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„Così fan tutte“hatte Premiere bei den Salzburger Festspielen.

Jubel bei den Festspielen : Mozart zwischen Witz und Kontrollverlust

„Così fan tutte“, von Joana Mallwitz dirigiert und Christof Loy inszeniert, hatte umjubelte Premiere bei den Salzburger Festspielen.

Die 38. Folge der beliebten ZDF-Krimiserie „Wilsberg“ heißt „Treuetest“. Darin wird der zur Schusseligkeit neigende Finanzbeamte Ekki Talkötter von seiner krankhaft eifersüchtigen Freundin auf die Probe gestellt. Bevor seine Neigungen virulent werden können, erliegt ausgerechnet die beauftragte Treuetesterin einem Meuchelmord. Die Frage: Wer war der Täter?

In Mozarts „Così fan tutte“ geht es viel, viel weiter, weil Mozart auch die verwegensten Fragen stellt: Kann ein Treuetester selbst schwach werden? Können sogar zwei parallel arbeitende Treuetester schwach werden? Können sie dabei ausgerechnet bei der Verlobten des jeweils anderen Treuetesters schwach werden, die ihrerseits den Test nicht besteht? So dass es am Ende vier Schwache gibt?

Dies ist die ausgereizte Handlung der „Così“ und die infamste Fragestellung, die es in amourösen Dingen in der Operngeschichte gibt. Ein Laborversuch als Folge einer Wette, der Mozarts Musik freilich mit solchem Leben auflädt, dass das Unwahrscheinliche zur sinnlichen Realität wird. Dieses Werk haben wir schon oft bei den Salzburger Festspielen erlebt, allerdings noch nie so zugespitzt, zum Konzentrat verkürzt wie jetzt. Die Corona-Pandemie machte eine Reduktion der Spielzeit auf zwei Stunden und 15 Minuten ohne Pause erforderlich.

Natürlich fehlt jetzt teilweise schönste Musik, aber Mozart selbst hätte die Verknappung gewiss abgesegnet. Die Dirigentin Joana Mallwitz und der Regisseur Christof Loy haben sie intelligent arrangiert. Der Abend gerät zu einer sehr einleuchtenden und auch anrührenden Seelenerkundung zwischen Liebreiz und Perfidie, zwischen Witz und Bosheit, Koketterie und Kontrollverlust. Wunderbar gibt Loy den Fallensteller, der seine Opfer gleichwohl liebt. Loys Clou: Für den Treuetest gibt es keine falschen Bärte, keine Kostüme. Seine Botschaft: Aus den Augen, aus dem Sinn.

Vor dem schmucklos-klaren Bühnenbild von Johannes Leiacker begibt sich der Abend beinahe als pure Konstellation, der durch den Gesang und das Orchesterspiel zahlreiche Farbtöne zuwachsen. Das ist hinreißend. Joana Mallwitz musiziert mit den Wiener Philharmonikern keine Sekunde nervös, sondern drängend und biegsam. Und die Sänger formieren sich zu einem spielfreudigen Ensemble, bei dem es hinten und vorne stimmt: Elsa Dreisig als prinzipienfeste Fiordiligi, Marianne Crebassa als lebenslustige Dorabella, Bogdan Volkov als drängender Ferrando, Andrè Schuen als verzweifelter Guglielmo, Johannes Martin Kränzle als heimtückisch-lebensweiser Don Alfonso sowie Lea Desandre als Despina, die im Laufe der Verwicklungen merkt, wie bitter das Leben und die Liebe sein können.

Hierfür gibt es nur einen Täter: Mozart natürlich.