„Playground“ rund um Schauspielhaus Eine Schwalbe macht noch keinen Elfmeter

Düsseldorf · Das Junge Schauspiel lädt zum Beginn der Fußball-Europameisterschaft noch zu einigen Vorstellungen seines interaktiven Programms „Playground“.

 Wer trifft am besten? Szene aus „Playground" vom Jungen Schauspiel.

Wer trifft am besten? Szene aus „Playground" vom Jungen Schauspiel.

Foto: Dhaus/Lev Gonopolskiy

Fußball trifft Theater – in Düsseldorf klappt das ganz ausgezeichnet. Neben dem Fan-Spektakel „Glaube, Liebe Fußball“ im Public-Viewing-Bereich vor dem Theater hat man sich für Schulklassen und Familien den spielerischen Parcours „Playground“ ausgedacht. 18 Stationen, an denen sich Kinder und Jugendliche mit Spaß, Bewegung, Kreativität und Fantasie austoben können.

Konzipiert für draußen und verteilt auf das Gelände um Schauspielhaus, Hofgarten und Theatermuseum, zeigt man sich bei Regen flexibel und kann den bunten Jahrmarkt mit geringfügig abgespecktem Programm kurzerhand ins Foyer verlegen. So war es gleich beim Auftakt, was dem Erfolg nichts anhaben konnte. Denn auch drinnen gibt es reichlich Platz für die Aktivitäten. Jetzt gibt es noch einige Aufführungen zum Beginn der Fußball-Europameisterschaft.

Stefan Fischer-Fels, Leiter des Jungen Schauspiels, fegt bei jeder Aufführung als Zeremonienmeister von Station zu Station. „Ich bin der Trainer mit der Trillerpfeife“ verkündet er glücklich. „Es war immer mein Traum, meine Fußball-Leidenschaft und das Theater zusammenzuführen, jetzt hat es endlich funktioniert.“ Und wenn es ihm in den Füßen juckt, mischt er sich schon mal freudig unter die Klasse, die gerade mit selbsthaftenden Bällen auf die riesige Dartwand schießt. Natürlich wird er angefeuert und jubelt über die erreichte Punktzahl.

Nach jeweils 20 Minuten endet eine Einheit, dann wandern die Teilnehmer weiter. Niemand kommt sich ins Gehege, alles greift bei gut geplanter Organisation problemlos ineinander. Und alle schwärmen von dem vielfarbigen Kaleidoskop.

„Lauf, lauf, lauf im Sonnenschein“ ertönt es vom Eingang her. Sängerin Dana übt ein schmissiges Lied mit einem kleinen Chor ein, der hörbar begeistert bei der Sache ist. Weiter hinten Richtung Hofgarten wird mit einem professionellen Hip-Hop-Tänzer aus dem Tanzhaus NRW so lange gerappt, bis die coolsten Moves im Fußball-Stil geschmeidig fließen. In einer Ecke hängen farbenfrohe Kostüme aus dem Schauspielhaus-Fundus über einem Garderobenständer. „Jubelposen mit Verkleiden“ nennt sich die Station, zur Erinnerung werden Polaroidfotos gemacht.

Beim „Schwalbentheater“ zeigt Theaterpädagoge Thiemo Hackel den Jugendlichen, wie man sich geschickt fallen lässt: „Immer über die Seite, geht über den Oberschenkel auf den Boden, stützt euch mit dem Arm ab und macht die Übungen ganz langsam“, rät er. Man weiß ja, dass die Fußball-Profis solche Tricks im Schlaf beherrschen, nun setzt die Gruppe hohen Ehrgeiz ein, es ihnen gleichzutun und das Manöver mit einer Rolle rückwärts noch zu steigern. „Vorsicht!“ mahnt die Lehrerin. Eine unbegründete Sorge. Danach sind sich alle einig „Das war bisher das Beste!“

Staunend stürzen sich die Schüler und Schülerinnen auf den XXL-Kicker. „Oh Gott, wie geil!“ bricht es aus einem Jungen heraus. Und schon setzt der Wettstreit ein, wer die meisten Bälle ins Tor bringt. Auch diese Herausforderung kommt prima an. Ruhiger geht es auf dem oberen Foyer zu. Hier wird deutlich, dass die Veranstalter nicht nur den Spaß allein im Auge hatten. An einer dieser Stationen werden den Kindern die Grundbegriffe der Gebärdensprache vermittelt, sie lernen, wie die wichtigsten Fußball-Schlagwörter in Gesten übersetzt werden und welche Bedeutung eine unterschiedliche Haltung der Hand haben kann.

Tafeln informieren über das deutsche Fingeralphabet und die Blindenschrift Braille. Schön, wie konzentriert alle bei der Sache sind und wie stolz sie mit ihren ersten Gebärden in einen Dialog treten. „Ich finde die Idee zu diesem Programm großartig“, lobt Caroline Gerhardt, Lehrerin an der Gutenbergschule Grafenberg. „Ganz toll ist auch die Motivation aller, die sich so vorbildlich engagieren.“

Ernst wird es bei „Rote Karte für ein komisches Gefühl“. Im Fokus steht das Kinderschutz-Projekt „Kids Care“. Es ging hervor aus einem von Fortuna Düsseldorf in Kooperation mit dem Kinderschutzbund entwickeltes ganzheitliches Präventionskonzept gegen sexualisierte Gewalt. Behutsam und spielerisch werden die Kleinen darin bestärkt, Warnsignale zu erkennen.

Sechs jeweils zweistündige „Playground“-Parcours stehen im Verlauf der Fußball-Europameisterschaft noch an. So homogen die Abläufe im Haus auch waren, für den Rest hofft man auf gutes Wetter, damit im Freien die gesamte Vielfalt der Angebote genutzt werden kann. Wer hätte nicht Lust auf Verheißungen wie „Siebenmeterschießen verrückt“, „Fangesänge“, „Gestalte dein eigenes Fußball-Trikot“, „Schwungtuch mit Weltkugel“, „Eimerpyramide abschießen“ oder gar „Fußball-Training mit Fortuna Düsseldorf“?