Das Ruhrgebiet feiert mit einem üppigen Programm den zehnten Jahrestag der Kulturhauptstadt

Kulturhauptstadt Ruhr : Der Pott blickt zurück und nach vorn

Das Ruhrgebiet feiert rund um Zeche Zollverein mit einem üppigen Programm den zehnten Jahrestag der Kulturhauptstadt

Im Ruhrgebiet ist dieses Jahr „Zehn nach Zehn“: Zehn Jahre ist es jetzt her, dass 52 Städte der Region sich hinter der Stadt Essen als Zugpferd versammelten und gemeinsam den Kraftakt stemmten, ein Jahr lang Kulturhauptstadt Europas zu sein.

Jeder, der damals auch nur entfernt mit der Ruhr.2010 zu tun hatte, führte garantiert ein Wort im Mund: „Nachhaltigkeit“. Denn man wollte mit dem Millionenbudget nicht bloß ein gewaltiges Feuerwerk abbrennen, sondern Projekte, Infrastruktur-Maßnahmen und Netzwerke anstoßen, die Bestand haben. Deshalb kann das große Jubiläumsprogramm, das am 10. Januar auf der Zeche Zollverein in Essen startet, auch nur einen kleinen Ausschnitt dessen berücksichtigen, was in der Region seitdem passiert ist.

Die Feierlichkeiten starten am Freitag, 10. Januar. Ab 17 Uhr werden dann die Gebäude rund um das Forum der Zeche Zollverein mit der Licht- und Klanginszenierung „Alle Bilder sind noch da“ des Künstlers Wolfram Lenssen bespielt, der mit Architekturprojektionen und Videomappings an die großen Leuchtturm-Projekte des Jahres 2010 erinnert: Zum Beispiel die riesigen gelben Luftballons, die als „Schachtzeichen“, über den Orten schwebten, wo sich früher Schachtanlagen befanden. Um 20 Uhr wird am Freitagabend der ehemalige Bundespräsident Horst Köhler erwartet, der ziemlich genau zehn Jahre vorher bei Eis und Schnee auf Zollverein das Kulturhauptstadtjahr eröffnete. Den Hut, den er damals wegen der schlechten Witterung trug, wird er dem Ruhrmuseum als neuestes Exponat vermachen.

Das Ruhrmuseum kann exemplarisch stehen für die Institutionen, die 2010 auf den Weg gebracht wurden. Es ging damals hervor aus dem Ruhrlandmuseum und funktioniert jetzt als kulturelles Gedächtnis des Ruhrgebiets in spektakulären Räumen. Seine Dauer- und tollen Sonderausstellungen wie „Das Zeitalter der Kohle“, die 2018 gemeinsam mit dem Deutschen Bergbau-Museum Bochum realisiert wurde, ziehen so viele Menschen an, dass am Samstag, 11. Januar, beim Museumsfest der 2,5-millionste Besucher erwartet wird. Zum Fest gehören Theater- und Musikaufführungen – unter anderem auf der riesigen Rolltreppe. Zum Familiensonntag am 12. Januar wird die Maus aus dem WDR Fernsehen erwartet. 2010 wurde der Grundstein gelegt für den Verbund der Ruhrkunstmuseen und der Ruhrkunstbühnen. Bis heute kommen weitere Institutionen zu diesen Verbünden hinzu; ein Denken über Stadtgrenzen hinweg findet jetzt zumindest auch statt. Projekte wie die Straßen-Artistik-Show Urbanatix in der Jahrhunderthalle Bochum oder der Day of Song mit großen Mitsing-Konzerten leben bis heute fort. Bis zum 25. Januar findet auf der Zeche Zollverein unter dem Titel „Salon 2030 – Blick zurück und nach vorn“ Diskussionen über solche Nachwirkungen statt.

Die Zeche selbst ist bis heute großer touristischer Anziehungspunkt. Nach 2,5 Millionen Besuchern aus aller Welt im Jahr 2010 hat sich die Zahl danach auf rund 1,5 Millionen pro Jahr eingependelt – die dann natürlich auch andere Teile des Ruhrgebiets besuchen. Allein auf Zollverein wird sich im Jubiläumsjahr eine Menge tun: Das Besucherzentrum wird von der Kohlenwäsche am Rand auf das zentrale Forum verlegt – und im Herbst eröffnet eine neue Halle für Kunstausstellungen auf Schacht 12.