Entscheidung zum Amtsverzicht soll bereits vor Monaten gereift sein Aachener Generalvikar Frick tritt zurück

Aachen · Der Generalvikar des Bistums Aachen, Andreas Frick, hat seinen Amtsverzicht angeboten. Zuletzt hatte es Kritik am Kommunikationsverhaltung der Bistumsleitung am Aufarbeitungsprozess gegeben.

Andreas Frick (Bildmitte) gibt sein Amt als Generalvikar ab. Bischof Helmut Dieser (rechts) nahm die Bitte an. Links der bisherig stellvertretende Generalvikar, Pfarrer Thorsten Aymanns.

Andreas Frick (Bildmitte) gibt sein Amt als Generalvikar ab. Bischof Helmut Dieser (rechts) nahm die Bitte an. Links der bisherig stellvertretende Generalvikar, Pfarrer Thorsten Aymanns.

Foto: Bistum Aachen/Andreas Steindl

Nach zuletzt heftiger Kritik der Unabhängigen Aufarbeitungskommission für sexualisierte Gewalt (UAK) am Kommunikationsverhalten der Aachener Bistumsleitung ist gestern Generalvikar Andreas Frick zurückgetreten. Die Entscheidung sei bereits in den vergangenen Monaten gereift, ließ der 59-Jährige verlauten. So dementierte das Bistum, dass der Amtsverzicht in einem Zusammenhang mit der Kritk der Aufarbeitungskommission steht. Frick wolle sich noch einmal neuen Aufgaben stellen. Bischof Helmut Dieser nahm den Amtsverzicht an, würdigte aber auch Fricks Engagement „in der konsequenten Aufarbeitung sexualisierter Gewalt“ sowie seine Arbeit am Projekt „einer ersten proaktiven Täternennung“. Als erstes deutsches Bistum hatte Aachen Mitte Oktober die Namen von 53 Tätern und mutmaßlichen Tätern sexualisierter Gewalt gegen Minderjährige und Schutzbefohlene publik gemacht. Nach der Veröffentlichung des Missbrauchsgutachtens durch die Münchner Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl war das Bistum Aachen damit einen bislang einzigartigen Schritt auf dem Weg der Aufarbeitung gegangen. Dazu hatte Frick erklärt, dass manche Namensnennungen vermutlich eine breite Resonanz hervorrufen werden. „Viele werden erschüttert sein, nicht wenige vermutlich die Vorwürfe erst einmal nicht wahrhaben wollen“, so Frick damals: „Auch wir stehen immer wieder fassungslos davor, was in unseren Reihen passiert ist.“ Seit der Wiedererrichtung des Bistums 1930 konnten bislang 126 Täter und mutmaßliche Täter ermittelt werden. Das ist nahezu jeder zehnte Priester, der in diesem Zeitraum im Bistum tätig war.

Dessen ungeachtet hatte die vor einem Jahr gegründete UAK die Leitung der Diözese scharf kritisiert. So hieß es in ihrem auf der Homepage des Bistums veröffentlichten Zwischenbericht, dass die Infrastruktur für die Aufarbeitung unzureichend und die Kommunikation defizitär sei; zudem würde mitunter eine Kooperation verweigert werden. Dagegen sprach das Bistum von Anlaufschwierigkeiten und anfänglichen Hürden, die inzwischen aber überwunden seien. „Durch eine geordnete Regelkommunikation sollen Themen künftig schneller identifiziert und in Absprache gemeinsam bearbeitet werden.“ Zudem könne die Kommission jederzeit Einsicht in die Akten nehmen, hieß es. Und: Eine im November erlassene Ordnung biete dafür einen verlässlichen rechtlichen Rahmen. Auch der UAK-Vorsitzende, der Aachener Soziologie-Professor Thomas Kron, hatte gegenüber KNA erklärt, dass inzwischen an der Kommunikation mit Bischof und Generalvikar „nichts zu meckern“ sei. Nach seinen Worten müsse nun die Chance gegeben werden, weitere Verbesserungen umzusetzen. „Wir wollen auf Kooperation setzen“, so Kron.

Frick war neun Jahre im Amt des Generalvikars. Seine Amtszeit endet am 12. Januar, kommissarisch wird dann sein Stellvertreter, Pfarrer Thorsten Aymanns, die Amtsgeschäfte übernehmen. Bischof Helmut Dieser leitet seit sieben Jahren das Bistum Aachen und wurde vor mehr als einem Jahr Missbrauchsbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz.

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