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Christian Pape plant trotz Corona 2021 mit "Pape macht Zirkus"

Pape will auch 2021 Zirkus machen : Lächeln in schweren Zeiten

Der Kabarettist Christian Pape ist schon lange auf den Bühnen des Rheinlands unterwegs. Er erzählt von den schweren und schönen Momenten seiner Karriere, und wie er trotz Corona sein Event „Pape macht Zirkus“ auch 2021 ausrichten will.

Augenblicke absoluter Stille gibt es auf Karnevalssitzungen selten. Für sie bleibt zwischen Lachen, Mitsingen und ausgelassenen Gesprächen kaum Platz. Genau deswegen genießt Christian Pape diese Momente besonders. Es sei immer eindrucksvoll, sich ein Publikum, „das vorher noch gekocht hat, mit Worten so zurechtzulegen, dass man eine Stecknadel fallen hört“, sagt der Kabarettist. Er beschreibt, wie dann 1000 Menschen an seinen Lippen hängen und auf die Pointe warten. Wie die Spannung im Saal sich mehr und mehr aufbaut und schließlich mit Wucht entlädt. Eine Welle, die Zuschauer ebenso mitnimmt wie ihn selbst.

Wenn Pape von diesen Gänsehautmomenten und seinem Alltag erzählt, wählt er seine Worte sehr bewusst. Nichts wirkt entbehrlich, alles wird klar verständlich formuliert. Seine einladende Stimmfarbe tut ihr Übriges. Es ist leicht, sich vorzustellen, wie er auf die Bühne tritt und schnell viele Zuhörer findet.

Dahinter steckt viel Erfahrung und Arbeit. Jahre hat der 47-Jährige damit zugebracht, an seinem Auftreten und der Struktur seiner Programme zu feilen. Eine Aufgabe, die nicht nur Wortwitz, sondern auch Flexibilität und Improvisationstalent erfordert. „Manchmal ändert man auf der Autofahrt zwischen zwei Auftritten noch schnell etwas, damit die Gag-Dichte stimmt“, berichtet er von seinem Künstler-Alltag. Zu Beginn einer Session sei nie sicher, welche Witze wirklich ins Schwarze treffen. Zwar teste er das Programm vor Familie und Freunden, doch eine Erfolgsgarantie gebe es nie. Nur die Bühne spreche am Ende die Wahrheit. „Und da gibt es halt, vor allem am Anfang, die ein oder andere Ohrfeige.“

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Ein Beruf mit Unsicherheiten dieser Art hört sich wenig ansprechend an. Ebenso wie die Vorstellung, in jeder Lebenslage auf Knopfdruck gut gelaunt sein zu müssen. „Wenn man gerade einen Angehörigen verloren hat und trotzdem auf der Bühne stehen und die Leute unterhalten muss, ist das nie leicht“, berichtet Pape. „Da würde man sich lieber in einem Büro verkriechen und die Tür hinter sich zuziehen.“ Doch der Beruf gebe Pape gleichzeitig Kraft, schwere Stunden zu überstehen und hinter sich zu lassen. Sei es durch tosenden Applaus und Gelächter, oder gespannte Stille. „Nirgendwo sonst könnte ich solche Emotionen erleben“, sagt Pape, der sich kein anderes Leben vorstellen kann und will: „Ich liebe es einfach, Menschen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern.“

Angefangen hat alles in seiner Heimat Beeck, einem Ortsteil von Wegberg. Beim Messdienerkarneval hielt der damalige Fünftklässler seine erste Büttenrede. Der Pater erkannte Papes Talent, legte ihm nahe: „Junge, das ist so lustig, du musst auf der Frauensitzung in Beeck auftreten.“ Gesagt, getan. Der Sprung ins kalte Wasser war erfolgreich, die Bühne wurde ein fester Teil von Papes Leben.

Auf ein Berufsleben voller Feststimmung, Helau und Alaaf steuerte er allerdings erst nicht zu. Nach dem Abitur zog er nach Köln und begann mit dem Jurastudium. Im Hörsaal wurden Paragrafen gepaukt, auf Karnevalssitzungen und anderen Veranstaltungen ironisch der Alltag und die Gesellschaft aufs Korn genommen. Irgendwann musste sich Pape entscheiden. Er wählte die Bühne: „Bei Jura blieb einfach die Kreativität auf der Strecke“, erinnert sich der Kabarettist. Er schloss sein Studium ab und widmete sich anschließend Vollzeit der Kunst. „Ich wollte es wenigstens versuchen.“

Wie sich herausstellte, war es die richtige Entscheidung: Vor der Corona-Pandemie war Pape überall auf rheinischen Bühnen unterwegs, hatte an manchen Tagen neun Auftritte hintereinander. Diese Zeit sei stressig, aber auch großartig. Er erzählt Geschichten aus seinem Leben, setzt aber auch gerne politische Spitzen und spricht wenn nötig ein Machtwort. Gegen rechte Ideologien, gegen soziale Missstände. „Mir ist es wichtig, für eine offene und tolerante Gesellschaft einzutreten. Mit diesen Werten wurde ich erzogen, für diese Werte trete ich auch auf der Bühne ein“, sagt Pape entschlossen.

Er organisiert zudem selbst verschiedene Veranstaltungen. So ist das mittelalterliche Rittergut in Beeck, in dem schon Papes Großeltern wohnten, nicht nur Rückzugsort und Ruhepol, an dem Pape an neuen Programmen schreibt. Bei „Pape grillt“ verwandelt sich der Innenhof in ein kleines Festivalgelände, bei dem Musiker wie Brings, die Höhner und Nena sich das Mikrofon in die Hand geben. Bei „Pape macht Zirkus“ holte er in den vergangenen Jahren verschiedenste internationale Künstler, Komiker und Akrobaten nach Beeck.

Pape schwärmt von den vergangenen Veranstaltungen und blickt nicht weniger begeistert trotz Pandemie in die Zukunft. „Pape macht Zirkus“ soll auch dieses Jahr stattfinden. „Ich bin inzwischen seit 14 Monaten ohne das Einkommen, was ich sonst einspiele, aber Resignieren ist keine Option“, betont er. Das Event soll Corona-konform, aber trotzdem im würdigen Rahmen stattfinden. So wird es ein schwebendes Zelt geben, das frische Luft, Zirkusatmosphäre und Schutz vor dem Wetter bietet. Pape hat eine Spendenaktion gestartet, um die Mehrkosten für die aufwändige Umgestaltung der Veranstaltung zu finanzieren. 23.000 Euro sollen zusammenkommen, um „Pape macht Zirkus 2021“ umsetzen zu können. „Ich möchte den Leuten einfach wieder mit einer tollen Show die Freude und das Lächeln zurückbringen.“