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Deep Purple veröffentlicht ihr erstes reines Cover-Album

Erstes Cover-Album der britischen Rocklegende : Kriminell: Deep Purple klaut Songs

Die 1968 gegründete Rockband hat ihr erstes Album nur mit Coversongs veröffentlicht. Es entstand im Corona-Jahr, in dem die Musiker allein in ihren Studios daheim spielten. „Turning to Crime“ ist ein Tribut an ihre Helden der Popmusik.

Ein erstes Wiedersehen in Oberhausen. Warum ausgerechnet Oberhausen, weiß auch die Managerin nicht so genau. „Die Jungs lieben einfach das Hotel.“ Die Jungs sind – wie sagt man?: „Urgesteine“ der Rockmusik. 18 Monate waren die „Jungs“ von Deep Purple pandemiebedingt nicht mehr vereint, waren über ein paar tausend Kilometer voneinander entfernt. Sänger Ian Gillan (76) lebt in Portugal, Bassist Roger Glover (76) in der Schweiz, Ian Paice (73) und Don Airey (73) in England und Leadgitarrist Steven Morse, der mit 67 Jahren der Youngster der Band ist, in Miami. Oberhausen liegt dann irgendwo in der gefühlten Mitte.

Das Wiedersehen war wie das Erwachen aus einem Alptraum. „Jeder konnte noch stehen“, sagt uns Don Airey. Und dann hätten sie sich all die verrückten Sachen erzählt, die sie in den vergangenen Monaten so angestellt haben. Dazu gehört eben auch, dass Deep Purple aus den fünf weltweit verstreuten Homeoffices heraus gemeinsam ein neues Album aufgenommen haben. Was sollten sie auch anderes tun? „Wir sind da, um Musik zu machen; dazu sind wir auf dieser Erde“, sagt uns Ian Paice, das letzte Gründungsmitglied der legendären Band, die es seit 1968 gibt.

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Aber eins wussten sie auch: Eigene Lieder zu produzieren, ist unmöglich. Deep Purple hat nie den einen großen Songschreiber gehabt. Vieles wird in Jam Sessions geboren, denen der geniale Produzent Bob Ezrin als Dirigent ein bisschen vorsteht. Der hatte auch die Idee zum neuen Album, dass er ein „interims project“ nennt. Wie wäre es also, wenn Deep Purple ausschließlich Coverversionen von Liedern spielte, die ihnen etwas bedeuten? So etwas hat es in der Bandgeschichte noch nie gegeben, sieht man einmal von den Anfängen ab, als die Musiker selbst noch mit Pilzköpfen „Help“ von den Beatles spielten, „Hey Joe“ von Jimi Hendrix oder auch „River Deep, Mountain high“ von Ike und Tina Turner. Damals mangelte es noch an eigenem Material, 50 Jahre später an den Möglichkeiten, gemeinsam zu spielen.

Quasi aus Not haben sie jetzt das Verbrechen begangen, Lieder von anderen zu mopsen und neu zu spielen. Der Diebstahl hat sich auch im Titel des Albums brutal niedergeschlagen: „Turning to Crime“.

Auf ihrem Raubzug durch die Musikgeschichte haben sie ihr Herz vor allem an ziemlich alten Sachen verloren, da unter der sogenannten neuen Musik (und da reden wir von den vergangenen 20 Jahren) nichts Passendes dabei gewesen sei. Nein, nein, nun wolle man sich als alter Rockmusiker nicht über neue Musik mokieren, so Glover, aber: „Sie ist scheiße.“

Keineswegs „scheiße“ war dagegen offenbar Bob Dylan mit „Watching the River Flow“, oder Ray Charles mit „Let the Good Times Roll“, „Dixie Chicken“ von Little Feat oder Creams „White Room“. Und wer von Fleetwood Macs „Oh Well“ in Purples druckvollem, bombastischem Hard-Rock-Sound an die Wand gespült wird, begreift etwas vom Glück, Rootsmusik zu spielen und nur Spaß daran zu haben. Dazu gehört auch, dass mitten in „Rockin‘ Pneumonia and the Boogie Woogie Flu“ kurz das Riff von „Smoke on the Water“ auftaucht, was ein bisschen albern ist, vielleicht aber der Homeoffice-Isolation geschuldet ist.

In den stillen Kämmerleins hat Ian Paice stets den Anfang gemacht, der daheim ein eigenes Schlagzeugstudio besitzt und die Beats hinterlegte. Dazu spielte Glover später den Bass, die Keyboards kamen hinzu und schließlich die E-Gitarre. Am Ende wurde alles zusammengepackt und dem noch immer klaren, voluminösen Gesang Ian Gillans überlassen.

Die Songs sind keine reinen Kopien. Die will niemand hören. Deep Purple hat aber auch kein wildes Zeug aus den alten Liedern gezaubert. Jeder Song ist eine Art Tribut an ihre Helden früherer Zeiten. Das sind die, deren Lieder man laut aufdreht, wenn man sie plötzlich im Autoradio hört, sagt Ian Paice. Und jetzt alles gecovert, alles geklaut. Doch mit ihren Versionen geben sie die Songs auch wieder zurück, halten sie lebendig. Deep Purple sollte für den Raubzug unbedingt mildernde Umstände bekommen.