Konzertvorschau Hermann van Veens zieht neue Saiten auf

Der niederländische Sänger und Poet kommt mit seinem Jubiläumsprogramm nach Düsseldorf.

 Hermann van Veen mit Gitarristin und Bühnenpartnerin Edith  Leerkes bei einem Auftritt in Emmerich.

Hermann van Veen mit Gitarristin und Bühnenpartnerin Edith  Leerkes bei einem Auftritt in Emmerich.

Foto: van Offern, Markus (mvo)

Man soll die Feste feiern, wie sie fallen. Warum also nach der 40 auf die runde 50 warten? Für Herman van Veen war sein 45jähriges Bühnenjubiläum in Deutschland ein schöner Grund, wieder auf Tournee zu gehen. „Neue Saiten“ heißt sein aktuelles Programm. Das sei wörtlich gemeint, erklärt der niederländische Sänger und Poet. „Ich bin ja auch Geiger, und vor jeder Tour ziehe ich neue Saiten auf mein Instrument. Das gibt mir ein Gefühl von Zukunft.“

Etwa sechs Wochen vor den Konzerten stellt er seine Lebensgewohnheiten um. „Ich schlafe länger als sonst und mache ausgiebige Spaziergänge. In dieser Phase gehe ich sorgfältiger mit mir um und achte noch mehr auf meine Gesundheit.“ Mit 74 koste eben alles etwas mehr Mühe, räumt er ein. „Geige zu spielen erfordert mehr Kondition als das bloße Singen. Dafür muss ich etwas an Gewicht verlieren und gut aufpassen, was ich esse und trinke.“ Ansonsten aber kann Herman van Veen dem Älterwerden viel abgewinnen. „In der Jugend hat man alles gratis und denkt nicht viel darüber nach. Jetzt gehe ich sparsamer um mit meiner Zeit und meiner Kraft. Dadurch verfeinert sich alles. Ich weiß, da ist ein Limit, aber umso bewusster genieße ich die schönen Dinge des Lebens.“ Voller Dankbarkeit nimmt er die jahrzehntelange Treue seines Publikums entgegen und registriert mit Verwunderung, dass es mehr denn je mehrere Generationen überspannt. „Ich sehe so viele junge Leute in meinen Konzerten, das ist wunderschön“, sagt er. Er selber sei zumindest jung im Kopf und noch immer voller Neugier, fügt er hinzu. „Man lernt nie aus, für mich ist das der Motor meines Lebens. In jeder Antwort steckt eine neue Frage. Faszinierend.“

Wie jedes Programm folgt auch „Neue Saiten“ einer Dramaturgie. „Es ist wie ein Tagebuch. Ich singe, spiele und erzähle von dem, was mich heute betrifft. Das drückt sich nicht nur in meinen neuen Liedern aus. Kann sein, dass ich ein älteres Stück brauche, um einen Bezug zur Gegenwart herzustellen – damit man den Unterschied begreift.“ So könne ein Lied mit den Jahren eine ganz andere Bedeutung bekommen, erklärt Herman van Veen und nennt ein Beispiel. „Als meine Tochter Anne geboren wurde, widmete ich ihr einen Song und wünschte mir, dass sie die Welt ein bisschen schöner färbt. Jetzt ist sie 35 und mit einer Frau verheiratet. Das gibt mir die Gelegenheit, dieses Thema aufzugreifen – weil ich es aus eigener Erfahrung kenne.“

Was er im Alltag des Paares beobachtet, missfällt ihm oft: „Wenn ich hinter den beiden gehe und sie sich an den Händen halten, höre ich abfällige Kommentare und sehe leider Dinge, die ich nicht sehen will.“ Lieder könnten wie ein Prisma wirken: „Man beleuchtet die eine Seite und bekommt einen anderen Blick auf die Wirklichkeit.“

Dann beginnt der Musiker von seiner Familie zu schwärmen, zu der neben vier Kindern nun auch drei Enkel gehören. „Hätte ich gewusst, wie schön es ist, Großvater zu sein, hätte ich gleich mit den Enkelkindern angefangen“, scherzt er. „Ich bin sprachlos vor Staunen. Genauso geht es meiner Gitarristin und Bühnenpartnerin Edith Leerkes. Die hatte neulich ihr erstes Enkelkind auf dem Schoß und strahlte, als würde man ein Licht anknipsen.“

Wie Edith Leerkes begleitet ihn auch die Sängerin und Geigerin Jannemien Cnossen seit vielen Jahren auf seinen Tourneen. Bei „Neue Saiten“ sind außerdem die Sängerin Wieke Garcia und Bassist Kees Dijksta dabei. Einer aber fehlt für immer: 2014 starb sein musikalischer Weggefährte Erik van der Wurff. „Für mich ist das noch ganz frisch, ich kann das gar nicht verkraften“, sagt Herman van Veen. „Erik hat 52 Jahre an meiner Seite gespielt, ich vermisse ihn so sehr.“ Irgendwie sei der Freund dennoch dabei, wenn im Herbst die Tour durch 52 Städte beginnt. Auf die Tonhalle freue er sich schon jetzt, sagt Herman van Veen. Wie überhaupt auf Düsseldorf. „Eine Kunststadt, die ich sehr schätze, weil ich auch Maler bin. Es gibt wunderschöne Galerien und Museen, die ich jedes Mal aufsuche.“

Info Mit „Neue Saiten“ gastiert Herman van Veen am 21./22. und 23. November in der Tonhalle; Karten: www.kj.de, Tel. 01806626280