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Wiesbaden: Das neue, alte Köchelverzeichnis

Wiesbaden : Das neue, alte Köchelverzeichnis

Vor 18 Jahren wurde in Wiesbaden ein Brief ins ferne New York zur Post gebracht. Er enthielt den ausführlichen Vertrag des Verlags Breitkopf & Härtel über ein sensationelles Projekt: Der Musikwissenschaftler Neal Zaslaw von der Cornell University sollte das Köchelverzeichnis neu ordnen, das berühmte Register aller Werke Mozarts. Das Ergebnis sollte im vergangenen Jahr vorliegen, aber Zaslaw wurde nicht fertig, wie man ja mit Mozart nie fertig werden kann.

Vor 18 Jahren wurde in Wiesbaden ein Brief ins ferne New York zur Post gebracht. Er enthielt den ausführlichen Vertrag des Verlags Breitkopf & Härtel über ein sensationelles Projekt: Der Musikwissenschaftler Neal Zaslaw von der Cornell University sollte das Köchelverzeichnis neu ordnen, das berühmte Register aller Werke Mozarts. Das Ergebnis sollte im vergangenen Jahr vorliegen, aber Zaslaw wurde nicht fertig, wie man ja mit Mozart nie fertig werden kann.

Da Ludwig Alois Ferdinand Ritter von Köchel sein Verzeichnis im Jahr 1862 vorlegte, könnte man im kommenden Jubiläum feiern: 150 Jahre Köchelverzeichnis. Doch auch aus diesem Termin wird nichts. Nun trifft immerhin die Botschaft aus Wiesbaden ein, man könne im Jahr 2013 mit der Buchausgabe rechnen. Zaslaw hat, das steht fest, sein Werk abgeschlossen und die Ergebnisse der Mozart-Forschung gesammelt, ausgewertet und eingearbeitet. Zeit braucht es nun logischerweise bei Breitkopf & Härtel, bis diese Leistung als Buch ediert werden kann. Die Neuausgabe erfolgt jedenfalls in einer Form, die Tradition und Gegenwart vereint: Die Druckausgabe erscheint in deutscher Sprache, eine umfassende Online-Version wird in Englisch auf der Homepage der "Digital Mozart Edition" in jeweils aktualisierter Form abrufbar sein.

Sonnige Gemüter werden vielleicht fragen, wozu Zaslaw denn überhaupt das Köchelverzeichnis überarbeiten musste. Nun, wie jedes Register war es bereits im Moment des damaligen Erscheinens überholt, inaktuell; die letzte revidierte Fassung entstand im Jahr 1964 – und seit die Musikologie immer neue Werke fand und alte immer wieder neu datierte, stand Köchels Nummerierung als Nachweis kompositorischer Chronologie auf sehr wackligen Beinen. So kam es irgendwann zu einer Doppelnummerierung, mit der indes keiner glücklich wurde. Die Klaviersonate A-Dur mit dem berühmten "Alla Turca" hat offiziell die Nummer KV 300i. In der Praxis blieb sie aber die Klaviersonate KV 331, was in Programmheften häufig in Klammern vermerkt wird. Zaslaw will die ursprünglichen Nummern Köchels wieder ins Recht setzen.

Diese Botschaft rührt unser Herz. Bei Mozart wird uns so oft schwindlig, da wollen wir wenigstens bei seinen Nummern sicheren Boden unter den Füßen haben.

(RP)