Dendemann-Konzert in Münster: Der Testsieger rappt wieder

Dendemann-Konzert in Münster: Der Testsieger rappt wieder

Da steht also dieser Typ neben einem, Mitte 40, wenige Haare, und verzieht keine Miene. Er nickt nicht mit dem Kopf, er wedelt nicht mit dem Arm in der Luft, er verzieht nicht einmal launisch den Mundwinkel.

Als dann alles vorbei ist, das Licht angeht und Dendemann nach gut zwei Stunden sein Konzert im Münsteraner Skaters Palace leider endgültig beendet, da dreht sich dieser Typ zu seinem Begleiter um, und stellt nüchtern fest: „Dendemann ist der beste Rapper Deutschlands.“ Wie wahr.

Nach neun Jahren Pause, in denen der heute 44-jährige Dendemann unter anderem ein paar unselige Stunden in der Sendung von Jan Böhmermann verbracht hat, ist er mit seinem neuen Album auf Tour. Er zeigt sich auf seiner Platte politischer, klüger und wortgewandter als alle anderen deutschen Rapper. „Da nich für!“ ist Dendemanns Meisterwerk.

Er zeigt mit seinem, nun ja, Comeback überhaupt erst, was in den vergangenen Jahren gefehlt hat. Es sind Stumpfsinnige in diesem herrlichen Genre emporgekrochen, Leute, die sich für Straftaten feiern, für ihren Drogenkonsum, für ihre Frauenverachtung, für ihre rohe Gewalt. Dendemann hingegen ist ein großer Künstler, einer, der etwas zu sagen hat.

In „Zeitumstellung“ etwa erklärt Dendemann, es sei Zeit, Stellung zu beziehen. Gegen Faschismus, Populismus und alle anderen rechten Unerträglichkeiten der Gegenwart. Er erklärt in „Keine Parolen“ bitter den Opportunismus der Ichlinge: „Ja, unser Rückgrat ist stufenlos verstellbar, Haare in der Suppe, wir rufen bloß den Kellner.“ Oder: „Großes vor, aber nüscht dahinter, doch wir zahlen Steuern und haben hübsche Kinder; wir fühlen uns mit uns eigentlich ganz wohl, wir wollen keine Statements, keine Parolen.“ Es ist das Lied zur Stunde.

Klar, man könnte das wohlfeil nennen. Dendemann steht auf der richtigen Seite der Geschichte, er empfindet anders als der Zeitgeist kein Mitleid mit Rassisten, aber genau das ist es, was man ihm anrechnen darf. Er ist noch nicht zum Zyniker geworden. Dendemann ist ein Sprachakrobat, seine Worte wählt er pedantisch. Auf der Bühne wirkt er fast schüchtern, zurückhaltend. Er macht kein großes Aufsehen um sich, er braucht kein Getue. Während sich die sogenannte Konkurrenz selbst auf Schilder heben muss, um groß zu wirken, wirkt Dendemann groß, weil seine Kunst groß ist.

Als vor zwei Jahren die Gruppe Beginner ein neues Album vorgelegt hatte, mit der – ähnlich wie im Fall Dendemann – schon keiner mehr ernstlich gerechnet hatte, fand sich auf der Platte die Zeile: „Der Testsieger rappt wieder.“ Wie falsch dieser Satz ist, sollte sich erst jetzt herausstellen, als der beste Rapper Deutschlands, Dendemann, als Daniel Ebel in Wickede geboren, sein Album veröffentlichte. Da nich für.

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