1. Kultur

Corona leht uns, was Gelassenheit bedeuten kann

Gott und die Welt : Einfach etwas gelassener sein

In aufgeregten Zeiten wie diesen sollte man die richtige Haltung gewinnen und entscheiden, was wichtig ist und was nicht. Mit dieser Überzeugung lässt es sich besser, das heißt: gelassener leben

Verrückte Zeiten sind das! Erst werden wir von der Virus-Bedrohung aufgeschreckt, dann entdecken wir im Lockdown plötzlich den Wert der Langsamkeit, stürzen uns jetzt wieder in Betriebsamkeit und schielen schon ängstlich auf die Gefahr eines zweiten Lockdowns. Wir bleiben Getriebene - von unseren Hoffnungen, Ängsten, Zuversichten. Abschaffen kann man solche Impulse nicht; schließlich sind es unsere Antriebe. Doch wir können einen anderen Umgang mit den vermeintlichen Aufgeregtheiten lernen. Das uralte Zauberwort heißt: Gelassenheit. Sicher, ein Schlagwort ist das, und für manche ist es bloß eine Phrase, das Alibi für Bequemlichkeit. Doch es lohnt, darüber einmal nachzudenken. Weil Gelassenheit eben nichts mit Coolness und schon gar nichts mit Gleichgültigkeit zu tun hat. Gelassenheit ist eine Haltung und immer das Ergebnis einer Einschätzung „der Lage“. Der Gelassene hat stets für sich entschieden, was wichtig ist und was nicht, was unveränderbar ist, was Zeit braucht, was Kraft braucht, was Verschwendung ist. Das müssen und können nicht immer die richtigen Entscheidungen sein; aber sie wurden getroffen aus eigener Überzeugung. Daraus schöpft der Gelassene seine Kraft - worauf die Herkunft des Wortes einen Hinweis gibt. Das mittelhochdeutsche Wort gelāʒenheit bedeutet Gottergebenheit. Gott und Ergebenheit sind heutzutage fast schon unpopuläre Begriffe. Weil sie unsere scheinbare Selbstbestimmtheit zumindest hinterfragen: Haben wir wirklich alles selbst in der Hand? Sind wir stets „Herr“ des Verfahrens? Auch die Corona-Erfahrung lehrt uns anderes. Kein Grund zur Resignation; aber ein guter Anlass, innezuhalten. Das wirklich Wichtige zu bedenken und sich von all dem Unwichtigen zu verabschieden. Anders gesprochen: Einfach etwas gelassener zu leben.