"Das Licht zwischen den Meeren" mit Michael Fassbender: Liebesdrama des Leuchtturmwärters

Das Liebesdrama des Leuchtturmwärters

In dem tragischen Film "Das Licht zwischen den Meeren" spielen Alicia Vikander und Michael Fassbender ein Ehepaar.

Die Chancen, dass das eine Schnulze wird, standen hoch bei diesem Film. Schon die Geschichte liest sich, als hätten Nicholas Sparks und Lasse Hallström eine Nacht lang zusammen geweint: Die von Tod und Schicksal umflorte Liebe eines einsamen Leuchtturmwärters zu seiner Frau, deren Sehnsucht nach einem Baby zur Grundlage eines furchtbaren Verbrechens wird. Die Romanvorlage, das 2012 unter dem deutschen Titel "Das Licht zwischen den Meeren" erschienene Debüt der Australierin M. L. Stedham, kann man ohne Gewissensbisse einen Tränenzieher nennen. Dann in den Filmrollen Michael Fassbender und Alicia Vikander, die - enorm werbewirksam - bei den Dreharbeiten auch privat ein Paar wurden. Schließlich die Musik von Oscarpreisträger Alexandre Desplat, dem französischen Meister des tosenden Soundtracks.

Nur der Name des Regisseurs und Drehbuchautors passte nicht ins Bild. Derek Cianfrance, diffiziler Independentkünstler, der in seinen Menschenstudien "Blue Valentine" und "The Place Beyond The Pines" kaputte Paare oder Familien nahm und deren Beziehungen so gründlich obduzierte, dass man sich vorkam wie in der Pathologie. Als "The Light Between Oceans" dann im Sommer 2016 bei den Filmfestspielen von Venedig Premiere hatte, waren Kritik und Publikum erleichtert. Obwohl Cianfrance zum ersten Mal klar Mainstream abliefert, hat er aus dem Schmalzroman keine Seifenoper gemacht.

Im Gegenteil lässt er große, spröde Naturpanoramen von Beginn an von Einsamkeit, Angst und Verlust erzählen. Aus dem Ersten Weltkrieg heimgekehrt, bewirbt sich ein stiller Mann namens Tom (Michael Fassbender) an der westaustralischen Küste um eine offene Stelle als Leuchtturmwärter auf einer Felseninsel. Sein Vorgänger habe den Verstand verloren und sich von den Klippen gestürzt, warnt man ihn. Tom stört das nicht, er will weit weg von den Menschen, die sich schlimme Dinge antun.

Bei einem seiner raren Besuche auf dem Festland aber begegnet Tom der jungen Isabel (Alicia Vikander), die es schafft, eine Verbindung zu Tom herzustellen. Er heiratet sie und nimmt sie mit auf die Insel, wo die beiden eine Zeit lang sehr glücklich leben. Doch als Isabel in kurzer Folge zwei Fehlgeburten durchmacht, bringt ihre Trauer sie fast um. So dass Tom, als in der Brandung ein Boot mit einem toten Mann und einem lebenden Baby darin schaukelt, einen schrecklichen Fehler macht. Er lässt sich von Isabel überreden, die Behörden nicht zu informieren. Er verscharrt die Leiche heimlich auf der Insel, und Isabel bekommt das Kind.

Das alles setzt Cianfrance klar und schmucklos in Szene, vor schroffer Natur, mit kargen Dialogen und viel stummer Zwiesprache, so dass gelegentliche malerische Sonnenaufgänge und Desplats ständig anbrandende Musik dem Purismus der Bilder nicht viel anhaben können. Als den eigenen Gefühlsgezeiten unterworfene Frau zeigt Vikander, dass der Oscar für "The Danish Girl" kein Zufall war. Aber es ist Fassbenders Tom, dem man sich als Zuschauer anvertrauen mag. Diesem schweigsamen, traumatisierten Mann, der für seine Frau alles aufgeben könnte, nur nicht die Wahrheit. Die Tragik der Geschichte liegt darin, dass nicht eine der Figuren böse zu nennen wäre und sich doch jede irgendwann schuldig macht, auf die eine oder andere Art.

Jahre später, auf einem Friedhof, sieht Tom eine trauernde Fremde namens Hannah (eindrucksvoll wie immer: Rachel Weisz) vor einem liebevoll gepflegten Grabstein. Er braucht nicht lange, um herauszufinden, dass ihr Mann und ihr Baby in jenem Sturm auf See verschwanden, nach dem er das Boot fand.

Wie sich herausstellt, kann Isabel trotzdem weiter mit ihrem Geheimnis leben, Tom aber nicht. Je weiter das Drama danach fortschreitet, desto stimmiger verwebt es die großen Bilder mit den kleinlichen Regungen der Menschen darin. So dass am Ende, wenn es um Vergebung oder Vergeltung geht, die Tränen reichlich fließen, auf dem Bildschirm und auch davor. Cianfrances differenzierte Empathie bringt einen dazu, mit Tom, Isabel und Hannah gleichermaßen zu fühlen. Dass man dafür auch den Verstand ausschaltet, verlangt der Film gottseidank nicht.

(RP)
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