Köln: Die Art Cologne übertrifft sich selbst

Köln: Die Art Cologne übertrifft sich selbst

Selten zuvor war der Kölner Markt für Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts mit so vielen Spitzenwerken bestückt wie diesmal. 200 Galeristen nehmen teil. Die Preisspanne reicht von 100 bis zu mehreren Millionen Euro.

Wer es darauf anlegte, konnte auf der Art Cologne schon immer ein, zwei Millionen Euro für ein einziges Bild ausgeben. Diesmal aber hat sich das Angebot im Millionenbereich in ungeahntem Maße ausgeweitet. Als hätte es niemals eine Wirtschaftskrise gegeben, sind etliche der 200 Händler aus 25 Ländern mit Spitzenware angereist. Einer ist sich seiner Sache so sicher, dass er nur ein Objekt ausstellt: "Die Angst des Hasen", ein Gemälde von Franz Marc. Mit diesem 9,4 Millionen Euro teuren, prächtig inszenierten Bild feiert die Münchner Galerie Thomas stilgerecht ihr 50-jähriges Bestehen.

Wie immer findet sich auf der unteren Ausstellungsebene der Messe das klassisch-moderne Angebot, während sich oben die Jungen austoben dürfen. Einige von ihnen könnten die Stars von morgen sein, doch noch sind die hohen Preise den Etablierten im ersten Geschoss vorbehalten. Beck & Eggeling bietet neun Aquarelle von Emil Nolde zu Preisen zwischen 110.000 und 345.000 Euro an, die Galerie von Vertes aus Zürich hat einen ungegenständlichen Gerhard Richter für 4,8 Millionen Euro im Angebot, und selbst für den jüngeren Neo Rauch sind am Stand der New Yorker Galerie David Zwirner 1,1 Millionen Euro fällig.

Blickfang am Stand von Hans Mayer aus Düsseldorf ist Tony Ourslers Installation "Obscura", ein Ensemble aus sechs Kugeln, auf die je ein sich bewegendes Auge projiziert wird. Die Mönchengladbacher Galerie Löhrl präsentiert den längst international bekannten Lokalmatador Gregor Schneider unter anderem mit dem Objekt "Kinderzimmer". Dahinter steckt eine schier unglaubliche Geschichte von identischen Wohnungen eines Zwillingspaars, die Galerist Dietmar Löhrl gern jedermann erzählt, der an dem Objekt Interesse hat. Eine Fotografie von Schneider dokumentiert eine Aktion in Kalkutta, bei der er seine Heimatadresse, die Unterheydener Straße in Rheydt, nachbaute und senkrecht gen Himmel ragen ließ. Die Fotografie kostet 8000 Euro und ist der Beweis, dass man nicht Millionär sein muss, will man auf der Art Cologne seine Kunstsammlung erweitern.

Vor allem Händler, die sich auf Papierarbeiten spezialisiert haben, bieten oft Werke international bekannter Künstler für einige hundert Euro an: Radierungen, Lithographien und Zeichnungen. Die Düsseldorfer Galerie Remmert und Barth hat sich auf diesem Feld bewährt — mit Werken von Max Beckmann, Conrad Felixmüller, George Grosz und Otto Pankok. Erstmals bietet eine Reihe "Collaborations" Händlern, die auf Zusammenarbeit setzen, die Gelegenheit, sich Sammlern vorzustellen. Und die Reihe "New Positions" eröffnet Nachwuchskünstlern ein Forum. Einst zählten hier Olafur Eliasson und Thomas Schütte zu den Neulingen.

Zur Tradition der Art Cologne zählt ebenso, dass jedes Jahr ein Preis verliehen wird. Diesmal geht er an Rosemarie Schwarzwälder von der Wiener Galerie nächst St. Stephan. Die mit 10 000 Euro dotierte Auszeichnung würdigt Leistungen der Kunstvermittlung. Zu Schwarzwälders Programm zählen Imi Knoebel, Katharina Grosse und Helmut Federle — allesamt Künstler mit einem starken Bezug zu Düsseldorf.

Zum Rahmenprogramm der Art Cologne gehört diesmal auch die Düsseldorfer Quadriennale — und umgekehrt. Für Doppelbesucher gibt es vergünstigte Tickets und das Gefühl, dass Köln und Düsseldorf nur gemeinsam stark sind.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Rundgang über die Kunstmesse Art Cologne 2014

(RP)
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