Chormusik aus Cambridge

Klassik : Klangvolles Jubiläum in Cambridge

In großartiger Form präsentiert sich der Chor von St. John’s College in Cambridge.

Klassik In diesen Tagen wird viel über Knabenchöre debattiert und über die Frage, ob ihnen auch Mädchen angehören dürfen. Es gibt zahllose Gründe, diese Frage abzulehnen. Einer ist die in diesem Fall wirklich gute alte Tradition, die nichts mit Abgrenzung, sondern mit gewachsener Geschichte zu tun hat.

Heute beschäftigen wir uns mit einem der großen englischen Knabenchöre, dem Choir of St. John’s College in Cambridge. Der hat jetzt unter seinem Dirigenten Andrew Nethsingha eine Reihe von Repräsentations-Werken der Chormusik aufgenommen, die so ein Knabenchor geradezu zwangsläufig im Repertoire hat. Der Anlass war ein Jubiläum: Vor 150 Jahren wurde St. John College Chapel eingeweiht. Diese Musik, die den Festakt beglänzt, ist feierlich, erhaben, sie schwingt melodisch frei aus, sie lässt wie man so sagt, die Seele der Hörer himmelwärts  schweben. Schon das einleitende doppelchörige „Faire is the heaven“ von William Harris erfüllt sämtliche derartigen Transferaufgaben hinreißend.

Natürlich wird die angelsächsische Tradition auf der CD (erschienen bei Signum Classics) bestens gepflegt: Die Großmeister Benjamin Britten, Charles Standford, John Tavener oder Hubert Parry sind mit Meisterwerken vertreten, ein Blick nach Frankreich gilt dem „Salve Regina“ von Francis Poulenc, Österreich wird mit Anton Bruckners „Locus iste“ sogar im Titel der CD bedacht, Russland mit Rachmaninows „Cherubic Hymn“.      

Der Chor singt mirakulös, klingt niemals dünn oder gar dürr, mit fabelhafter Intonation und Leuchtkraft. Die Akustik von St. John’s College Chapel  muss ihre Gnade gar nicht unter Beweis stellen. Nethsingha ist kein Muskelmusiker, sondern ein Erzromantiker, der Klang am liebsten von sich aus entstehen lässt. So ist es recht. An der Orgel brilliert Glen Demsey, das Cello-Solo spielt Laura van der Heijden. Wolfram Goertz

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