Der Herr der Bestseller: Das Geheimnis des Tommy Jaud

Der Herr der Bestseller: Das Geheimnis des Tommy Jaud

Witzig über Alltägliches zu schreiben, ist Tommy Jauds Spezialität. Das kommt gut an: Seine Fans lieben ihn dafür, dass sie mit seinen Comedy-Romanen allen möglichen Kram einfach weglachen können.

Wenn man es schon vom "Vollidiot" zum "Millionär" geschafft hat, sollte man sein Vermögen lieber nicht ausgerechnet einem griechischen Finanzberater anvertrauen — meint jedenfalls Tommy Jaud deutlich hörbar zwischen den Zeilen seines neuen Romans. Simon Peters sieht das ganz anders.

Das Finanzamt droht

Er hält sich für besonders schlau und legt sein Geld gerade bei Sarantakos an, weil der ihm traumhafte Renditen versprochen hat. Damit ist Simon, natürlich, so richtig auf die Nase gefallen: Während sein Berater weiterhin im Porsche vorfährt, ist sein Geld futsch, der Kontostand in größerem Umfang in den Miesen, und das Finanzamt droht auch noch mit fünfstelliger Nachzahlung.

So traurig das für Simon ist, so witzig gestaltet Tommy Jaud im dritten und wahrscheinlich letzten Roman um seinen Helden dessen Pleite. Und seine Bemühungen, zum "Überman" zu werden und mit genialen Ideen — oder mit dem, was er dafür außerirdisch hält — wieder zu Geld zu kommen: Erst setzt er seinen Anwalt darauf an, Jamie Oliver zu verklagen, weil man dessen 30-Minuten-Menüs nicht in 30 Minuten kochen kann, jedenfalls Simon nicht. Dann denkt er sich weitere bahnbrechende Geschichten aus wie Schütteljupp: eine "Smartphone-App, mit der man zählen kann, wie viele Kölsch man getrunken hat, indem man sein Smartphone schüttelt (damit einen der Köbes nicht betuppt oder an Karneval)."

Er fing an als Gagschreiber

Als Gagschreiber für Harald Schmidt und Anke Engelke ist Tommy Jaud nach Köln gezogen, inzwischen bringt er ganze Geschichten zu Papier. Aber auch wenn er Comedy-Romane schreibt — ein Comedian ist der 42-Jährige nicht, sondern ein eher stiller, zurückhaltender Typ, auch auf der Bühne. Wenn er mit seinen Büchern auf Lesereise geht, tut er das, was eigentlich gar nicht geht: Er setzt sich hin und liest einfach vor. Und doch füllt er große Säle und begeistert seine Zuhörer. Auch deshalb, weil er gut liest, mit unterschiedlichen Stimmen und Akzenten für seine Figuren.

Vor allem aber kommt er an wegen seiner witzigen, albernen, gern mit Empörung aufgeladenen Geschichten über Alltägliches. In ihnen können viele von dem, was sie selbst irritiert oder auch nervt, wiederfinden und es weglachen. Oder sie haben einfach nur Spaß mit den leicht und locker daherkommenden, oft belanglosen Geschichten.

Einer der Running Gags, die sich durch "Überman" ziehen, ist das Wut-Seminar, zu dem Simon Peters von seiner Freundin verdonnert wurde. Nichts Schlimmes, aber der Mann fühlt sich unsinnig gezähmt und zudem mit einer Art von Coaching-Kram konfrontiert, den er idiotisch findet. Gut kommt auch an, wie Tommy Jaud den frisch ausgebrochenen Familienwahn eines Paares beschreibt, das in heller Aufregung um den "Wurm" im Babybett ist. Simon Peters reagiert auf die überzeichnete Postkartenidylle in der Neubausiedlung auf seine Weise: Abwechselnd mit Zickenkrieg und trotzigem Schweigen, und dann fährt er mit dem Auto ein Bobby Car platt, das nicht ordentlich aus dem Weg geräumt war.

Ganz nah am Wahnsinn

Selbst wenn man das erst einmal eigentlich gar nicht so witzig findet — Tommy Jaud bringt seine Leser und Zuhörer mit seinem mental immer wieder Amok laufenden Helden doch zum Lachen, zumindest zum Schmunzeln. Themen für seine Geschichten sammelt er im eigenen Alltag und erscheint dabei erst einmal überraschend humorfrei. Etwa wenn es um die neue Spülmaschine geht, für die er viel Geld ausgegeben hat, weil sie leiser sein sollte als die alte. Tatsächlich aber ist sie lauter, das hat der enttäuschte Hausmann nachgemessen und dann den Kundendienst kommen lassen.

Sollte er aber irgendwann einmal über diese Erlebnisse mit der Spülmaschine schreiben, wird es sicherlich eine witzige Geschichte werden. Und wenn doch nicht, wird ihn seine Freundin Nina Schmidt, ebenfalls Comedy-Autorin, in Schreibklausur schicken.

"Vollidiot"

Diese Art des Teamworks funktioniert seit 2004. Damals hat Tommy Jaud den ersten Roman um Simon Peters veröffentlicht: "Vollidiot". Es folgten "Resturlaub", die "Vollidiot"-Fortsetzung "Millionär" und dann "Hummeldumm", ein Roman, in dem Tommy Jaud eine nicht wirklich gelungene Gruppenreise nach Namibia verarbeitet. Seine Auslassungen über seltsame Mitreisende, jede Menge Pannen und allerlei Peinlichkeiten sowie der Auftritt eines Erdmännchens wurden in Deutschland zum erfolgreichsten Buch des Jahres 2010.

Aber auch die anderen Titel kommen gut an: Die Gesamtauflage des Wahl-Kölners liegt bei rund 5,5 Millionen Exemplaren. Große Literatur ist das freilich nicht, den Anspruch hat Tommy Jaud aber auch gar nicht. Er will nur Spaß machen, unterhalten und ein bisschen provozieren. Das gelingt ihm jetzt auch mit "Überman".

Hier geht es zur Bilderstrecke: Tommy Jaud und die Hummeldummen

(RP/csi/sap)