1. Kultur

Der burkinische Regisseur Étienne Minoungou beim "Theater der Welt"

Auftakt für das Festival „Theater der Welt“ : Afrikas Stolz und Stärke

Der burkinische Regisseur, Autor und Schauspieler Etienne Minounghou demonstriert beim Festival „Theater der Welt" afrikanisches Selbstbewusstsein.

Ouagadougou, alle zwei Jahre im Oktober: In Gounghin, einem kleinen Viertel der Hauptstadt Burkina Faso, eins der ärmsten Länder Westafrikas, strecken sich bunte Stoffbahnen in die Luft, Lampions leuchten, die Bewohner verkaufen Bissap-Saft, Bier und frittierte Bananen, die Nacht vibriert. Das ganze Viertel fiebert beim Theaterfestival „Recréatrales“.

Unermüdlich mittendrin: der Gründer des Festivals, der burkinische Autor, Schauspieler, Regisseur Etienne Minounghou, meist mit kariertem Hemd, ein Macher, fröhlich, cool, klug und stets konstruktiv. Niemand kann sich seiner freundlichen Aura entziehen, er lacht und scherzt, freut sich sichtlich, wieder hier zu sein – er pendelt oft zwischen Brüssel und seiner burkinischen Heimat hin und her. Das Festival hat er von einem kleinen Künstlertreff zu einem der wichtigsten Theaterereignisse in Westafrika gemacht.

Am Donnerstag Abend lädt Minounghou beim Düsseldorfer Festval „Thater der Welt“ die Zuschauer ein, in Diskurse des afrikanischen Kontinents einzutauchen.In vier Monologstücken (in französischer Sprache mit deutschen Untertiteln) bildet er die Debatten der afrikanischen Gesellschaft ab, die Autonomie und Selbstwirksamkeit einfordern.

  • Eine der Urauffühurngen des Festivals: „Archipel“
    Internationales Theaterfestival in Düsseldorf : Sirenen locken ins Theater
  • Tom Beck und Mirja Boes spielten
    Hilfe für Kinder in Togo : Mirja Boes erspielt in Show Geld für Viersener Afrika-Hilfe
  • William Shakespeare war auch Lyriker. ⇥F.:
    Quiz aus der Quirinusstadt : Seit wann gibt es in Neuss das Shakespeare-Festival?

Minounghou war das Kunststück gelungen, das arme, staubige Viertel am Rande der afrikanischen Großstadt durch Kultur zum Vorzeigequartier zu entwickeln – und künstlerisch international Aufmerksamkeit zu erregen. Im Jahr 2014 ging vom Festival sogar die größte demokratische Demonstration aus, die je ein westafrikanisches Land erlebte: Theaterkünstler und Aktivisten der Bürgerbewegung „Balai citoyen“ (Bürgerbesen) fegten friedlich den diktatorischen Präsidenten aus dem Amt.

Bei den „Récréatrales“ hatten auch Minounghous vier grandiose Monologe Premiere, die das Festival „Theater der Welt“ eröffnen. Etwa „Trace“, Spuren, nach einer Rede, die Felwine Sarr extra für Minounghou geschrieben hat – Sarr ist jener senegalesische Star-Intellektuelle, der die Kolonialismus-Debatte in Europa auf den Kopf stellte. „Wir sind nicht krank, nicht schwach, nicht verloren“, ruft Minounghou von der Bühne, während der burkinische Musiker Tim Winsey auf dem Mundbogen klingenden Wassamana-Groove schlägt.

„Spuren“ sind eigentlich vier Stücke, es sind Utopien, Empowerment-Elogen, die von Stärke, Kraft und Fantasie des afrikanischen Kontinents erzählen, von Selbstbewusstsein, Emanzipation und Aufbruch, souverän, lässig, mit fantastischer Musik grundiert. Deutsche Rassismus-Debatten sind da nicht Thema. Stolz und mit souveräner Schauspielerkraft wirft Minounghou an diesem Abend alles durcheinander, was man in Europa von Afrika zu wissen meint.

Étienne Minoungou: „Spuren – vier Monologe“, 17.06.2021, 20:00 Uhr bis  23:15 Uhr, Schauspielhaus, Kleines Haus