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Das Festival „Theater der Welt“ wird erstmals in Düsseldorf gezeigt

128 Veranstaltungen : Die Welt spielt am Rhein

Das Festival „Theater der Welt“ mit 400 Akteuren wird vom 14. bis 31. Mai erstmals in Düsseldorf ausgerichtet. Es gibt sogar einen „European Philosophical Song Contest“.

Das Festival „Theater der Welt“ wird alle drei Jahre in einer anderen Stadt ausgerichtet und jeweils künstlerisch neu positioniert. Zum ersten Mal in der 40-jährigen Geschichte ging der Zuschlag nach Düsseldorf. „Es verströmt den Enthusiasmus der Versöhnung und Vereinigung der Völker“, sagte Joachim Lux, Präsident des Internationalen Theaterinstituts (ITI) in Deutschland und hob das Festival als sein größtes kulturpolitisches Projekt hervor. Das Düsseldorfer Konzept verantworten Stefan Schmidtke und das Schauspielhaus. Intendant Wilfried Schulz: „Wir wollen ein großes, offenes, internationales Festival feiern.“

Die Eröffnung

Zum Auftakt am 14. Mai kommt Kanzlerin Angela Merkel nach Düsseldorf. In ihrem Gespräch mit der nigerianischen Autorin Chimamanda Ngozi Adichie, moderiert von Miriam Meckel und Léa Steinacker, geht es um Sichtweisen und Perspektiven zu Themen wie Migration und politische Vielfalt. Darauf folgt die Eröffnungs-Premiere „Leben und Zeit des Michael K.“ nach dem Roman des Literaturnobelpreisträgers J. M. Coetzee (in Englisch, Deutsch, Afrikaans und Xhosa übertitelt). Regie führt Lara Foot, künstlerische Leiterin des Baxter Theatre Center in Kapstadt.

Das Fest der Vielfalt

An 16 Tagen werden 34 künstlerische Produktionen gezeigt. Dazu gibt es 34 Publikums- und vier Podiumsgespräche und das „Weltfoyer“ mit 21 Veranstaltungen. Die 400 eingeladenen Akteure kommen aus 48 Ländern. Auf den Bühnen werden 17 Sprachen gesprochen, jeweils deutsch übertitelt oder live übersetzt. Etwa die Hälfte der Produktionen haben Künstlerinnen entwickelt. Der Gesamtetat des Festivals beträgt 4,4 Millionen Euro.

Drei Glanzlichter

„Mo Fei“ ist ein Stück über einen chinesischen Tagträumer, Schriftsteller und Trinker, nach einer Kurzgeschichte von Shi Tiesheng in Szene gesetzt vom polnischen Regisseur Krystian Lupa. „Malen“ ist poetisches chilenisches Tanztheater von Ricardo Curaqueo Coriche mit 17 Mapuche-Frauen, 12 bis 70 Jahre alt. „Isto é um Negro“ ist eine offenherzige Performance aus Brasilien um Schwarzsein und Identitätsverlust.

Lockruf vom Himmel

Spektakuläres deutet sich bei „Siren Songs“ an. Das australische Klangkunstwerk soll an 18 Tagen Passanten verzaubern und ins Theater locken. Über Düsseldorf kreist ein Hubschrauber und sendet Sirenengesänge aus. Hohe, feine Töne, ermöglicht durch technische Raffinessen aus der Tsunami-Warnung. Festivalleiter Schmidtke: „Es soll wie ein schönes Gerücht durch die Stadt wabern.“ Bei der Europa-Premiere von „Siren Songs“ wirken unter anderem der Frauenchor Erkrath, die Yorta-Yorta-Sopranistin Deborah Cheetham und die Inuk-Sängerin Tanya Tagaq mit.

Pop & Philosophie

Die mit Abstand aufwändigste Festival-Produktion ist der „European Philosophical Song Contest“. Regisseur Massimo Furlan und Dramaturgin Claire de Ribaupierre inspirierten Philosophen aus zehn Ländern vom Nordkap bis nach Gibraltar zu intellektuellen Texten über ihre europäischen Visionen. Daraus wurden 12 Popsongs komponiert, die live auf großer Bühne vorgetragen und von den Düsseldorfer Juroren über Applaus-Messung bewertet werden.

Für junges Publikum

Ein Novum, dass ein Drittel des Programms in die Sparte Kinder- und Jugendtheater fällt – mit relevanten Themen der Zeit. Die kanadische Uraufführung „Ist mein Mikro an?“ stellt Fragen zum Klimawandel und zur globalen Zukunft, ebenso der Weltkongress des Jungen Theaters „Our house is on fire“ (Zitat Greta Thunberg). Die deutschsprachige Erstaufführung der Komödie „Das Gewicht der Ameisen“ von David Paquet (Kanada) ist eine Düsseldorfer Eigenproduktion. Nach der Deutschland-Premiere „Die Geschichte von der Geschichte“ im Großen Haus (ab acht Jahre), erhält der niederländische Autor Jetse Batelaan vom Theater Artemis den Preis des Internationalen Theaterinstituts.

Weltfoyer im Festivalzentrum

Künstler aus allen Kontinenten verwandeln an 18 Tagen und Nächten das Festivalzentrum am Gustaf-Gründgens-Platz zu einem öffentlichen Performance-Raum. Das Programm (Vorträge, Klang-Sessions, Filme, Gespräche) entwickelten der bildende Künstler und Musiker Stefan Schneider aus Düsseldorf und Chris Bruckmayr, Kurator des Festivals Ars Electronica in Linz.

Die Spielstätten

Festivalorte sind Schauspielhaus mit Großem und Kleinem Haus, Central, Junges Schauspiel Münsterstraße, Theatermuseum, Dreischeibenhaus, Tanzhaus NRW, FFT Juta, K21, Komödie und die Wandelhalle des Landtags.