tomaten klein, gibt Öl, Zitronensaft, Salz und Pfeffer dazu und hat es im Grunde schon. Aber auch das zeichnet in meinen Augen ein gutes Kochbuch aus: dass man dadurch auf Gerichte aufmerksam wird, auf die man alleine nicht gekommen wäre.