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Düsseldorf: Das Leben im Zeichen des Krokodils

Düsseldorf : Das Leben im Zeichen des Krokodils

Uraufführung in Düsseldorf bringt die scheinbare Lacoste-Welt auf die Bühne.

Ein Shirt von Lacoste war mit entsprechendem Signet der Stoff, aus dem die schicken Träume einer schicken Generation gefertigt zu sein schienen. Und den man darum auch für eine entsprechend giftige Zeitgeistdiagnose getrost aufribbeln konnte. Die Essener Dramatikerin Anne Lepper hat daraus ein Theaterstück gestrickt, das sie ein bisschen vornehm "La Chemise Lacoste" nennt und das jetzt in Düsseldorf seine Uraufführung erleben durfte.

Ein komischer Abend ist das im Kleinen Haus, in dem man natürlich mit vertrauten Vorurteilen über das Krokodil-Shirt seinen Platz einnimmt. Komisch aber auch deswegen, weil solche Klischees von Beginn an auf der Bühne bestätigt werden. Denn dieses Stück stellt keine Fragen, rafft sich zu keiner Verunsicherung oder Nachdenklichkeit auf, sondern behauptet, alles schon zu wissen. Also wie hohl die Welt der Jungen, der Reichen und der Hübschen ist, die mit den nicht mehr allzu originellen Etiketten der Lacoste-Gewandung und der Tennis-Welt signiert werden. Eine gefühllose Erfolgswelt ist das, in der sich ein überhaupt nicht so hübsch anzusehender Unterklässler (clownesk und tapsig gespielt von Edgar Eckert) um den gesellschaftlichen Aufstieg bemüht - ohne Rücksicht auf familiäre Verluste und bis zur eigenen Unkenntlichkeit. Mal auf dem Court im schmuddeligen Tennisdress, das so gelb wie der Spielball ist; mal im Anzug, mal als Frau. Das zynische Potenzial dieser bloß tragisch gemeinten Figur wird dann mit dem Namen Felix - der Glückliche - ausgereizt.

Ein Abend voller Schnipsel, die ebenso gut fast alles wie auch nichts bedeuten können. Viele Steffi Grafs tauchen als Chor auf, Tobi (Florian Jahr) und Philipp (Bettina Kerl) spielen entmenschlichte Tennis-Roboter, die vor einem hochgestellten Rasenplatz auch noch eine Ballmaschine bedienen und sich zum entsprechenden Kraftwerk-Song wie Roboter bewegen. Doch hohle Figuren werden auf der Bühne nicht dadurch spannender, dass sie ausschließlich hohl dargestellt werden.

Auch vor den Augen des künftigen Düsseldorfer Intendanten Wilfried Schulz implodiert das Stück unter der Regie von Alia Luque vor lauter Phrasen und Zitaten. René Lacoste, der besessene und einst so erfolgreiche Tennisspieler, hat das Kunststück vollbracht, das Krokodil zur Marke seiner Textilien und die Marke schließlich als Auszeichnung seiner Shirt-Träger zu erheben. Dem Theater fällt dazu nur die Kritik in Klischees ein; sein Widerstand kommt über ein diffuses Unwohlsein nie hinaus.

Enden wollender Applaus zum Schluss einer Uraufführung, der man - Obacht: Kalauer - keine Krokodilsträne nachweinen muss.

Info Termine: 20. Febr., 7. und 11. März, jeweils 19.30 Uhr; Karten: 0211-8523730

(RP)